Handels- und Dienstleistungskonzern 27.05.2020, 13:15 Uhr

Otto Group: Ertragsrückgang durch Corona - Fokus auf eigene Plattform

Die Otto Group hat im letzten Geschäftsjahr 2019/20 ihre Ziele bei Umsatz und Ertrag nach eigenen Angaben "übertroffen". Für das laufende Geschäftsjahr senkt der Handels- und Dienstleistungskonzern aber seine Ertragserwartungen. Im Fokus bleibt die eigene Plattform.
Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender Otto Group
(Quelle: Otto Group)
Das vergangene Jahr verlief für die Otto Group erfolgreich: In dem Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 waren Umsatz und Gewinn noch kräftig gestiegen - der Umsatz kletterte um 4,8 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro,im Online-Geschäft konnte der Versandhändler sogar um 6,2 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro zulegen. Der Jahresüberschuss stieg von 177 auf 214 Millionen Euro.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstandschef Alexander Birken zwar mit weiterem Zuwachs beim Umsatz - aber mit einem rückläufigen Gewinn.

Ertragseinbußen wegen Corona

Die Ertragseinbußen seien der Corona-Krise zu verdanken. Eine historisch schlechte Konsumstimmung "wird zu einem bereits erkennbaren Rückgang der Nachfrage insbesondere von Textilien und einem generell steigenden Preiswettbewerb führen", sagte Birken. "Gemeinsam mit den erhöhten Aufwänden für die Gesundheit der Mitarbeiter wird dies die Ertragslage im laufenden Geschäftsjahr belasten."
Eine konkrete Prognose wollte Birken nicht abgeben - man sei aber optimistisch: "Mit hohen Investitionen in die digitale Transformation und dank der konsequenten Umsetzung unserer fokussierten Wachstumsstrategie sind wir auf unserem Wachstumspfad sehr gut vorangekommen. Mit diesem finanziellen Rückenwind, der digitalen strategischen Ausrichtung und unserer sehr gut entwickelten technischen Infrastruktur sowie unserer Unternehmenskultur sind wir respektvoll optimistisch, die durch die Corona-Pandemie verursachten wirtschaftlichen Herausforderungen gut zu meistern und mittelfristig sogar gestärkt aus der Krise hervorzugehen."

Nicht alle haben profitiert

Die Corona-Krise hat dem Online-Handel zusätzliche Impulse gegeben, weil der stationäre Handel zeitweise geschlossen war und die Kunden sich nicht wie gewohnt versorgen konnten. Davon haben jedoch nicht alle Produktgruppen im Online-Handel gleichermaßen profitiert.
Nach Angaben aus der Branche waren zum Beispiel Gefriergeräte und Unterhaltungselektronik wie Spiele-Konsolen stark gefragt, nicht aber aktuelle Frühjahrsmode oder Badebekleidung. Damit dürften auch im Versandhandel erhebliche Lagerbestände aufgelaufen sein.

Digitale Geschäftsmodelle - Plattformen

Trotzdem sieht sich Birken mit seinen Investitionen in digitale Geschäftsmodelle mittel- und langfristig im Wettbewerbsvorteil. So erzeuge beispielsweise die konsequente Entwicklung von Plattformen wie Otto und About You gerade eine erhöhte Nachfrage von zumeist stationär agierenden Marken und Händlern, die von diesen starken Ökosystemen profitieren wollen.
Bei der Einzelgesellschaft Otto sei geplant, noch in diesem Jahr rund 1.000 Partner auf die Plattform zu holen, Fokus ist das Thema Wohnen. 
Auch in der Logistik zeige insbesondere Hermes Europe eine starke operative Leistung und hohe Zustellqualität. So lagen nach eigenen Angaben die Paketmengen im April in Deutschland und Großbritannien auf dem Niveau des "starken" Weihnachtsgeschäfts und konnten "trotz umfangreicher Schutzmaßnahmen erfolgreich verarbeitet werden". "Auch dank dieser exzellenten Leistung gewann Hermes zahlreiche neue Geschäftskunden. Zur Stärkung der Investitionskraft ist noch in diesem Geschäftsjahr geplant, für die europäischen Auslieferungsaktivitäten einen strategischen Partner als Mitgesellschafter an Bord zu holen", so der Konzern.



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