Möglicher Verkauf der Modekette 19.02.2019, 12:01 Uhr

Tom Tailor soll an chinesische Fosun-Gruppe gehen

Tom Tailor will eine Übernahme an den chinesischen Großaktionär Fosun prüfen. Der Schritt könnte die Rettung für den ins Straucheln geratenen Fashion-Händler bedeuten. Tom Tailor machten zuletzt der Kauf der Modekette Bonita und die Online-Konkurrenz zu schaffen.
Der zunehmende Konkurrenzkampf mit dem Online-Handel machte Tom Tailor zu schaffen.
(Quelle: shutterstock.com/Vytautas Kielaitis )
Hoffnung für den strauchelnden Modekonzern Tom Tailor: Das Unternehmen hat ein Übernahmeangebot des chinesischen Großaktionärs Fosun erhalten. Dieser ist seit 2014 bei dem Fashion-Händler engagiert.
Kurz vor der Ankündigung einer Übernahmeofferte hatte Tom Tailor bekanntgegeben, dass Fosun seinen Anteil über die Ausgabe neuer Aktien von knapp 29 Prozent auf gut 35 Prozent erhöht hatte. Dafür mussten die Chinesen knapp neun Millionen Euro auf den Tisch legen. Sollten alle Aktionäre ihre Anteile im Rahmen der Übernahmeofferte anbieten, müsste Fosun weitere gut 60 Millionen Euro zahlen.
Vorstand und Aufsichtsrat wollen das Angebot nach Vorlage im Rahmen ihrer gesetzlichen Verpflichtungen nun prüfen und auch im Hinblick auf die finanziellen Konditionen bewerten. Grundsätzlich begrüße man aber einen solchen Schritt.

Go East

Für Heiko Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Tom Tailor Holding SE, sind die Aussichten gut: "Tom Tailor hat sich in den vergangenen Jahren in einem schwierigen Marktumfeld behaupten können." Das Geschäft in der Kernmarke habe sich besser als bei vielen Wettbewerbern entwickelt. "Zudem haben wir im Herbst vergangenen Jahres die Stabilisierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen bei unserer Tochter Bonita noch einmal forciert", so Schäfer.
Das Stichwort sei nun "Go East": "Mit einer engeren Zusammenarbeit mit Fosun als starkem Partner könnten wir unseren eingeschlagenen Weg zu nachhaltigem profitablen Wachstum fortsetzen, sei es durch fokussierte internationale Expansion oder auch Wachstum im Zuge der Digitalisierung. In beiden Felder könnte Fosun durch sein Netzwerk und Marktkenntnis helfen", so Schäfers Hoffnung.

Digitalisierung verschlafen

Tom Tailor kämpfte zuletzt mit einer Reihe von Problemen, sowohl strukturellen der Branche als auch individuellen. Zum einen ist das Unternehmen in einem Marktsegment aktiv, das von Überangebot und hartem Konkurrenzdruck geprägt ist. In den vergangenen Jahren sind etliche Modeunternehmen und Filialisten in die Krise oder sogar in die Insolvenz geraten, darunter Namen wie Gerry Weber, Esprit, Escada, Strenesse, Zero und Steilmann.
Auch H&M geht es nicht so gut, nur Zara behauptet sich in der Krise sowie Billig-Anbieter wie Primark. Der Super-Sommer 2018 hat die Geschäfte der Modeketten nicht befördert, sondern gebremst. Die Verbraucher hatten keine Lust auf Shopping. Und als die Herbst- und Winterware kam, blieb sie bei hohen Temperaturen erst mal in den Läden hängen. Dabei spielt nach Ansicht von Branchenanalysten auch eine gewisse Marktsättigung eine Rolle. Bei vielen Verbrauchern sind die Schränke voll. Und speziell die Modemarken im mittleren Preissegment, wo sich Tom Tailor und viele andere Anbieter tummeln, tun sich mitunter schwer, ein eigenständiges Profil zu entwickeln und sich klar von der Konkurrenz abzugrenzen.
Tom Tailor hatte zudem noch ganz eigene Probleme, als 2016 der langjährige Vorstandschef Dieter Holzer gehen musste. Er hatte mit einer überzogenen Expansion auf Pump das Unternehmen an den Rand der Verlustzone geführt. Die Nachfolger unter dem heutigen Vorstandschef Heiko Schäfer strichen das Filialnetz kräftig zusammen, modernisierten die IT und verstärkten ihre Online-Aktivitäten, wo Tom Tailor zuvor deutlich zurücklag.
Trotz einiger Erfolge bei der Kernmarke hing Tom Tailor vor allem die Marke Bonita, die das Unternehmen 2012 übernommen hatte, wie ein Mühlstein am Hals. Es handele sich eigentlich um zwei verschiedene Unternehmen ohne viele Überschneidungen und daher auch ohne große Synergieeffekte, sagte Schäfer einmal bei einer Veranstaltung. Bonita, spezialisiert auf Mode für Frauen ab 50, verliert fortlaufend Umsatz und überdeckt damit Sanierungserfolge von Tom Tailor. Das Management hat angekündigt, alle Optionen für Bonita zu prüfen. Das heißt nichts anderes, als dass die Marke zum Verkauf steht.
Es gibt insgesamt 453 Tom Tailor-Filialen sowie 185 Franchise-Geschäfte, 2.510 Shop-in-Shops und 7.082 Multi-Label-Verkaufsstellen. Damit ist die Marke in über 31 Ländern präsent. Bonita verfügt über 772 eigene Retail-Geschäfte sowie über 82 Shop-in-Shop Flächen. Darüber hinaus können die Kollektionen beider Marken über die jeweiligen eigenen Online Shops bezogen werden.
Expo
Alles zum Thema Online-Handel gibt es auf der INTERNET WORLD EXPO!
Quelle: EXPO



Das könnte Sie auch interessieren