Zalando-Vorstandsmitglied 22.01.2018, 14:58 Uhr

Robert Gentz: "Amazon ist sowohl Partner als auch Wettbewerber"

Unicorns sind Start-ups mit einer Unternehmensbewertung von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Auch hierzulande gibt es solche Einhörner. Wie sich Deutschland als Gründerland eignet, diskutierte Marc Samwer mit Zalando und Auto1 auf der DLD.
Unicorn-Panel: Moderator Marc Samwer, Robert Gentz, Zalando, und Christopher Muhr, Auto1 (v.li.). Niklas Östberg von Delivery Hero saß am Züricher Flughafen fest.
(Quelle: Susanne Gillner )
Das ist mal Timing: Mitte Januar machte die Gebrauchtwagen-Plattform Auto1 noch Schlagzeilen mit einem Softbank-Investment in Höhe von 460 Millionen Euro - und schon eine Woche später sitzt COO Christopher Muhr auf der Panel-Bühne der Burda-Digitalkonferenz DLD zum Thema "Unicorns made in Germany." Zusammen mit Zalando-Vorstandsmitglied Robert Gentz diskutierte der Vertreter der Berliner milliardenschweren Auto1 Group unter Moderation von Marc Samwer, Mitgründer von eBay Germany, Rocket Internet oder Groupon International, das Potenzial von Deutschland als Gründerland und die Bedrohung durch die große US-Konkurrenz.
Auto1 sieht sich als transparenter Marktplatz für Mobilität, auf dem alle Marktteilnehmer zusammenkommen. Das sei es auch, was Softbank am Investment überzeugt habe. "Wir teilen eine ähnliche Vision von der Evolution der Mobilität", so Muhr. Man freue sich über die Expertise des japanischen Technologiekonzerns und wolle mit dem Geld vor allem die Expansion vorantreiben, erklärt der COO. Zudem will die Gruppe damit neue Produkte finanzieren, wie das Geschäftsmodell Autohero, eine Online-Plattform, über die Gebrauchtwagen an Privatkunden verkauft werden.

"Konkurrenz für Douglas? Man wird sehen"

Robert Gentz von Zalando indes will sich 2018 vor allem auf weiteres Umsatzplus fokussieren. Der Mode-Versender strebt im laufenden wie im kommenden Jahr wieder eine Wachstumsrate von 20 bis 25 Prozent an. Für 2018 könnte das ein zusätzliches Geschäft von rund eine Milliarde Euro bedeuten, so das große Ziel.
Ein anderer Meilenstein ist für Gentz der Launch einer neuen Produktkategorie. Ab Frühjahr 2018 wird Zalando in den Kosmetik-Markt einsteigen und ein "breites Sortiment an Kosmetik-, Haut- und Haarpflegeprodukten, Parfums, Accessoires und Beauty-Werkzeugen anbieten". Angst vor Wettbewerb scheint es nicht zu geben. Auf die Frage von Samwer, ob man denn damit in Konkurrenz zu etablierten Beauty-Shops wie Douglas gerate, antworte Gentz nur: "Man wird sehen."
Während die Samwers gerne in den USA nach neuen Trends suchen, ist für Zalando der chinesische Markt spannend. Die Plattform-Dynamiken seien dort besser als in Deutschland, das chinesische Ökosystem habe Online und Offline besser integriert, wie man laut Gentz an Alibaba und Tencent sieht. Dass Zalando als Consumer Brand nach China geht, hält Gentz aber aus Kostengründen für ausgeschlossen, Partnerschaften hingegen seien durchaus im Bereich des Möglichen.

Deutschland als Gründerland

Für Auto1 liegt der Fokus aktuell eher auf West- und Osteuropa. Man teste zwar den US-Markt, hier gäbe es jedoch aktuell in Sachen Investment weniger Potenzial. Denn dort sei man einfach deutlich weiter und erfahrener, der Fokus läge viel stärker auf Software-as-a-Service (SaaS)-Modellen. Das sei aber auch nicht weiter schlimm, meint Muhr. Denn: "Deutschland ist ein gutes Land, um ein Start-up zu gründen. Vor allem, wenn es um das Thema Auto geht."
Wenn man auf die Zahlen schaut, scheint das auch zu stimmen. Hatte die Auto1 Group 2013 noch 80 Angestellte, waren es 2016 beeindruckende 2.500. In Bezug auf das deutsche Geschäft sei man profitabel, die anderen Märkte würden gutes Potenzial aufweisen. Das Erfolgsgeheimnis? "Wir sind erfolgreich, weil wir uns auf neue Technologien fokussieren. Zudem hat die Führungsriege klar aufgeteilte Aufgabenbereiche und wir haben ein Team, auf das wir uns verlassen können."

"Es gibt kein schwarz oder weiß"

Und wie sehen die beiden Gründer nun die Big 5 aus den USA? Zu einer eindeutigen Aussage ließen sich Gentz und Muhr nicht hinreißen. "Es gibt einfach kein schwarz oder weiß in dieser Sache. Amazon etwa ist sowohl Partner, etwa in Bezug auf dessen Webservices, aber natürlich auch Konkurrent", so der Zalando-Mann.
Es sei grundsätzlich sinnvoll, sich auf das eigene Business zu konzentrieren und auf das, was man kann. Es herrsche zu viel Bewegung auf dem Markt, die Wettbewerber verschieben sich laut Gentz zu oft, als dass es nur den einen US-Konkurrenten gäbe. "Am Ende ist der größte Wettbewerber ohnehin man selbst", so das Fazit von Auto1-COO Muhr.



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