PayPal will außerhalb des E-Commerce aktiv werden

Nachholbedarf am Point of Sale

PayPal Plus: Die Komplettlösung für Online Shops bietet alle wichtigen Zahlungsarten aus einer Hand an.
(Quelle: Screenshot)
Am Point of Sale sind wir dagegen noch nicht so weit. Dort werden die von Ihnen genannten Anbieter für ein reichhaltigeres Angebot mit neuen Mehrwerten sorgen. Deshalb wird auch die Kundenakzeptanz steigen. Wenn die Angebote gut sind, wird das eine Änderung des Konsumentenverhaltens beschleunigen.
Und das ist gut für alle Anbieter, die im Markt arbeiten - auch für PayPal. Am Ende kommt es auf die Mehrwerte an: Kann ich Zeit sparen, habe ich alle Informationen an einem Ort, kann ich Prämien sammeln und so weiter.
Werden diese Anbieter denn hauptsächlich am Point of Sale zu Veränderungen führen oder wird das auch Konsequenzen für das Online-Shopping haben?
Luhnen:
Ich denke, der Point of Sale wird sehr stark im Fokus stehen. Das zeigt auch die Entwicklung in den USA oder in Großbritannien. Natürlich gibt es auch eine Relevanz für In-App-Payment und mobiles Online-Shopping, dort sind aber auch andere sehr stark.
Mit Google Pay können Nutzer auch in Webshops bezahlen. Das könnte doch auch am Marktanteil von PayPal kratzen, oder?
Luhnen:
Klar, das ist unbestritten so. Auf der anderen Seite haben wir grundsätzlich eine Partnerschaftsstrategie, und in den USA kooperieren wir auch schon mit Google Pay, sodass Nutzer PayPal in Google Pay als weitere Zahlungsmöglichkeit hinterlegen können.
PayPal könnte ja auch eine eigene Mobile-Payment-Lösung auf dem Markt bringen. Oder passt das nicht in Ihre Strategie?
Luhnen:
Man muss Mobile Payment ja in zwei Dimensionen sehen: Die eine ist Mobile Payment im E-Commerce und in Apps. Da haben wir uns stark entwickelt, indem wir Mehrwert bieten, beispielsweise mit PayPal Express oder One Touch. Das ist unsere schnellste mobile Bezahllösung, über die der Kunde passwortlos einkaufen kann.

Kundennutzen herausarbeiten

Die andere ist Mobile Payment am Point of Sale und es ist natürlich eine berechtigte Frage, was PayPal hier tut. Wir haben in den vergangenen Jahren viel ausprobiert, sei es eine mobile Bezahllösung am Snackautomaten oder auch QR-Code-basiertes Bezahlen. Das Ziel war, zu erkennen, wo wir den meisten Kundennutzen stiften können. Denn der Kundennutzen muss immer im Zentrum stehen - ganz gleich welcher Anbieter das ist.
Zum jetzigen Zeitpunkt sind wir zu dem Schluss gekommen, dass wir über unsere Händlerpartner am Point of Sale präsent sein möchten, weil wir dort den größtmöglichen Kundennutzen generieren können. Shell ist ein solches Beispiel. Daher haben wir vor allem Händler-Apps im Blick, in die wir gut reinpassen.
Wie passt die Übernahme von iZettle dazu?
Luhnen:
Die Übernahme von iZettle, die wir inzwischen abgeschlossen haben, entspricht unserer Strategie der Partnerschaften, in diesem Fall über eine Akquisition. Ziel ist, eine flächendeckendere Versorgung mit Mobile-Payment-Lösungen am Point of Sale gerade auch von kleineren Unternehmen hinzubekommen.
Deutschland ist heute schon einer der größten Märkte von iZettle, daher gehe ich davon aus, dass es genug Potenzial gibt, eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten.
Ein anderer großer Trend ist Voice Com­merce. Inwieweit wird Voice Commerce die Art des Bezahlens künftig verändern?
Luhnen:
Ich würde sagen, die Auswirkungen von Voice auf das Einkaufsverhalten hängen sehr stark vom Anwendungsfall und vom Kontext ab. Beim Anwendungsfall geht es da­rum, welche Dinge mit Voice bestellt und bezahlt werden. Da wird es zuerst um standardisierte und einfache Dinge gehen, wie das Bestellen einer Pizza oder das Bezahlen eines Streaming-Dienstes.
Daneben wird der Kontext wichtig sein: Der Verbraucher wird mit Voice interagieren und bezahlen, wo er sich sicher fühlt und vielleicht die Hände nicht frei hat, also zum Beispiel zu Hause oder im Auto.
Komplexere Themen wie etwa der Kauf von Kleidung werden meiner Meinung nach erst einmal nicht im Vordergrund stehen.



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