Digitale Transformation 13.06.2019, 11:01 Uhr

Paid Content: 6 Tipps für Bezahlinhalte im Web

Überall experimentierten Verlage mit Paid Content. Die gute Nachricht: Es funktioniert, wenn verschiedene Punkte beachtet werden. Wir haben sechs Tipps parat.
(Quelle: shutterstock.com/Titima Ongkantong)
1. Nicht die gedruckte Version ins Netz
Allzulange haben Verlage versucht, einfach die gedruckte Version ihrer Printausgabe ins Netzt zu verlagern und dafür den User zur Kasse zu bitten. Solche Online-PDFs funktionieren aber auf Dauer nicht. "Zeitungen und Publikumsmedien, die einfach nur das Printobjekt im Netz abbilden, haben online keine Chance", sagt Friedrich Streng, Geschäftsführer von InTime Media. "Sie werden alle verschwinden."
2. Inhaltlichen Mehrwert schaffen
Erfolgreiche Paid-Lösungen bieten dem User dagegen Content, den er nirgendwo anders findet. Das können Datenbanklösungen juristischer Fachverlage sein oder auch Reportage-Videos sein, die man selbst bei YouTube nicht sehen kann. Tobias Henning, General Manager Premium Bild Plus und Welt Plus, stellt fest, dass bei Axel Springer seit eineinhalb Jahren vor allem Videos mit exklusiven Premiuminhalten von Digital-Abonnenten gefragt sind. Als richtiger Knüller erwies sich beispielsweise die mehrteilige Video-Doku über eine "IS-Braut" aus dem Ruhrgebiet.
3. Großes Angebot für kleines Geld
Die User sind bereit, für journalistische Inhalte zu bezahlen. Allerdings - eine schmerzliche Erkenntnis für manche Verleger: längst nicht so viel, wie das Käufer gedruckter Zeitungen und Zeitschriften seit Jahren tun. Ein Abo der gedruckten "Süddeutschen Zeitung" kostet beispielsweise 64,90 Euro im Monat. Ein Digital-Abonnent der "New York Times" zahlt im Monat für ein digitales Basispaket acht Euro - also nur einen Bruchteil. Dennoch: Die Bereitschaft wächst, für exklusiven, gut aufbereiteten Content zu bezahlen.
4. Angebote für jüngere Zielgruppe
Vor allem jüngere Zielgruppen geben Geld im Netz für Inhalte aus. Experten wie Werner Ballhaus von Pricewaterhouse Coopers (PwC) raten deshalb dazu, in ihnen die Zukunft zu sehen und nicht in den Senioren. "Ich empfehle Verlagen, die jüngeren Nutzer in den Mittelpunkt zu rücken", so Ballhaus. "Ältere User sind es dagegen schon gewöhnt, dass journalistische Inhalte im Netz kostenfrei sind."
5. Keine Knebelverträge
Allerdings haben jüngere User auch andere Ansprüche an die Vertragsbindung. Mehrmonatige oder mehrjährige Abos sind den Augen jüngerer Leser überhaupt nicht mehr zeitgemäß. "Die Bedeutung von Easy-in-easy-out-Angeboten wird bei der Gewinnung von Digital-Abonnements immer wichtiger", sagt Christoph Hauschild, Vertriebsleiter der Spiegel-Gruppe. "Es geht nicht mehr ausschließlich darum, Kunden in eine langfristige vertragliche Bindung zu bringen."
6. Personalisierter Content
Der User schätzt personalisiert ausgespielte Informationen, die an sein Profil und seinen Standort angepasst sind - natürlich optimiert für die mobile Nutzung. Die großen Internet-Player wie Amazon und Google setzen hier die Benchmark. Dabei zählt Datenanalyse, nicht das Bauchgefühl. Friedrich Streng: "Es geht nicht darum, dass Chefredakteure glauben zu wissen, was der Kunde will. Wir müssen es exakt wissen und unsere Produkte, Leistungen und Lösungen zu hundert Prozent daran orientieren."



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