Studie 07.04.2016, 10:00 Uhr

Was bringen Online-Marktplätze Händlern wirklich?

Lokale Online-Marktplätze wie Wuppertal oder Mönchengladbach werden in der Handelsbranche viel diskutiert. Das ECC Köln und eBay haben das Konzept unter die Lupe genommen. Was bringt es? Wo sehen Händler Vorteile?
(Quelle: shutterstock.com/NEGOVURA)
Es lässt sich nicht leugnen: Stationäre Händler spüren die Online-Konkurrenz und müssen reagieren. Eine Lösung sind lokale Online-Marktplätze wie die Online City Wuppertal oder das Projekt "Mönchengladbach bei eBay". Viele sehen darin eine letzte Hoffnung für kleine stationäre Händler, die sich einen eigenen Online-Shop nicht leisten können. Aber welche Vorteile bieten entsprechende Initiativen Händlern wirklich?
Antworten soll der aktuelle Marktplatz-Konjunkturindex (KIX) von ECC Köln und eBay geben. Auch wenn die Analyse sicher nicht ganz uneigennützig ist, belegen die Zahlen doch, dass Händler, die bereits auf lokalen Online-Marktplätzen vertreten sind, überwiegend zufrieden sind. Rund 64 Prozent der Nutzer haben positive Erfahrungen mit der Umsetzung des Konzepts gemacht. Bei Händlern, die aktuell noch keine lokalen Online-Marktplätze nutzen, stößt das Angebot grundsätzlich auf Interesse. Mehr als die Hälfte kann sich vorstellen, zukünftig über lokale Online-Marktplätze zu verkaufen und hält das Modell für zukunftsfähig.

Die Web-Präsenz punket, aber kein Kundenfang

Einzelhändler schätzen vor allem die Erweiterung des Geschäftsmodells. Rund 82 Prozent der Befragten geben an, dass diese eine attraktive Möglichkeit seien, Produkte online zu präsentieren, ohne einen eigenen Online-Shop betreiben zu müssen. "Händler schätzen vor allem den vergleichsweise einfachen Zugang zum Onlinehandel. Gerade für den mittelständischen Einzelhandel gilt es abzuwägen, welche Investitionen wirklich sinnvoll sind, bevor Geld in eine eigene kostenintensive IT-Infrastruktur und Online Marketing gesteckt wird", rät dazu Kai Hudetz, Geschäftsführer des IFH Köln.
67,2 Prozent sehen lokale Online-Marktplätze als Stärkung des lokalen Einzelhandels. Trotzdem scheinen sie sich nicht durchweg als Frequenzbringer für das stationäre Geschäft zu eignen. Nur etwa die Hälfte aller Befragten ist davon überzeugt, dass lokale Online-Marktplätze Potenzial haben, mehr Kunden in die stationären Geschäfte vor Ort zu ziehen. Gleichzeitig nehmen rund 71 Prozent an, dass lokale Online-Marktplätze beispielsweise über Services wie Click & Collect einen Mehrwert für den Kunden bieten.
Quelle: ECC/eBay

Marktplatzumsätze: Stabile Entwicklung

Ein weiteres Ergebnis: Die Mehrheit rechnet mit einer stabilen Entwicklung ihrer Umsätze über Online-Marktplätze: Der Indexwert für die Dreimonatserwartung landet aktuell bei 122,6 Punkten (157 Punkte in Q4/2015 - dank Vorweihnachtsgeschäft). Während 44,5 Prozent der Befragten in den kommenden drei Monaten steigende Umsätze erwartet, geht rund ein Drittel von einer stabilen Entwicklung aus. Knapp 22 Prozent schauen pessimistisch in die nähere Zukunft.
Die Online City Wuppertal ging Anfang 2015 an den Start - als eine Kooperation zwischen der Wirtschaftsförderung Wuppertal und dem lokalen Marktplatzbetreiber Atalanda. Mit seiner Unterstützung können die Händler Online-Bestellungen auch taggleich an ihre lokale Kundschaft ausliefern. Nach dem Pilotprojekt weitete Atalanda seinen lokalen Marktplatz auf weitere Städte aus. Erste Teilnehmer waren Attendorn, Göppingen und Wolfenbüttel. Seit Oktober 2015 soll das Pilotprojekt "Mönchengladbach bei eBay" Einzelhändlern ermöglichen, ihre Ware neben den bisherigen Vertriebskanälen auch auf eBay anzubieten.

Zum Studiendesign:
Der Marktplatz-KIX von ECC Köln und eBay befragt einmal im Quartal Online-Marktplatzhändler zu ihren aktuellen und erwarteten Umsätzen sowie zu aktuellen Themen des Online-Handels. An der Befragung zum ersten Quartal 2016 haben sich 274 Online-Marktplatzhändler beteiligt.



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