Stichprobe der Verbraucherzentrale 23.07.2020, 13:30 Uhr

Online-Handel: Wirrwarr und kaum Transparenz beim Warenbestand

Die Verbraucherzentrale hat 15 große Online-Händler und Marktplätze hinsichtlich der Angaben zum Warenbestand untersucht. Der Test zeigt: Durchgehende Transparenz gibt es lediglich bei Conrad und beim Rückläufer-Verkauf von Amazon (Warehouse).
Dass ein Händler im Online Shop Angaben wie "nur noch 2 verfügbar" macht, kann reine Strategie sein.
(Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa-tmn)
Die oft mangelnde Transparenz von Warenbeständen ist wahrscheinlich so alt wie das Online Shopping selbst. Händler haben offenbar früh erkannt, dass sie mitunter mehr Menschen schneller zum Kauf bewegen können, wenn Unklarheit über die verfügbaren Stückzahlen eines Artikels besteht.
Das Spektrum reiche von gar keiner Angabe über das aussagekräftigere "auf Lager" und vagen Formulierungen à la "mehr als 10 verfügbar" bis hin zu einer präzisen Anzahl angeblich noch vorhandener Stücke, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in einer Warenbestands-Stichprobe bei 15 großen Shops und Marktplätzen im Netz festgestellt hat.

Welche Online Shops überzeugen - und welche nicht

Durchgehende Transparenz fand sich demnach lediglich beim Elektronikanbieter Conrad und beim Rückläufer-Verkauf von Amazon (Warehouse). Während Conrad stets die genaue Anzahl beim Produkt aufführte, war bei den Gebrauchtofferten des Branchenprimus jedes Produkt einzeln auswählbar, sogar wenn mehrere Exemplare im selben Zustand ("sehr gut") vorhanden waren.
Das Gros der Händler im Check wurde dagegen erst auskunftsfreudig, wenn der Bestand zur Neige ging. Die eine Gruppe umschrieb das mit Ansagen wie "nur noch wenige verfügbar" (etwa limango, Otto, Tchibo). Die andere gab dann präzise Klein-Mengen an: "nur noch 4 verfügbar" (etwa About you, Amazon, Medimops).
Auf dem Marktplatz eBay fanden sich beide Varianten: unklare Aussagen wie "fast ausverkauft", aber auch konkrete wie "2 verfügbar".

Kaufdruck erzeugen

Die Info über einen knappen Warenbestand kann für Kunden durchaus hilfreich sein. Sie kann anderseits aber auch Kaufdruck erzeugen, besonders im Zusammenspiel mit psychologischen Methoden. Dazu gehört das Bild einer Uhr samt der Warnung "fast vergriffen" (Asos, eBay).
Oder ein mit der Zeit kürzer werdender Balken, der den schwindenden Bestand symbolisieren soll. Den gibt es bei Amazon oft bei Blitz- und Tagesangeboten. Über tatsächlich vorhandene Stückzahlen sagt das aber nichts aus. Amazon kann jedoch auch anders, wenn es leer wird im Lager, fand die Verbraucherzentrale heraus. Hier gibt es dann bisweilen den Hinweis: "mehr ist unterwegs".
Irritierend ist auch, dass die Hälfte der Shops Infos zum knappen Lagerbestand schon auf Kategorie-Seiten oder Suchlisten anzeigt. Die andere machte das erst auf den einzelnen Produktseiten öffentlich. Noch später erfuhren es meist Käufer von Artikeln, die es in unterschiedlichen Variationen gibt wie Kleidung. Otto und Tchibo beispielsweise beschränken in der Regel auf maximal 50 beziehungsweise 30 Artikel. Wer diese Limits ausschöpft, erfährt an der Kasse, ob der Kauf dieser Stückzahl möglich ist.

Trick für Verbraucher

Doch ein Trick verhilft Kunden zu mehr Tacheles: Wer wissen möchte, ob er wirklich zuschlagen muss oder noch ein wenig Bedenkzeit hat, sollte sich bis zum Warenkorb oder sogar bis zur Kasse vorklicken, raten die Verbraucherschützer. Denn an diesen Stellen ließen sich viele Händler überlisten, die ihren Lagerbestand eigentlich nicht offenbaren mögen.
Der Weg führe über die Bestellmenge. Wer diese im Warenkorb oder an der Kasse hochschraubt, erfahre, ob der Kauf der Ware in dieser Stückzahl möglich ist - oder eben nicht. In der Stichprobe gab etwa ein Marktplatz bei einem Gerät an: "Nur noch 1 auf Lager". An der Kasse jedoch ließ sich die Bestellmenge bis auf 999 Exemplare erhöhen. Mögliche Interessenten könnten hier als beruhigt durchatmen: Ihnen bleibt noch ausreichend Zeit für Produkt- und Preisvergleiche.


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