Ottos Plattform-Strategie: "Der Ansturm hat uns überrascht"

Die Rolle von Sortimentskompetenz in einer technologisierten Handelswelt

Wenn Ihr Fokus künftig auf der Technologie liegt, welchen Stellenwert hat denn dann künftig Sortimentskompetenz?
Opelt:
 Insbesondere im Bereich Home und Living wird es auch in Zukunft extrem darauf ankommen, Sortimentskompetenz zu beweisen. Vor allem in den Bereichen, in denen wir selbst produzieren. Speziell beim Möbelthema ist uns aber auch der Servicegedanke extrem wichtig. Also etwa Aufbauservices, Mitnahme und Entsorgung alter Möbel und Geräte. Dazu kommt, dass die Customer Journey beim Möbelkauf auch komplexer und langwieriger ist. Die kognitiven Dissonanzen, die entstehen, wenn man über 2.000 Euro für ein neues Einrichtungsteil ausgibt, kann man gut heilen, wenn man Kunden einen tollen Service bietet, zu ihnen nach Hause kommt und dort alles direkt aufbaut.
Nochmal zurück zur Plattformstrategie. Sie haben angekündigt, 100 Millionen Euro investieren zu wollen. Wie viel des Weges haben Sie schon geschafft?
Opelt:
 Ich glaube nicht, dass Transformation einen Anfang und ein Ende hat. Kundenverhalten, Features, Technologien, Zugangswege - das alles ändert sich kontinuierlich. Auch in unserem Plattformprojekt reden wir von mehreren Jahren Entwicklungszeit und diese 100 Millionen sind das Budget für ein Jahr. Dabei versuchen wir, uns auf die Themen zu fokussieren, in denen wir bisher am wenigsten skalierbar sind. Da reden wir vor allem über das Partnermanagement. Mit unserem Self-Service-Portal Brand Connect haben wir ja schon angefangen, Partner möglichst optimal auf unsere Plattform zu bringen. Natürlich kämpfen wir auch mit Restriktionen. Die kommen aber eher über den Arbeitsmarkt, weil wir nicht so schnell rekrutieren können, wie wir das gerne möchten. Auf der anderen Seite ist es aber auch schön zu erleben, wie viele auch junge Menschen mehr als früher Lust haben, für Otto zu arbeiten. Mit drei Milliarden Euro Umsatz bieten wir den Menschen Herausforderungen, die kleine Firmen so vielleicht nicht bieten können. Wir haben allein im BI-Bereich 185 Leute - mit Praktikanten und Diplomanten sind es über 200. Die haben, nicht überall, aber in vielen Bereichen, auch große Freiheitsgrade. Und das macht denen tierisch Spaß.
Beim Onboarding neuer Partner beschränken Sie sich derzeit auf Händler, die über 1.000 Artikel im Sortiment haben. Warum?
Opelt:
 Wir wussten, dass der Markt auf eine Alternative wartet. Aber dass der Ansturm derart groß sein würde, hat uns selbst überrascht. Deswegen konzentrieren wir uns derzeit in der Tat vor allem auf größere Händler und Partner, da diese die technischen Voraussetzungen zur Anbindung an unsere Plattform in der Regel bereits mitbringen. Unsere Prozesse sind in diesem Bereich noch nicht voll automatisiert, da gibt es bisher noch viel Handarbeit. Und das schluckt Ressourcen. In den kommenden Monaten werden wir da aber deutliche Verbesserungen sehen und dann viel schneller als bisher auch kleinere Partner anbinden können. Brand Connect ist ja schon eine solch automatisierte Oberfläche, über die sich Partner im Self Service auf otto.de organisieren können. Dadurch wird der Anbindungsprozess nochmal deutlich einfacher.
Und trotzdem wollen Sie garantieren, dass da keine Grauimporte und andere Produktfälschungen auf der Plattform sind?
Opelt:
 Das ist unser Anspruch, und wir tun einiges dafür, diesen auch erfüllen zu können. Zum Beispiel mit Hilfe spezieller technischer Mechanismen, die Sortimente bereits vor ihrer Anbindung an otto.de prüfen.
Ist der Marktplatz auf Deutschland beschränkt?
Opelt:
 Ja, im Moment fokussieren wir uns auf Deutschland. Danach kommt die DACH-Region.



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