Übernahme 12.05.2016, 09:50 Uhr

Zalando kauft Marktplatz-Spezialisten Tradebyte

Der neueste Coup von Zalando versteckt sich irgendwo im Mittelfeld der Pressemeldung zu den offiziellen Quartalszahlen: Der Online-Händler hat 100 Prozent der Anteile am IT-Dienstleister Tradebyte übernommen.
(Quelle: Pieter Beens / Shutterstock.com)
Zalando ist um eine Akquisition reicher: Der Online-Händler hat den IT-Dienstleister Tradebyte zu 100 Prozent für eine ungenannte Summe übernommen. Tradebyte ist vor allem für seine Schnittstelle bekannt, mit der Online-Händler ihren Shop in einen Marktplatz verwandeln und die Produkte von Herstellern und Marken besonders komfortabel einbinden können. Der Ansbacher IT-Spezialist machte in den letzten Jahren regelmäßig mit hochkarätigen Kunden wie Hallhuber, Trigema, MyToys, Real, Guess oder Home24 von sich reden.
Zalando arbeitete bereits seit 2012 mit Tradebyte zusammen, um sich schrittweise zum Mode-Marktplatz zu öffnen. "Doch wir erachten das Thema Vernetzung als so wichtig, dass wir es lieber im Haus haben möchten", begründete Malte Dous, Leiter des Partnerprogramms bei Zalando, die Übernahme gegenüber der Textilwirtschaft. Der prominente Zukauf passt ins Bild der gegenwärtigen Zalando-Strategie: Das Berliner Unternehmen ist dabei, sich vom Mode-Händler zur Technik-Dienstleister für die Modebranche zu wandeln. Derzeit arbeitet Zalando bereits mit über 150 Modemarken zusammen, die ihre Produkte auf der Plattform vertreiben. Dieses Partnerprogramm soll in Zukunft weiter ausgebaut werden.
Die Übernahme von Tradebyte soll die Digitalisierung und Einbindung der externen Warenbestände in Zukunft deutlich vereinfachen. Dennoch soll Tradebyte auch weiterhin "komplett unabhängig" am Markt agieren, betont Zalando. Schließlich zählt das Unternehmen zu seinen Kunden auch direkte Zalando-Wettbewerber wie AboutYou.

Quartalszahlen? Wie erwartet

Ach ja: Die offiziellen Quartalszahlen, in denen Zalando die Meldung zur Übernahme von Tradebyte versteckt hat, sind weit weniger spektakulär, dafür aber genau so positiv wie zu erwarten war.
Der Online-Modehändler Zalando hat sein Geschäft im ersten Quartal weiter ausgebaut. Der Umsatz legte um 23,7 Prozent auf 796 Millionen Euro zu, wie die Aktiengesellschaft am Donnerstag mitteilte. Damit bestätigte Zalando die im April prognostizierten Zahlen für das erste Quartal.
Im Vorjahreszeitraum waren die Erlöse aber noch um 29 Prozent gewachsen. Der bereinigte Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank den Angaben zufolge von 29,1 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 20,2 Millionen Euro.
Vorstandsmitglied Rubin Ritter teilte mit, Zalando investiere derzeit in seine langfristige Plattformstrategie und seinen Wachstumsplan. Bis Jahresende will das Unternehmen dafür rund 200 Millionen Euro aufwenden. "Gleichzeitig wächst unser Kerngeschäft sehr stark und wir gewinnen weiterhin Marktanteile hinzu", stellte Ritter fest. Die Zahl seiner aktiven Kunden gab Zalando mit 18,4 Millionen an, 3,0 Millionen mehr als ein Jahr zuvor.
Zalando bestätigte seine Prognose für das Gesamtjahr mit einem Umsatzwachstum am oberen Ende des Zielkorridors von 20 bis 25 Prozent sowie eine bereinigte EBIT-Marge von 3,0 bis 4,5 Prozent.

Zalando ist in Berlin an vier Standorten vertreten, in zwei Jahren soll mit dem Zalando Campus der fünfte hinzukommen. Ein Blick hinter die Kulissen des erfolgreichen deutschen Online-Händlers.




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