Kilian Thalhammer, Wirecard 01.10.2019, 14:31 Uhr

"Grundsätzlich sehen wir die PSD2 sehr positiv"

Facebooks Libra, die PSD2 oder Mobiles Bezahlen: An spannenden Entwicklungen mangelt es der Payment-Branche derzeit nicht. Über einige wichtige sprachen wir mit Kilian Thalhammer, Vice President Product Management Payment und Risk bei Wirecard.
Kilian Thalhammer, Vice President Product Management Payment und Risk bei Wirecard
(Quelle: Wirecard)
Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr hat Wirecard im August seine Ergebnisprognose erhöht. Auch für das kommende Jahr zeigt sich das Unternehmen optimistisch und fokussiert sich derzeit auf den Ausbau des Produktportfolios und die Integration großer Dienstleister: Stichworte sind Commerce und Cloud. So bindet Wirecard aktuell die Commerce Cloud von Salesforce in die unternehmenseigene Financial Commerce Platform ein. Die Kombination der beiden großen Technologien soll es Händlern ermöglichen, ihre Shops schneller zu launchen, ihr Geschäft stärker auszubauen und mehr Kunden weltweit zu erreichen.
Dabei hat der Payment-Dienstleister aus Aschheim bei München nicht nur das eigene Geschäft im Blick, sondern konzentriert sich auch auf konkurrierende US-Anbieter. Über Player wie Facebook und die langfristigen Zukunftstrends Mobile Payment und Blockchain spricht Kilian Thalhammer, Vice President Product Management Payment und Risk bei Wirecard, im Interview.
Zu Beginn gleich ein Blick gen Übersee: Aktuell heiß diskutiert in der Payment-Branche wird Facebooks Libra. Was denken Sie über die Kryptowährungs-Pläne des Unternehmens?
Kilian Thalhammer: In die Pläne von Facebook und dem Konsortium der verschiedenen Firmen rund um Libra wird derzeit viel hineininterpretiert. Darum sind viele Aussagen in diesem frühen Stadium rein spekulativ. Wir denken allerdings, dass die Bedeutung von Libra und anderen Kryptowährungen wachsen wird und sie womöglich in Zukunft eine von mehreren Zahlungsarten im Handel darstellen werden. Auch wir testen im Wirecard Innovation Lab die verschiedenen Optionen, mit denen sich End-to-End-Services in der Blockchain abbilden lassen, unabhängig von der Währung. Obwohl "Dezentralisierung" ein wesentliches Element von Blockchain darstellt, ist davon auszugehen, dass sich künftig außerdem einheitliche Standards und Regulierungen durch Zentralbanken etablieren werden. Das wird der Blockchain-Technologie einen neuen Schub geben und ist eine positive Entwicklung.
 
Die neue Richtlinie für Online-Zahlungen, die Payment Service Directive (PSD2), die den Kreditkarten-Betrug im Internet unterbinden will, trat am 14. September in Kraft. Wie sehen Sie die neue Richtlinie?
Kilian Thalhammer: Grundsätzlich sehen wir die PSD2 sehr positiv. Sie macht das Bezahlen sicherer und ist damit im Sinne von Händlern und Konsumenten gleichermaßen. Wie so oft steckt der Teufel allerdings im Detail und die komplexe Umsetzung war und ist nicht zu unterschätzen. Deshalb ist es für Händler sinnvoll, sich sehr intensiv mit der Thematik zu beschäftigen. Schließlich soll die Konversion bei Kartenzahlungen auch weiterhin passen. Der Aufschub durch die Bafin war vor diesem Hintergrund sicherlich sinnvoll - wir raten aber sehr dazu, dass Händler sich davon nicht blenden lassen, sondern das Thema weiterhin mit hoher Priorität zu behandeln. Unsere Händler unterstützen wir konkret mit einem Fast-Track-Onboarding über unsere digitale Financial Commerce Platform, mit Hotlines und speziellen Service-Teams.
Egal ob der Payment-Dienstleister jetzt Apple, Sparkasse, Wirecard oder PayPal heißt: Was erwartet der Online-Händler von seinem Anbieter heutzutage?
Thalhammer:  Wer auf diesem Gebiet erfolgreich sein will, muss ganz im Sinne des Kunden denken: Das Durchführen und Annehmen von Zahlungen muss sicher, bequem und einfach sein. Von all diesen Vorgängen ist heute erst ein Bruchteil voll digitalisiert. Deshalb gibt auf diesem Gebiet auch ein solch riesiges Potenzial. Technologisch müssen die entsprechenden Lösungen dafür in jedem Fall "state of the art" sein und die Brücke zwischen Sicherheit beziehungsweise Vertrauen und bequemer Nutzbarkeit bilden. Außerdem ist es wichtig, für den Kunden vorauszudenken. Deshalb ist auch beispielsweise Unified Commerce für Wirecard ein so wichtiges Thema: Damit ermöglichen wir Händlern, ihren Kunden beim Bezahlvorgang über alle Kanäle hinweg ein einheitliches Einkaufserlebnis zu bieten. Also beispielsweise im Laden, in der App und Online.
 
Eine kleine Prognose auf die nächsten fünf Jahre hin: Wie sieht die Entwicklung bei den Bezahlmethoden aus? Erlebt die Lastschrift dank PSD2 ein Revival? Nimmt die Kreditkarte an Attraktivität ab? Profitieren Mobile Bezahlverfahren wie Apple und Google Pay?
Thalhammer: Kurzfristig erwarten wir keine dramatischen Änderungen. Google und Apple werden wahrscheinlich nach und nach Marktanteile gewinnen - unter anderem weil sie das Thema SCA (Strong Customer Authentication) bereits gelöst haben, bevor es akut wurde.
Wir gehen allerdings von einer Phase, in der Bargeld, Kredit- und Debitkarten für die meisten Einkäufe verwendet werden, zu einer Zeit über, in der immer häufiger rein mobile Zahlungsmethoden zum Einsatz kommen. Dabei geht es nicht darum, dass Verbraucher ihr Smartphone zum Bezahlen an ein Terminal halten. Es geht darum, dass Einkäufe über ausschließlich digitale Wege bezahlt werden - ohne Kiosk oder Kasse dafür zu brauchen.
Generell werden die Grenzen zwischen physischem und Online-Handel völlig verschwimmen. Digitale Technologien verändern gleichzeitig sowohl das Zahlungsverhalten als auch die Geschäftsmodelle von Unternehmen. Payment wird immer sicherer, einfacher und teilweise unsichtbarer, weil es vollständig in den Kaufprozess integriert wird.
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Quelle: Payment Summit



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