bevh-Studie 21.01.2020, 12:34 Uhr

Christoph Wenk-Fischer: "E-Commerce boomt nicht"

Der interaktive Handel hat 2019 in Deutschland erneut ein Rekordjahr hingelegt. Die Redewendung "Der E-Commerce boomt" will bevh-Chef Christoph Wenk-Fischer trotzdem nicht verwenden.
(Quelle: shutterstock.com/William Potter)
Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des bevh, startete mit einem Knallerzitat in das Jahrespressegespräch 2020. "Ich habe die Formulierung 'E-Commerce boomt' bei uns untersagt", ließ er die anwesenden Journalisten wissen. Denn von einer Branche, die seit zehn Jahren kontinuierlich wächst, könne man nicht mehr sagen, sie boomt.
Glücklicherweise für alle Akteure wächst die Branche aber weiter ungebremst. Die Umsätze im interaktiven Handel (hier rechnet der bevh E-Commerce und klassischen Versandhandel zusammen) mit Waren und Dienstleistungen stiegen 2019 im Jahresvergleich um 9,9 Prozent auf 94,0 Milliarden Euro. Betrachtet man allein das E-Commerce-Segment lag das Wachstum bei 11,6 Prozent auf 72,6 Milliarden Euro.

79,4 Milliarden Euro

"Wir sind die mit den Brutto-Umsätzen", fügt Wenk-Fischer als Erklärung hinzu. Denn die Werte beruhten auf Verbraucherumfragen. Und die würden von ihren Antworten in der Regel keine Mehrwertsteuer abziehen. Nichtsdestotrotz hat der bevh zumindest einmal auch die Nettoumsätze errechnet - und kommt hier auf Werte von 79,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil des interaktiven Handels am gesamten Einzelhandel von 14,8 Prozent (Vorjahr: 13,7 Prozent).
Allein im vierten Quartal bestellten die deutschen Verbraucher für 22 Milliarden Euro Waren im E-Commerce und gaben damit 11,5 Prozent mehr aus als noch im Vorjahreszeitraum. Rechnet man den klassischen Versandhandel noch hinzu, summieren sich die Umsätze auf 22,3 Milliarden Euro - allerdings bei geringerem Wachstum von 9,8 Prozent.

So geläufig wie der Gang zum Supermarkt

Auf der Suche nach den wesentlichen Wachstumstreibern wurde der bevh gleich mehrfach fündig: So ist die Bestellfrequenz im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen. Ein Drittel der befragten Kunden, die in den sieben Tagen vor ihrer Teilnahme an der Umfrage online bestellt haben, hat in dieser Zeit mehr als einen Kauf getätigt. Im Vorjahr lag die Quote bei gut einem Viertel.
Zudem ist auch die Zufriedenheit mit dem Online-Einkauf stark gestiegen: 76 Prozent äußerten sich in der diesjährigen Befragung "sehr zufrieden", 2018 waren dies erst 73,8 Prozent. "Die Steigerung der Kundenzufriedenheit in einem erneuten Wachstumsjahr zeigt eindrucksvoll, dass die Branche vor weiterem Wachstum keine Angst zu haben braucht. Die Systeme und Prozesse skalieren", gibt sich bevh-Präsident und Sprecher des Vorstands der Cairo AG, Gero Furchheim, zuversichtlich.



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