Marc Opelt, Bereichsvorstand Vertrieb 15.10.2018, 08:11 Uhr

Ottos Plattform-Strategie: "Der Ansturm hat uns überrascht"

Dass Otto seinen Online Shop für Partner öffnet und zur Plattform werden will, stieß in Deutschland auf große Resonanz. Wir sprachen mit Marc Opelt, Bereichsvorstand Vertrieb bei Otto, über die Zukunftsstrategie der Hamburger.
Marc Opelt ist Bereichsvorstand Vertrieb bei Otto.
(Quelle: Otto)
Die Otto Group stellt sich bekanntermaßen neu auf. Wofür wollen Sie denn in Zukunft konkret stehen?
Marc Opelt:
 Wir bauen unser Unternehmen vom Händler in Richtung Plattform um und wollen uns dabei vor allem unserer Stärken bedienen. Im Bereich Home und Living beispielsweise sind wir Online-Marktführer in Deutschland. Das wird auch in allen Dingen, die wir machen, ein Schwerpunkt bleiben - nicht nur werblich, sondern auch in Sachen Investitionen, Services und Features. Das ist der eine Teil. Der andere Teil betrifft die Neuaufstellung der Marke Otto und die zukünftige Fokussierung auf die drei Markenattribute: persönlich, fair und inspirierend. Diese Attribute kommen sehr stark aus unserer DNA. Und da freut es uns natürlich, dass diese Themen inzwischen sehr viel relevanter werden. Die sogenannte Generation Z ist zwar mit der totalen Digitalität aufgewachsen und geht damit auch ganz natürlich um. Was sich aber ändert, ist die Perspektive auf Verantwortung. Die Nutzer möchten wissen, mit was für einem Unternehmen sie es zu tun haben. Sie möchten wissen, was ein Online Shop mit den eigenen Daten macht. Sie möchten auch wissen, wie ein Unternehmen mit seinen Mitarbeitern umgeht. Diese Entwicklung spielt uns in die Karten und sie passt zu uns. Wir legen großen Wert auf den fairen Umgang mit Mensch und Natur - im Umgang mit unseren Kunden, mit unseren Partnern, die im Plattformumfeld ein ganz neues Gewicht bekommen, mit unseren Mitarbeitern und mit unserer Umwelt. Das alles wollen wir in unserer Markenarbeit erlebbarer machen. Das ist eine riesige Aufgabe, aber das Interesse daran ist groß. Nicht nur bei unseren Kunden, auch bei den Partnern, die unseren Weg sehr gut finden.
Weil sie auf Plattformen wie Amazon andere Erfahrungen gemacht haben?
Opelt:
 Ich hörte davon.

"Das sind dann mal eben zwei, drei Start-ups on top"

Wenn man Amazon fragt, bezeichnen die sich aber auch als fairer Partner. Man muss sich ja schon fragen, was der Größe geschuldet ist und was bewusst unfaires Verhalten ist. Um den Fairness-Gedanken gegenüber den Partnern aufzugreifen - wo würden Sie anders vorgehen als Amazon? Sie müssen ja auch darauf achten, dass ihre Prozesse effizient ablaufen.
Opelt:
 Perspektivisch öffnen wir uns als Otto noch stärker und stellen unsere Plattform Otto.de Händlern und Marken zur Verfügung. Deshalb weisen wir unsere Partner auf unsere Spielregeln sowie unser Selbstverständnis als faire Plattform hin. Fairness bedeutet für uns nicht nur hohe Standards an unsere eigenen Produkte anzulegen, sondern an alle Produkte auf Otto.de. Der Wandel zur Plattform gibt uns die Chance, unsere Ansprüche an Fairness auch an andere Händler zu stellen. Alle Marken und Händler, die ihre Produkte auf Otto.de anbieten, unterschreiben unseren Code of Conduct. So sichern wir beispielsweise die Einhaltung von Mindestlohn und Höchstarbeitszeiten in den Produktionsstätten unserer Partner ab oder geben Anforderungen wie etwa das Verbot von Echtpelz weiter. Wir möchten Governance-Ansprüche auch nach vorne weitertragen und das im schlimmsten Fall auch zu Lasten von Wachstum. Im Zweifel für den Zweifel, wie es bei Tocotronic heißt.
Schauen wir mal auf Ihre Umsatzzahlen: Jochen Krisch kritisierte jüngst, dass sie zum achten Mal in Folge die acht Milliarden Euro Umsatzziel verfehlt haben, ihre Wachstumsraten zu gering seien und sie Marktanteile an die Konkurrenz verlieren. Was antworten Sie Herrn Krisch?
Opelt:
 Wenn wir mit 8,5 bis zehn Prozent wachsen, dann bedeutet das für uns immer 200 bis 300 Millionen Euro mehr Umsatz. Das sind dann mal eben zwei, drei Start-ups on top. Das gelingt uns jetzt seit acht Jahren in Folge. Gleichzeitig muss man bedenken, dass wir einen anderen Hintergrund haben: Wir sind mit einer Händlerhistorie gestartet und bauen die Plattform Otto nicht auf einer grünen Wiese. Wir müssen unsere alten Legacy-Systeme in kleine Stücke zersägen und modular auswechseln. Trotzdem wachsen wir in bestehenden Modellen mit bestehenden Prozessen, die sich ständig verändern, mit noch stark händlerorientierten Technologien. Aus der Perspektive sagen wir: Das ist schon ganz amtlich. Und ich bin fest davon überzeugt, dass wir die kritische Masse längst überschritten haben. Die Diskussion, wo es hingehen soll, haben wir in den 2000ern geführt. Wir hatten die ersten Plattformfähigkeiten in 2006. Da haben wir vielleicht das Potenzial nicht sofort vollständig erkannt. Aber wir waren immer extrem neugierig. Das ist auch der Grund, warum wir heute einer der erfolgreichsten Online-Händler in Deutschland sind. 



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