Felix Baer von Bruno 16.02.2020, 09:10 Uhr

"Eine komplette Übernahme war so nicht geplant"

Das Online-Matratzen-Start-up Bruno wurde zu 100 Prozent vom baden-württembergischen Unternehmen Ruf Betten übernommen. Bruno-Mitgründer Felix Baer erklärt im Interview, warum es zum Exit kam und wie es mit der Firma weitergeht.
Die Bruno-Gründer Felix Baer (links) und Andreas Bauer (rechts)
(Quelle: Bruno )
Das Online-Matratzen-Start-up Bruno hat gerade seinen Exit hingelegt und wurde zu 100 Prozent von der baden-württembergischen Ruf Gruppe übernommen. Wir haben mit Mitgründer Felix Baer gesprochen, warum sich das bisher komplett eigenfinanzierte Start-up für eine Komplett-Übernahme entschieden hat und wie es mit der Marke weitergeht.
Sie und Ihr Mitgründer Andreas Bauer haben Bruno gerade an die baden-württembergische Marke Ruf Betten zu 100 Prozent verkauft. Wie kam es zu dem Deal?
Felix Baer: Wie so oft im Leben startete es mit einem Zufall: Die Ruf Gruppe wird von einem Finanzinvestor, der Nordholding, finanziert. Die Frau eines Nordholding-Partners kaufte bei uns ein Schlafsofa und war anscheinend sehr zufrieden. Aus der anschließenden Kommunikation hat sich die Überlegung einer Kooperation entwickelt. Dass es schließlich zu einer kompletten Übernahme führen würde, war so nicht geplant.
Bisher war Bruno komplett eigenfinanziert. Warum die Entscheidung, gleich zu 100 Prozent zu verkaufen?
Baer: Andreas Bauer und ich bleiben an der neuen Ruf Gruppe beteiligt. Daher fühlt es sich nicht an wie ein 100 Prozent-Verkauf. Auf der anderen Seite ist es manchmal leichter, einen klaren Weg einzuschlagen als sich "nur" einen Partner mit einer Minderheitsbeteiligung ins Boot zu holen. Dann muss wirklich jede Eventualität der Zusammenarbeit vertraglich geklärt werden. Ich bin ein Freund von klaren Entscheidungen, daher finde ich einen 100 Prozent-Verkauf die ehrlichere Variante. Aber wie gesagt, wir bleiben beide an Bord und haben ein hohes Interesse an der erfolgreichen Entwicklung von Bruno und der Ruf Gruppe.
Also bleibt Bruno als eigene Marke bestehen?
Baer: Ja natürlich. Wir haben in den letzten fünf Jahren zusammen mit unserem Team etwas Tolles aufgebaut und sind noch nicht mal auf der Hälfte des Weges angekommen. Die Marke Bruno ist ein starkes Asset und wird kräftig weiterentwickelt.
Welche Rollen werden Sie und Herr Bauer in der neuen Unternehmenskonstellation übernehmen?
Baer: Wir bleiben beide für die nächsten Jahre Geschäftsführer von Bruno. Zusätzlich werde ich auch noch - neben den drei bestehenden Geschäftsführern - zum Geschäftsführer der Ruf Gruppe ernannt. Das unterstreicht die enge Zusammenarbeit und, dass die Arbeit von Andreas Bauer und mir anscheinend geschätzt wird. Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf die Zusammenarbeit.
Wie werden sich Ruf Betten und Bruno ergänzen?
Baer: Ganz klassisch können beide Partner im Bereich Einkauf und Zulieferer Synergien heben. Wir von Bruno können von Ruf eine Menge über Produktionsexzellenz und Produktewicklung lernen. Außerdem ist Ruf ein gutes Beispiel dafür, wie man eine hohe Kundenwertschätzung über Jahrzehnte verteidigt und ausbaut. In aller Bescheidenheit denke ich, dass Ruf sich einiges von unserer Digitalisierungskompetenz abschauen kann. Auch bei den Prozessen und Entscheidungen hilft uns unsere Start-up Attitude. Wir sind experimentierfreudiger und etwas schneller am Markt. Insgesamt ergänzen Ruf und Bruno sich sehr gut.

Die Store-Kooperationen von Bruno

Sie haben gerade einen eigenen Showroom in Berlin eröffnet. Zuvor gab es vor allem Store-Kooperationen. Ist der Plan nun vermehrt in die Fläche zu gehen?
Baer: Unser Showroom-Konzept ergänzt den Online-Ansatz nahtlos. In Berlin haben wir den Showroom in unser Büro integriert, das hat sich beim Umzug in neue Räume wunderbar angeboten. Mittelfristig werden wir das Konzept mit externen Partnern zu arbeiten beibehalten.
Wie unterscheidet sich die stationäre Präsenz von Bruno im Vergleich zu den Läden von Ruf Betten?
Baer: Bei Bruno wird der Kunde von der Webseite in den Showroom gelenkt. Der Verkauf findet aber immer noch zu 100 Prozent Online statt. Ruf kommt genau von der anderen Seite und ist im Fachhandel seit Jahrzehnten eine Instanz für hochwertige Betten aus Deutschland. Wir treten also komplett komplementär im Markt auf.
Die Konkurrenz der Anbieter im Matratzen-Markt ist hierzulande groß. Anbieter wie Eve haben sich bereits zurückgezogen. Und Casper hat mit seinem IPO deutlich weniger eingenommen als erwartet. Wie will sich Bruno in den kommenden Jahren im Markt behaupten?
Baer: Als ich vor vier Jahren vor dieser Entwicklung warnte und auf Profitabilität vor nicht nachhaltigem Wachstum setzte, wurde ich oft schräg angeschaut. Heute sehen wir, dass der Weg für uns richtig war. Wir werden genau diesen Weg fortsetzen und auf hochwertige Produkte setzen, die sich über ihre Qualität und Eigenschaften vom Wettbewerb abheben, nicht nur über ein Mehr an Adwords-Ausgaben.
Bruno ist mit einer One-Fits-All-Matratze gestartet. Mittlerweile finden sich auch noch zahlreiche andere Artikel im Sortiment. Kann man mit nur einem Produkt nicht langfristig erfolgreich wirtschaften?
Baer: Es gibt viele Wege erfolgreich zu sein. So ist es auch im Möbel-Online-Markt, man kann das nicht generalisieren. Durch das Zuviel an Venture-Capital-Finanzierung und der Ähnlichkeit der Angebote aus Kundensicht wurde es bei der Matratze jedoch echt schwierig. Ich glaube, dass die aktuelle Entwicklung eine heilende Wirkung hat. Die Bruno Matratze ist nach wie vor ein super Produkt und wir werden auch hier wieder verstärkt im Markt mitmischen.
Was werden die nächsten Meilensteine für Bruno sein?
Baer: Wir haben noch ganz viel vor in den nächsten Jahren. Zuerst werden wir mit Ruf gemeinsam die zuvor genannten Projekte aufsetzen. Gleichzeitig arbeiten wir an einer Erweiterung unserer Modellpalette und auch beim Thema Internationalisierung wird dieses Jahr noch etwas von Bruno kommen.



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