Analyse: Ridesharing-Services 18.04.2016, 15:15 Uhr

Kampf um die Straße: Wie Uber und Co die Mobilität revolutionieren

Ridesharing-Services wie Uber, Lyft, Didi Chuxing und Co wirbeln weltweit die Taxibranche durcheinander - und setzen dabei mit ihren zum Bersten gefüllten Kriegskassen voll auf Wachstum. Um jeden Preis.
(Quelle: Fotolia.com/Prod. Numérik )
Anfang März ging nichts mehr in der mexikanischen Stadt Guadalajara: Über 2.000 Taxifahrer blockierten bereits seit dem frühen Morgen die Straßen. Die Stimmung war aufgeheizt, am Nachmittag flogen Ziegelsteine. Ein Polizist wurde verletzt, einige Autos beschädigt, 47 Menschen wurden festgenommen. Die Taxifahrer hatten ihren Zorn über einen ­neuen Sharing Economy-Wettbewerber auf die Straße ­getragen: die Ridesharing-App Uber - je nach Standpunkt das zurzeit vielversprechendste oder meistgehasste Start-up auf dem Planeten, wobei das eine das andere nicht ausschließen muss.
Die Proteste in Mexiko waren weder die ersten noch die einzigen: Zur gleichen Zeit wurden im indonesischen Jakarta Fahrer von Uber und seinem Konkurrenten ­Grabtaxi aus ihren Autos gezerrt und verprügelt, ihre Autoreifen zu brennenden Straßenblockaden aufgehäuft. Weniger gewalttätig, aber nicht weniger zornig protestierten auch im schweizerischen Bern fast 1.000 Taxifahrer gegen das US-Start-up, das mit seinen Dumpingpreisen das Geschäft der klassischen Taxler zerstöre, so der Vorwurf. 

Eine Milliarde US-Dollar für den Weg nach China

Selten hat ein junges Unternehmen  weltweit so negative Reaktionen ausgelöst. Das liegt auch an Ubers breitbeinigem Auftritt: Mit seiner milliardenschweren Kriegskasse kauft sich der Fahrdienstvermittler mit enormem Marketingdruck einfach in jeden Markt ein, den es anvisiert - und sieht dabei auch mal großzügig über geltende Personenbeförderungsgesetze hinweg.
Eine Milliarde US-Dollar hat Uber im letzten Jahr für den Markteintritt in China verbrannt beim bisher erfolglosen Versuch, den lokalen Marktführer Didi Chuxing (geschätzte Bewertung: 20 Milliarden US-Dollar) zurückzudrängen. Eine Milliarde Dollar - das sind offenbar Peanuts für das Start-up aus San Francisco, das derzeit über 62,5 Milliarden US-Dollar wert sein soll. Das zumindest ist der Eindruck, den Gründer Travis Kalanick zu erzeugen versucht. Denn im teuren Spiel um Anteile an der neuen Mobilität kommt es vor allem auf das beste Pokerface an - und auf die größte Klappe.



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