StockX: Wo der Markt den Preis bestimmt

"Kein wirklicher Vorteil gegenüber Hobbyverkäufern"

Welche Faktoren haben den größten Einfluss auf die Preise?
Morrison:
Angebot und Nachfrage. Jeden Tag kommende Tausende neuer Schuhe auf den Markt. Die meisten werden getragen, nur wenige kommen in den Wiederverkauf. Mit der Zeit werden die verfügbaren ungetragenen Paare immer weniger. Damit steigt ihr Wert. Darüber hinaus ist auch der Einfluss des Designers, der mit einer Marke kooperiert, sehr wichtig. ­Beispiele sind Travis Scott für Nike oder ­Kanye West für Adidas Yeezy. Auch ­Pharrell Williams und andere Stars wecken mit ihren Designs bei Sneaker-Fans Begehrlichkeiten.
Wer bietet denn Produkte über StockX an? Sind das eher Privatpersonen oder Händler und Brands?
Morrison:
Wir haben ein Businessmodell geschaffen, das es jedem ermöglicht, sehr einfach Produkte zu verkaufen. Unternehmen haben - anders als bei eBay - keinen wirklichen Vorteil gegenüber Hobby­verkäufern. Wir haben keine Seller-Ratings und wir haben keine Store-Accounts auf dem Marktplatz. Es gibt professionelle Verkäufer, aber die sind definitiv nicht der dominierende Part unserer Plattform. Wir haben wirklich hart daran gearbeitet, möglichst alle Verkaufsbarrieren zu beseitigen. Es gibt keinen bestimmten Verkäufertyp - und im Kern verkauft man über die Plattform anonym.
War es schwer, Marken davon zu überzeugen, mit Ihnen zu kooperieren?
Morrison:
Es ist wirklich eine große ­Herausforderung, eine Marke mit einer so langen Geschichte wie Adidas davon zu überzeugen, einen Schuh ohne Preisetikett auf den Markt zu bringen. Wir gehen unsere Partnerschaften mit Integrität und einer Vision für die Zukunft an. Und unser Wachstum über die Zeit bestätigt unseren Ansatz, den die Brands respek­tieren. So können wir das nächste Level ­erreichen, mehr IPOs kreieren und mehr mit diesen speziellen Produkten arbeiten. Was wir mit den Brands gemeinsam haben, ist der Wunsch, dem Kunden ein Erlebnis zu ­bieten. Auf unserer Plattform müssen sie nicht warten, bis ein Käufer zu ihnen in den Laden kommt. Wir haben Millionen von Unique Visitors jeden Monat, mehr als jeder klassische Brick & Mortar-Store pro Monat zählt. Diese Reichweite im Markt und die Möglichkeit, sofort zu verkaufen, ist für jeden, der diese Produkte ­anbietet, eine echte Chance.
Wie wichtig ist für Sie eine stationäre Präsenz?
Morrison:
Unglaublich wichtig. Wir sind in Europa Sponsor der "Sneakerness" in Köln. Und wir haben vor Weihnachten einen Pop-up-Store in London eröffnet. Wir haben ein komplexes ­Geschäftsmodell, deswegen ist es für uns essenziell, unsere Käufer und Verkäufer im echten Leben zu treffen und ihnen die Plattform zu erklären. Während immer mehr Brands digitale Kanäle nutzen, ­suchen wir nach Wegen, wie wir die Leute im echten Leben erreichen.
Welche Ziele haben Sie für Deutschland - und was sind die kritischen Punkte für das Erreichen dieser Ziele?
Morrison:
Deutschland ist ein riesiger Markt. Das sehen wir natürlich als ­unglaubliche Chance für uns. Deswegen arbeiten wir weiter daran, eine lokale ­Experience zu schaffen, die für den deutschen Konsumenten einzigartig ist. Wir haben unsere Plattform gerade in deutscher Sprache lokalisiert. Der deutsche Markt trägt durch seine Geschichte viel zur Community bei und wir hoffen, uns mit unseren Investitionen im Land dem als würdig zu erweisen.



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