Regionale Marktplätze 20.05.2016, 08:10 Uhr

Coolshop: E-Commerce à la Austria

Cool Media aus Wien baut für den Einzelhandel in Österreich regionale Online-Marktplätze: Für die Reichweite sorgen Partnerschaften mit lokalen Medien.
Salzburgshop ist der jüngste Marktplatz von Cool Media, weitere sind in Planung
(Quelle: Salzburgshop Screen )
Masse macht es auf einem Online-Marktplatz und im E-Commerce - davon ist Johannes Meßner überzeugt: "Viele Produkte ziehen viele Verbraucher an", sagt der Geschäftsführer von Cool Media. Die Wiener Agentur betreibt den Coolshop mit regionalen Angeboten aus Österreich und baut dem lokalen Einzelhandel Marktplätze: Shop.Tirol läuft seit Herbst 2015, Salzburgshop.at startete Anfang diesen Jahres: "Wir digitalisieren Einkaufsmeilen", so der junge Unternehmer.
Johannes Meßner setzt auf Partnerschaften mit Verlagen und Regionalmedien
Quelle: Unternehmen
Das tun andere Start-ups auch: Online-Marktplätze für den Einzelhandel vor Ort boomen derzeit regelrecht im Netz. Die einen sehen sie als nachhaltige Alternative zu Amazon und als Schutz der Vielfalt des Handels. Andere verweisen auf ihre niedrige Reichweite und die daraus resultierende Randlage im Internet. In Deutschland startete Atalanda vergleichbare Angebote in fünf Städten, zuletzt in Heilbronn und Göppingen. Simply Local oder Locafox bieten Händlern ebenfalls Online-Marktplätze. Und in der Schweiz eröffneten vor Kurzem Kaloka in Bern, ein Angebot der Schweizer Post, sowie Anfang Mai Siroop.ch, dafür kooperieren die Telefongesellschaft Swisscom und Lebensmittelhändler Coop.

Großes Angebot und clevere Partnerschaften

Im Vergleich zur deutschen Konkurrenz beweist das Wiener Start-up jedoch eine glücklichere Hand - zumindest, was die Auswahl der Händler und Angebote betrifft: Zwar nennt Meßner "aus Rücksicht zu den Partnern" keine Einnahmen oder vermittelten Umsätze. Doch Shop.tirol listet bisher 160 Händler sowie Manufakturen und rund 200.000 Produkte, bei Shopsalzburg.at sind 60 Händler mit 100.000 Angeboten präsent. In Wuppertal, dem ältesten deutschen Handelsplatz, zeigen 54 Händler rund 16.000: Vielfalt sieht anders aus.
 
Von regionalen Spezialitäten bis zum iPhone, von Mode über Einrichtung und Weiterbildungsangebote bis hin zu Spielzeug bieten die Marktplätze in Österreich ein deutlich reichhaltigeres Sortiment. Das zieht durchaus auch Urlauber oder die Liebhaber von besonderer Feinkost zum Shop.Tirol und Salzburgshop.at. Cool Media, das Start-up, das Meßner mit Freunden 2013 gründete und das zuerst Online-Outlets für Markenmode schuf, liefert jedoch nur die E-Commerce-Technik und Fulfillment-Services. "Wir haben lange nach unserem Erfolgskonzept gesucht", erzählt Meßner. "Jetzt resultiert unsere Schlagkraft aus dem Mix aus Technik und Medien, wir holen bei jedem Projekt starke Medienpartner mit an Bord."

Technik, Fulfillment und Media-Leistungen

Die Tiroler Tageszeitung oder die Salzburger Nachrichten sorgen für mehr Bekanntheit und bieten außerdem auch in ihren Online-Medien den teilnehmenden Händler für Online-Werbung. So enthalten die Nutzungs- oder Teilnahmegebühren - sie starten ab etwa 100 Euro und gehen bis knapp 400 Euro im Monat - folglich auch Medialeistungen, hinzu kommen Versand- und Retourenservices sowie Shoptechnologie. "Wir haben uns gegen die üblichen erfolgsabhängigen Tarife und Provisionen entschieden, um Händlern mehr Transparenz zu bieten", sagt Meßner.
Kunden können die Waren nach Hause bestellen oder im Geschäft abholen. "Click und Collect ist eine unserer Stärken, 15 Prozent der Bestellungen werden bereits abgeholt", berichtet Meßner, um gleich noch eine optimistisch stimmende Zahl anzufügen: "Die Conversion Rate auf den Marktplätzen liegt bei vier bis fünf Prozent, das ist hoch auf einem Marktplatz."
Shop.Tirol bietet regionale Spezialitäten, aber auch Konsumartikel aus dem Bereich Mode, Elektronik und  Einrichtung. 15 Prozent der Käufer holen ihre Bestellungen vor Ort ab.
Quelle: Screenshot Unternehmen
Im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz, wo die einzelnen Händler im Vordergrund stehen, werden Verbraucher bei Shop.Tirol oder Shopsalzburg.at über die Produkte und Services zu einzelnen Anbietern  geleitet. Über die European Article Number (EAN) werden alle Angebote im Marktplatz-Katalog registriert. Bieten zwei Händler dasselbe Produkt zum gleichen Preis, wird demjenigen die Bestellung zugeteilt, der geografisch näher beim Kunden liegt. Das gilt auch für Bestellungen aus dem Ausland, wo die Nähe eigentlich keine Bedeutung hat. Gibt es fürs gleiche Angebot Preisunterschiede, hat der Kunde die Wahl. "Klar können sich Händler gegenseitig unterbieten", gibt Meßner zu. "Aber bisher gehen alle fair miteinander um und wir verzeichnen kein Preiskarussell."
Die Marktplätze für Tirol und Salzburg nimmt Cool Media als Beweis, dass das Konzept funktioniert. Weitere Plattformen sind schon in Planung: Für den Vorarlberg, Oberösterreich und Wien werden gerade Marktplätze aufgebaut. Erstmals schrieb Cool Media mit seinen Coolshops 2015 schwarze Zahlen, und so schaut Meßner schon über die Grenzen: Er sucht Investoren, um sein Team ausbauen und Marktplätze schneller aufbauen zu können. Auch in der Schweiz und in Deutschland. "In Deutschland", so der Jung-Unternehmer, "sind wir für regionale Marktplätze mit ersten Verlagen im Gespräch."



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