Ottos Plattform-Strategie: "Der Ansturm hat uns überrascht"

Wie Hermes als Logistikpartner sich mit Otto mitentwickeln muss

Ein großes Asset, das Sie bereits haben und Amazon erst aufbaut, ist eine eigene Logistiktochter. Sind Sie damit zufrieden?
Opelt: 
Wir haben immer mit Hermes zusammengearbeitet und Hermes hat sich immer mitentwickelt. Aber mit unserer Entwicklung zur Plattform stellen wir Hermes natürlich vor neue Herausforderungen und Hermes muss mit uns in Sachen Volumina und Services wachsen. Die gemeinsame Konzernzugehörigkeit macht die Zusammenarbeit an vielen Stellen natürlich einfacher. 
Was für Services wünschen Sie sich denn?
Opelt: 
Im Schwerpunkt wollen wir ja unsere Marktführerschaft im Möbelbereich weiterausbauen. Und da geht es darum, neue Möglichkeiten zu entwickeln. Wir haben den Aufbauservice. Wir haben den Musterservice. Aber vielleicht kreieren wir irgendwann noch einen Anpassungsservice oder Customized Möbel mit einer höheren Fertigungsgeschwindigkeit. Am Ende muss dann auch der Dienstleister in der Lage sein, entsprechend schnell zu liefern. Da haben wir noch einiges in petto. Und natürlich wollen wir derartige Serviceleistungen auch unseren Partnern zur Verfügung stellen.
Sie betonen das Thema Möbel so stark. Konzentrieren Sie sich in Zukunft vor allem darauf?
Opelt:
Es ist ein Schwerpunkt, aber nicht der einzige Fokus. Aber dieser Teil des Online-Handels ist auf jeden Fall noch unterentwickelt. Das weckt auf der einen Seite große Begehrlichkeiten und ist auf der anderen Seite auch eine große Chance. Und natürlich macht es uns Spaß, dass das Thema einigermaßen komplex ist. Wir haben beispielsweise gerade 2,6 Millionen Euro in Computer Generated Imagery investiert. Bis Ende des Geschäftsjahres 2021/22 wollen wir mindestens 70 Prozent des gesamten Möbelsortiments und rund 35 Prozent aller Artikel im Bereich Haus- und Heimtextil in Form von CGI-Abbildungen darstellen. Damit müssen wir Möbel nicht mehr erst umständlich aufbauen und in Fotostudios fotografieren. Stattdessen bauen wir einmal die Technik auf und können dann ganz flexibel 50 verschiedene Oberflächen in 700 Farben und sechs Größen darstellen - und zwar ohne erkennbare Unterschiede zu einem echten Foto. Diese Daten können wir dann übrigens auch gleich für Augmented Reality-Darstellungen nutzen. Auch diese Möglichkeiten wollen wir irgendwann unseren Partnern anbieten.
Was sehen Sie denn noch als neue Trends?
Opelt:
 Über Bilderkennung und die riesige Bandbreite zur Datenqualifikation haben wir bereits gesprochen. Wir haben mit "alike" gerade eine App für die visuelle Möbelsuche gebaut. Auch in der Logistik und Prognostik ist noch viel drin. Wir haben Lösungen gebaut, die auf Artikelbasis die Bestellungen der nächsten Wochen prognostizieren. Das hilft uns, bei den Partnern dann entsprechend auch kleinere Mengen anzufordern, die unsere Läger nicht unnötig belasten. Und auch bei der Planung der Lagerschichten ist es wichtig, zu wissen, ob man etwa eine zusätzliche Schicht benötigt, um die steigende Nachfrage auch bedienen zu können. Auch Voice Recognition oder Intent Recognition sind Trends, in denen wir große Potenziale als Auslöser für Services sehen.



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