Buch-Branche
05.05.2014, 10:05 Uhr

Verlage verpassen Chancen auf Amazon

Da muss sich was ändern: Die Buch-Branche verschenkt Umsatzpotenzial, weil sie ihre Produkte im digitalen Handel größtenteils mangelhaft präsentiert. 
(Quelle: shutterstock.com/Thinglass )
Harsche Kritik für deutsche Buchverlage: Die Produktdarstellung der Bücher auf Amazon ist bei mehr als drei Viertel aller Bücher (78 Prozent) mangelhaft. Oft fehlt es sogar schon an einer aussagekräftigen Beschreibung. Immer wieder finden sich gravierende Mängel, wie lieblose, unattraktive Texte und fehlende visuelle Einblicke über Bilder oder den "Blick ins Buch".
Zu diesem Fazit kommt eine Untersuchung der Kölner Unternehmensberatung Wachter Digital Partners (wdp), die von Dezember 2013 bis Februar 2014 die Präsentation von insgesamt 150.000 Bücher auf Amazon untersucht hat. Zur Auswertung entwickelte wdp einen Optimierungsindex für die Produktdarstellung (OIP), der Auskunft über die Qualität der Produkttexte, Anzahl der Produktbilder und die Verwendung von zusätzlichen Elementen, wie PDFs und Autoreninformationen, gibt.
Am besten schnitt dabei die Verlagsgruppe Random House ab, die mit den Verlagen Goldmann, Mosaik, btb, Blanvalet Taschenbuch, Diana, Arkana, DVA und C. Bertelsmann auf den durchschnittlich höchsten Wert kommt. Betrachtet man die Verlage einzeln belegt Goldmann mit 5,55 von maximal 10 Punkten den ersten Platz.
Verlage mit dem höchsten/ niedrigsten Optimierungsindex (OIP)
(Quelle: wdp)
Der Studie zufolge können Zusatzmaterialien die Abverkäufe auf Amazon erheblich steigern. Schon allein eine gute Produktbeschreibung kann den Verkaufsrang bei Amazon um bis zu 51 Prozent verbessern. Der "Blick ins Buch" ist allerdings für sich allein genommen kein Allheilmittel. Die Analyse zeigt, dass er nur einen von vielen relevanten Optimierungspunkten darstellt. Christoph Nichau, bei wpd für die Studie verantwortlich, erklärt die Ergebnisse folgendermaßen: "Die Verlage können sich im stationären Handel auf kompetente Verkäufer verlassen - im digitalen Handel müssen sie das Verkaufsgespräch über die Produktdarstellung selbst führen."
(Quelle: wdp)
Neben dem Optimierungsindex hat die Studie den Buchmarkt auch aus Konsumentensicht untersucht. Erfolgreichster Verlag ist demzufolge Gräfe und Unzer mit einem durchschnittlichen Amazon-Verkaufsrang von 24.326, dahinter folgen der Arkana Verlag und Dr. Oetker. Hinsichtlich der Kundenbewertung schneidet der Groth Verlag mit 4,69 von möglichen 5 Punkten am besten ab. Hier folgen der SCM Verlag (4,68) und der Stürtz Verlag (4,66) auf Platz zwei und drei.
Egal ob gut präsentiert oder nicht - viele Verlage bieten ihre Bücher mittlerweile auch als E-Books an. Mit der Nutzung der digitalen Pendants hapert es aber bisher noch - auch, weil sich jeder Vierte nicht mit den Preisen für das digitale Lesevergnügen anfreunden kann.



Das könnte Sie auch interessieren