Massive Veränderungen 13.12.2018, 08:11 Uhr

Karstadt-Kaufhof-Fusion: Das Beste aus beiden Welten verbinden

Im neuen Jahr soll die Fusion von Karstadt und Kaufhof massive Veränderungen bringen. Der bisherige Karstadt-Chef Stephan Fanderl soll aus den schwächelnden Ex-Rivalen einen auch im Internet-Zeitalter wettbewerbsfähigen Handelsriesen schmieden.
(Quelle: shutterstock.com/Sergej Lebedev )
Noch ist in den Warenhäusern von Kaufhof und Karstadt nichts von dem bevorstehenden Umbruch zu bemerken: Das Hauptaugenmerk gilt dem wichtigen Weihnachtsgeschäft. Doch 2019 dürfte für die neuerdings unter einem Dach vereinten Warenhausketten massive Veränderungen bringen. Der bisherige Karstadt-Chef Stephan Fanderl soll aus den schwächelnden Ex-Rivalen einen auch im Internet-Zeitalter wettbewerbsfähigen Handelsriesen schmieden. Das werde "harte Arbeit" hat er schon angekündigt.

Tatsächlich sind die Herausforderungen groß. "Das Warenhaus ist die Königsdisziplin des Einzelhandels. Kein anderes Geschäftsmodell ist so kompliziert", erklärt Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms. "Die Infrastruktur beider Häuser - ihre Steuerungs- und Beschaffungssysteme - zusammenzuführen, wird deshalb eine Mammutaufgabe."

Das Beste aus beiden Welten

Fanderl selbst betonte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", sein Ziel sei es bei der Warenhaushochzeit "das Beste aus beiden Welten optimal zu verbinden". Die ersten Weichen für den Kurs des neuen Handelsriesen wurden bereits gestellt. Geleitet wird das Unternehmen demnach in Zukunft vor allem von Karstadt-Managern. Neben Fanderl wird so auch Karstadt-Finanzvorstand Miguel Müllenbach eine Schlüsselrolle im neuen Konzern übernehmen. Kaufhof-Chef Roland Neuwald wird den Konzern dagegen Ende Januar verlassen. Die Kaufhof-Geschäftsführer Edo Beukema, Klaus Hellmich und Peter Herlitzius haben bereits ihre Mandate niedergelegt.

Weitere wichtige Entscheidungen etwa über die Frage, ob die Kaufhof-Zentrale in Köln oder die Karstadt-Zentrale in Essen aufgegeben wird, könnten schon Anfang 2019 fallen, signalisierte Fanderl. "Wir stellen gerade Wirtschaftlichkeitsberechnungen an und verhandeln mit den Städten."

Doch auch andere wichtige Fragen müssen rasch beantwortet werden: ob Filialen geschlossen werden. Und: wie viele Arbeitsplätze in der Logistik und in der IT eingespart werden können.

Das Aus für Filialen

Wie vielen Warenhäusern im Zuge der Fusion das Aus drohen könnte, ist bislang noch ein gut gehütetes Geheimnis. "Wir werden um jede Filialen mit aller Kraft kämpfen", versprach Fanderl kurz nach dem Vollzug der Fusion der Warenhausketten. Bei Karstadt habe sich gezeigt, das defizitäre Standorte durch Änderungen im Betriebsmodell wieder in die schwarzen Zahlen gebracht werden könnten. "Das trauen wir uns auch bei Kaufhof zu." Die Karstadt-Sanierung werde in vielen Punkten als Vorbild für die Neuaufstellung der Kaufhof-Warenhäuser dienen.

Branchenkenner Funder ist grundsätzlich optimistisch, was die Chancen des neuen Handelsriesen angeht. "Die Erfolgsaussichten sind gar nicht so schlecht. Es ist eine große Herausforderung, aber sie ist mit entsprechendem Einsatz zu bewältigen." Der Handelsexperte ist überzeugt: "Einen Kahlschlag wird es nicht geben. Maximal sind pro Jahr vielleicht vier bis sechs Filialen gefährdet. Filialschließungen im größeren Stil sind gar nicht möglich. Das wäre schon wegen der lange laufenden Mietverträge viel zu teuer", meint der Branchenkenner.



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