Azoya: "Chinesen sind an ein hohes Service-Level gewöhnt"

Freihandelszone: Strategie nicht ganz ohne Risiko

Kommen wir nochmal zum Thema Logistik. Welche Herausforderungen ergeben sich denn da?
Gatti:
Es gibt grundsätzlich zwei Wege, Online-Bestellungen nach China zu schicken. Entweder packt man die Pakete in Deutschland und verschickt die Pakete tropfenweise nach China. Das hat den Vorteil, dass ein Händler vergleichsweise geringe Investitionen hat, weil Fulfillment und Lagerbestand in Deutschland sind. Auch die Prozesse ändern sich kaum - mit der Ausnahme, dass die Ware nach China robuster verpackt werden sollte, denn die chinesischen Dienstleister gehen mit den Paketen nicht gerade zimperlich um. Hier merken wir, dass Händler, die das Fulfillment sehr automatisiert erledigen, größere Probleme haben als Händler, die noch viel manuell machen. Die andere Möglichkeit ist der Versand über Freihandelszonen: Hier lagern Händler ihre Produkte, in der Regel die Bestseller, in einem Lagerhaus in China, das aber eine Freihandelszone ist. Die Ware kann steuerfrei in China lagern. Der Zoll wird erst fällig, wenn eine Bestellung angekommen ist.
Was würden Sie empfehlen?
Gatti:
Dropshipping hat natürlich den Nachteil, dass es zehn bis 14 Tage dauert, bis das Paket ankommt. Wer aus Freihandelszonen verschickt, kann Pakete innerhalb von zwei bis drei Tagen zustellen. Es ist aber auch das riskantere Modell, denn die Gesetze ändern sich mehr oder weniger monatlich. Es ist schon häufiger passiert, dass das, was vorher eine Freihandelszone war, von einem Tag auf den anderen keine mehr ist. Und natürlich ist das Modell auch kapitalintensiver, da ich ein Lager bauen und ein Fulfillment installieren muss. Wir empfehlen unseren Kunden, mit Dropshipping zu starten und später, wenn die Bestseller bekannt sind und man die Gesetze der Freihandelszone besser beurteilen kann, im zweiten Schritt die Freihandelszone zu nutzen.
Viele Händler haben sich in China schon eine blutige Nase geholt und viel Lehrgeld bezahlt. Mit welchen Kosten muss ich denn rechnen?
Gatti:
Sie brauchen in China für viele Dinge Partner - und jeder zusätzliche Dienstleister muss bezahlt werden. Tmall beispielsweise ist auch so einer. Dann sollte man wissen, dass die Chinesen sehr viel nach Kampagnen einkaufen. Je mehr Kampagnen ein Händler macht, desto höher steigt die Zahl der Bestellungen. Ein funktionierender Trick für Cross-Border ist Gratisversand. Aber auch das ist ein Kostenfaktor, der in meiner Marge berücksichtigt werden muss.



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