So gehen die Big Player mit der Retouren Flut um

Vernichtung retournierter Ware

Amazon und Otto nennen keine Zahlen, doch betonen beide Unternehmen, dass retournierte Ware nur in Ausnahmefällen vernichtet werde. "Alle Waren werden in so genannten Retourenbetrieben sorgfältig geprüft. Die ganz große Mehrheit der Waren kann sofort wieder zum Verkauf gestellt werden", heißt es bei Otto. "Ein kleiner Teil der Waren muss optisch aufbereitet werden - zum Beispiel Entfernen von Fingerspuren an TV-Bildschirmen - und wird dann ebenfalls zum Verkauf gestellt."
Ein "ganz geringer Prozentteil" der Retouren könne nicht mehr in einen neuwertigen Zustand versetzt werden, erklärt ein Otto-Sprecher. Sowohl Otto als auch Amazon verkaufen derlei beschädigte Ware an Verwertungsfirmen, die die Ware dann auf eigene Rechnung weiter vertreiben. 
Amazon hat nach Unternehmensangaben mehrere Programme, um die Zahl der entsorgten Produkte zu reduzieren. Dazu gehören verbilligter Verkauf von Retouren, Produktspenden an gemeinnützige Organisationen, Recycling oder die Veräußerung an Aufkäufer. "Im uns bekannten Markt für Konsumgüter inklusive Textilien, Lebensmitteln und Werkzeug handelt Amazon unserer Einschätzung nach absolut vorbildlich", sagte Stefan Grimm, Geschäftsführer der Schnäppchenplattform restposten.de, in einem Interview mit Internet World Business.

Lager- und Versand-Dienstleister für kleinere Online-Händler

Amazon verkauft aber nicht nur auf eigene Rechnung, sondern tritt auch als Lager- und Versand-Dienstleister für viele kleinere Online-Händler auf - eine dieser Dienstleistungen ist die Entsorgung. Fragen zum diesbezüglichen Prozedere beantwortete Amazon lediglich mit einem allgemeinen Bekenntnis zur Müllvermeidung.
So bleibt mangels verlässlicher Daten unklar, wie viel beschädigte oder retournierte Ware tatsächlich entsorgt wird. Legt man die von Zalando angegebene sehr niedrige Entsorgungsquote von 0,05 Prozent der Artikel als Basis einer Schätzung für die ganze Branche zugrunde, würde das bedeuten, dass europaweit bei einer zweistelligen Milliardenzahl von Sendungen alljährlich mehrere Millionen Artikel entsorgt werden - mindestens.
Doch damit sticht der Online-Handel rein mengenmäßig keineswegs hervor, eher im Gegenteil. Die Umweltorganisation WWF schätzte 2017, dass allein in Deutschland jedes Jahr 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen.



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