Preisvergleichsportal 19.12.2016, 08:10 Uhr

Philipp Peitsch von Idealo: "Wir zeigen allen die gleichen Preise"

Mit einer App und Kauffunktionen will Idealo mehr Nutzer anziehen und gegen Google Shopping antreten: Ein Interview über Preisvergleiche in Zeiten von Dynamic Pricing, Dash Buttons und Mobile Commerce.
Philipp Peitsch, Geschäftsfüehrer von Idealo
(Quelle: Idealo)
Nur etwa jeder dritte Online-Käufer vergleicht vor dem Kauf den Preis: Da ist noch Luft nach oben, meint Philipp Peitsch, Geschäftsführer von Idealo. Das Berliner Unternehmen setzt gegen die Bequemlichkeit von Kunden auf App und Direktkauf-Funktionen. So will Idealo Händler beim Verkauf und längerfristig auch bei der Internationalisierung helfen.
Wer braucht heute noch Preisvergleiche?
Philipp Peitsch: Preisvergleiche sind wichtiger denn je, weil Online Shopping immer unübersichtlicher wird. Online-Händler beginnen auf Dynamic Pricing zu setzen. Anzeigenformate wie Google Product Ads spiegeln vor, Preise zu vergleichen und suggerieren damit falsche Preisniveaus.Es ist also im Sinne des Kunden, dass es mit den Preisvergleichen eine Instanz gibt, die Preise objektiv vergleicht.
Wie sicher sind denn Ihre Angaben in Zeiten flexibel gestalteter Preise?
Peitsch: Einerseits ist es ein Zeichen für einen gesunden und funktionierenden Markt, wenn Preise in Bewegung sind. Alles, was unsere Shops unternehmen, um die richtigen Preise zu finden, bilden wir bei uns ab, sofern es alle Kunden gleichermaßen betrifft. Dynamic Pricing auf der anderen Seite macht individuelle Unterschiede. Hier werden Kunden beispielsweise nach Geräten oder ihrer Kaufhistorie auf Preissensitivität hin beurteilt und mit unterschiedlichen Preisen bespielt. Diese Entwicklung sehen wir im Sinne des Kunden kritisch. Wir zeigen allen die gleichen Preise.
Aber müssten Sie nicht realistische Angaben aussteuern?
Peitsch: Aber das tun wir ja. Allerdings in Rahmen unseres Nutzerauftrages, also nie zu Lasten des Kunden. Wir stehen für Transparenz. Unsere Partner-Shops wissen und respektieren das. Dafür können wir ihnen aber auch viel Traffic bieten. Mit rund 15 Millionen Nutzern im Monat gehören wir zu den meist genutzten E-Commerce-Seiten in Deutschland und zählen für unsere Handelspartner zu den wichtigsten Umsatzquellen.
Viele Händler entziehen sich der Transparenz - indem sie Kundentreue mit Rabatten belohnen, Angebote bündeln oder wie Amazon durch Dash Buttons oder Direktabos auf die Bequemlichkeit abzielen.
Peitsch: Grundsätzlich hat jeder Shop ein natürliches Interesse, Kunden zu binden und Kundentreue zu belohnen oder auch Angebote zu bündeln, etwa um damit  besondere Einkaufsvorteile weiter zu geben. Das zielt aber nicht darauf ab, die Preistransparenz anzugreifen. Wir bilden solche Preisvorteile wenn möglich auch bei uns ab. Den Dash Button bewerte ich anders. Die großen US-Unternehmen Amazon, Google und Facebook versuchen alle, den Kunden als erster zu erreichen und in die eigenen Ökosysteme zu leiten. Amazons Echo und Googles Home aber auch Googles Investment in Android zielen in diese Richtung. Strategisch ist das clever. Aus Kundensicht finde ich es aber kritisch, wenn im Moment des Kaufes keine Vergleichsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Kunden sind aber bequem: Nur etwa 28 Prozent vergleichen Preise.
Peitsch: Wenn die Kunden bequemer werden, müssen wir den Preisvergleich bequemer machen. Deshalb haben wir unter anderem den Direktkauf eingeführt. Hier hinterlegen Kunden einmal ihre Daten und können danach über Idealo in allen angeschlossenen Shops einkaufen. Auch andere Features wie der Merkzettel und der Preiswecker dienen der Bequemlichkeit des Kunden. Kunden können ihre Kaufwünsche bei Idealo und deren Preisentwicklung beobachten. Zudem stecken wir sehr viel Energie  in unsere Apps, in denen sich vieles noch eine Spur einfacherlösen lässt.
Wie kommt der Direktkauf bei den Händlern an und wie wird er organisiert?
Peitsch: Sehr gut. Über 700 Händler sind bereits an Bord. Bei zwei Dritteln der Produkte ist ein Direktkauf heute schon möglich. Beim Bestellen sieht der Kunde in jedem einzelnen Schritt, bei wem und wo er einkauft. Wir erleichtern lediglich den Check-Out. Rechnung und Versand liegt weiterhin beim Verkäufer, der in gewohnter Weise mit dem Kunden kommunizieren kann. Wir sehen uns als Brücke zwischen Händler und Käufer. Wir konkurrieren nicht mit dem Händler.
Was kostet der Direktkauf an Provisionen und was bezahlen Händler für den Preisvergleich?
Peitsch: Unsere Preisliste sieht für den Direktkauf aktuell Provisionen von drei bis fünf Prozent und für den Preisvergleich je nach warenkategorie Klickkosten zwischen 0,38 und 0,44 Euro vor.



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