Internationaler E-Commerce 14.10.2016, 08:05 Uhr

Andere Länder - anderes Payment: Diese Hürden warten bei der Expansion

Der E-Commerce wird immer internationaler - grenzübergreifendes Shopping gehört für die Kunden heute dazu. Für Händler ergeben sich daraus aber besonders beim Payment unerwartete Hürden.
(Quelle: shutterstock.com/pathdoc)
von John Alexander Rehmann, Head of Marketing & Communication bei Payone
Die Menschen wollen immer schneller und unkomplizierter im Internet shoppen und das grenzübergreifend weltweit. Was das Shopping aus Sicht der Endverbraucher vereinfacht, führt beim Händler allerdings zu komplexen Anforderungen - besonders auf dem internationalen Markt.
Pro Land muss der Händler die Zahlungsarten seines Shops nicht nur auf die länderspezifischen Zahlungspräferenzen anpassen und diese anbinden, sondern auch seine gesamten Payment-Prozesse deutlich aufwendiger verwalten. Hoher Aufwand entsteht hierbei durch internationale Kontenerschließung und -führung sowie durch länderspezifische Vertragsverhandlungen.
Nicht wenige Händler werden dadurch in zentralen E-Commerce-Märkten wie Großbritannien oder China vehement gebremst. Schon die Anpassung an verschiedene Payment-Vorzüge ist eine Wissenschaft für sich, denn teilweise finden sich bereits in den europäischen Nachbarländern Zahlungsarten, die hierzulande überhaupt keine Rolle spielen - und umgekehrt. Das belegen auch Untersuchungen von Statista zu Payment-Präferenzen verschiedener Länder in Europa.
 
Sich den Ländermärkten jeweils anzupassen, bringt erhebliche Verzögerungen in der Time-to-Market mit sich und damit deutliche Wettbewerbsnachteile: Die Händler müssen bei der Internationalisierung ihrer Shops nicht nur Bankkonten in den jeweiligen Ländern eröffnen und führen, um da ihre dortigen Einnahmen zu verwalten, sondern auch neue Payment-Arten in ihren Shop aufzunehmen. Die Anbindung jeweiliger ausländischer Zahlungsarten sowie die damit einhergehende Abwicklung der verschiedenen Akzeptanzverträge sind mit hohem technischem und administrativem Aufwand verbunden.

Expansion ist im E-Commerce überlebenswichtig

Doch gerade im E-Commerce ist es überlebenswichtig, international zu expandieren. Im Vergleich zu Deutschland erwirtschaftet China beispielsweise fast das Siebenfache mit Online-Shoppern. In Zahlen: Hierzulande werden 63 Milliarden US-Dollar umgesetzt, während die Chinesen mehr als 426 Milliaren US-Dollar im E-Commerce umsetzen. Im weltweiten Ranking der Top-Ten-E-Commerce Länder belegt nach China die USA den zweiten Spitzenrang (305 Milliarden US-Dollar). Im europäischen Vergleich belegt Deutschland gleich nach dem Vereinigten Königreich (82 Milliarden US-Dollar) Platz zwei, dahinter folgt Frankreich (38 Milliarden US-Dollar).
 
Selbst innerhalb des europäischen Raumes unterscheiden sich die bevorzugten Zahlungsarten im Bereich E-Commerce enorm voneinander. Während Großbritannien online bevorzugt per Kredit- oder Debitkarten zahlt, sind die bei den Deutschen beliebtesten Zahlungsarten PayPal, Rechnungskauf und Lastschrift. In Frankreich wiederrum sind Rechnungskauf und Lastschrift als Zahlungsarten im E-Commerce vollkommen uninteressant. Dort setzen die Kunden ähnlich wie in Großbritannien am häufigsten auf Kreditkarten oder aber auf PayPal, wenn sie online shoppen. Völlig andere Zahlungsarten erwarten den Händler in Italien, wo die Prepaidkarte zu den beliebtesten Online-Zahlungsarten zählt und auch eine Postanweisung als "italienische Spezialität" nicht ungewöhnlich ist. In den Niederlanden ist das Online-Überweisungsverfahren iDEAL als Zahlungsart der absolute Spitzenreiter. Das Payment-Verfahren P24 ist ausschließlich auf dem polnischen E-Commerce-Wachstumsmarkt in Anwendung. Daran wird deutlich, welche Komplexität und somit Problematik die Händler hinsichtlich des Payments auf dem internationalen Markt erwartet.

Fallbeispiele: Ungeahnte Hürden in Italien und den Niederlanden

Möchte ein Händler auf dem italienischen Markt Fuß fassen, so trifft er hinsichtlich des Online Payments auf ungeahnte Hürden. Um das Geld der dort ansässigen Kunden verwalten zu können, ist beispielsweise die Eröffnung eines Bankkontos vor Ort erforderlich. Dort erwartet den expandierenden Händler ohne italienische Staatsangehörigkeit ein Konto, auf welches nur fremde Währungen oder aber importierte Euro eingezahlt werden dürfen. Außerdem liegen die Zinsen für Ausländer höher als für Italiener. Möchte der Händler nicht extra nach Italien reisen, um dort ein Konto zu eröffnen, benötigt er ein Empfehlungsschreiben der bisherigen Bank inklusive einer beglaubigten Unterschrift.
 
Auch in den Niederlanden muss der Händler über die Eröffnung eines Extra-Kontos hinaus identifizieren, welche Online-Zahlungsarten die Niederländer bevorzugen und wird hierbei auf die Zahlungsart iDEAL treffen. iDEAL ist mit 60 Prozent in den Niederlanden das mit Abstand beliebteste Online-Zahlverfahren. Wählt ein Kunde iDEAL als Zahlungsart im Shop, wird er direkt zu seinem Online-Bankkonto weitergeleitet und die Daten des Warenkorbs werden in den jeweiligen Überweisungsträger geladen. So muss sich der Kunde lediglich in sein Online-Banking einloggen und mithilfe einer Transaktionsnummer die Zahlung bestätigen. Einige der Zahlungsarten wie iDEAL oder Open Invoice, die bei unserem Nachbarn sehr beliebt sind, spielen für den deutschen Kunden hingegen überhaupt keine Rolle.

Payment Service Provider wickeln Zahlungsprozesse ab

Um nicht jede Zahlungsart einzeln abwickeln zu müssen, greifen Händler in der Regel auf Payment Service Provider (PSPs) zurück, die für sie die komplexen Zahlungsprozesse abwickeln. Payment Service Provider sind Zahlungsdienstleistungs-Unternehmen, mit deren Hilfe eine Kontoeröffnung im Ausland überflüssig werden kann. Dabei muss beachtet werden, ob der PSP eine so genannte BaFin-Lizenz besitzt und somit als Zahlungsinstitut das Geld der Kunden für die Plattform- oder Shop-Betreiber vorhalten darf. Die gleichnamigen Lizenzen werden durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erteilt und berechtigen dazu, Zahlungsverkehrsdienstleistungen zu erbringen, die früher Banken vorbehalten waren. Online-Händlern bieten PSPs auf dieser Grundlage sämtliche zur Annahme und Abwicklung von Zahlungen notwendigen Bestandteile wie Kontoführung und Kartenakzeptanz in einer integrierten Gesamtlösung.
 
Viele Unternehmen, die keine BaFin-Lizenz vorweisen können, machen sich unwissend strafbar, indem sie Zahlungen für Dritte vorhalten. Händler sollten also auf ein Zahlungsinstitut zurückgreifen, das über eine BaFin-Lizenz verfügt. Solche Zahlungsinstitute kümmern sich sowohl um die technischen als auch administrativen Payment-Belange der Händler. Sie wickeln also den gesamten Zahlungsfluss ab und kümmern sich zusätzlich um vertragliche Angelegenheiten - auch international. International tätige Online-Händler reduzieren durch einen zentralen Payment-Partner ihren Verwaltungsaufwand signifikant, sparen Zeit bei der Einführung neuer Zahlungsarten und steigern so ihr Umsatzpotenzial. Hinzu kommt, dass bei der Eroberung neuer Märkte die Time-to-Market deutlich reduziert wird, was klare Wettbewerbsvorteile mit sich bringt. In Zeiten der Globalisierung sind administrative Effizienzgewinne und damit Zeiteinsparungen nicht selten ausschlaggebend dafür, ob ein Händler auf dem jeweiligen Wachstums-Markt Fuß fassen kann oder nicht.

 
 



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