Boom im Online-Handel 15.06.2018, 10:36 Uhr

So gehen die Big Player mit der Retouren Flut um

Der Online-Handel boomt - und mit ihm die Retouren. Alljährlich schicken die Kunden eine dreistellige Millionenzahl von Paketen an Amazon und Co. zurück. Wie gehen die Online-Händler damit um?
(Quelle: shutterstock.com/Rido )
Einkaufen macht Spaß - doch häufig folgt die Reue: Die deutschen Online-Shopper schicken pro Jahr eine dreistellige Millionenzahl von Paketen an Amazon, Otto, Zalando und Co. zurück. Doch wie gehen die Online-Riesen mit dieser Flut an Rücksendungen um?
Insbesondere Amazon ist in die Kritik geraten. Der Vorwurf: massenhafte Vernichtung von Neuware. Genaue Zahlen gibt es nicht. Große Unternehmen wie Amazon und Otto machen aus der Zahl der versandten Pakete ebenso ein Geheimnis wie aus den Retouren. Nach Zahlen des Versandhandel-Fachverbands bevh verschickten die deutschen Online-Händler im vergangenen Jahr Waren für 58 Milliarden Euro an die Kundschaft. Die Zahl der Kurier-, Express- und Paketsendungen hat schwindelerregende Ausmaße angenommen: Im Jahr 2015 seien es 2,8 Milliarden Sendungen gewesen, schätzte die Unternehmensberatung MRU in einer Studie für die Bundesnetzagentur.
Und wie viele Pakete schicken die Kunden zurück? Wie viel wird vernichtet? An der Universität Bamberg gibt es eine Arbeitsgruppe Retourenforschung, die für das Jahr 2013 von 250 Millionen Retouren ausging, eine neuere Schätzung gibt es noch nicht. Da der Online-Handel in den vergangenen fünf Jahren stark zugelegt hat, gehen die Experten dementsprechend davon aus, dass auch die Zahl der Rücksendungen zugenommen hat. Das sagt Björn Asdecker, einer der Bamberger Retourenforscher.
Branchenunübliche Transparenz praktiziert das Online-Modehaus Zalando. Das Berliner Unternehmen hat 300.000 Artikel von 2.000 verschiedenen Marken im Sortiment und verschickte 2017 über 90 Millionen Sendungen in 15 europäische Länder. Bekleidung und Schuhe werden besonders häufig zurückgeschickt: "Über alle Märkte liegt die Retourenquote bei durchschnittlich 50 Prozent", sagt eine Sprecherin - die Retourenquote im Modebusiness ist höher als bei anderen Produkten.

Großteil kommt unbeschädigt zurück

Der Großteil kommt unbeschädigt zurück und wird wieder verkauft. Leicht beschädigte Ware wird billiger abgegeben, manches gespendet.  "Zalando vernichtet Waren nur in Ausnahmefällen, z.B. wenn dies aus gesundheitlichen Gründen - Schädlingsbefall, Schadstoffbelastung oder ähnliches notwendig ist. Dies betrifft etwa 0,05 Prozent aller Artikel", heißt es in der Antwort des Unternehmens.
Online-Händler machen den Kunden die Reue leicht: Zalando etwa bietet 100 Tage Rückgaberecht. Doch da jede Rücksendung Kosten verursacht, sind die Unternehmen bemüht, die Zahl der Retouren nicht ins Unermessliche steigen zu lassen. Denn jede Retoure bedeutet Kosten. Ein Mittel zur Retourenvermeidung sind möglichst genaue Artikelbeschreibungen. Nach Einschätzung des Bamberger Retourenforschers Asdecker war die Quote der Rücksendungen mutmaßlich schon zu Zeiten des analogen Quelle-Katalogs nicht wesentlich niedriger. 



Das könnte Sie auch interessieren