bevh-Studie 28.03.2017, 10:30 Uhr

Zu wenig Online-Händler im B2B-Sektor

Aktuell gibt es in Deutschland 5.500 Online-Händler im B2B-Sektor. Da sich aber immer mehr Unternehmens-Kunden im Web über Produkte informieren, ist das Angebot noch zu gering.
(Quelle: shutterstock.com/rvlsoft)
Der E-Commerce hat auch in Deutschland die produzierende Industrie erreicht. Dennoch ist die Anzahl der B2B Online Shops mit 5.500, die für 201.000 Beschäftigte stehen, noch äußerst gering. Zu diesem Ergebnis kommt die erste Studie der deutschen Wirtschaft im Web, die von der Creditreform und dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) durchgeführt wurde.
Dabei besteht der B2B Online- und Versandhandel nicht nur aus Handelsunternehmen, sondern setzt sich vor allem auch aus Quereinsteigern aus dem Produzierenden Gewerbe zusammen. Etwa 20,4 Prozent aller B2B Online Shops werden von Unternehmen betrieben, die nicht im Handel verortet sind.
Die Gründe für die geringe Anzahl an B2B-Webshops hat eine Studie der ibi research parallel herausgearbeitet:
  • Die mittelständisch geprägte Wirtschaft lebt vom mehrstufigen Vertrieb, in dem jede Handelsstufe Wertschöpfungsbeiträge im Hinblick auf Informationen, Sortiment und Preis leistet. Für die Unternehmen war es schlicht nicht notwendig, eine hohe IT-Kompetenz mitzubringen.

  • B2B ist typischerweise ein "Multichannel-Geschäft". Der neue Kanal "Online-Handel" kann aufgrund der schon intensiven Bearbeitung der Kunden nicht wirklich Versorgungslücken schließen, sondern muss sich über Mehrwerte einen Markt bereiten.

  • Die Produktvarianten sind im gewerblichen Bereich um ein Vielfaches größer als im Endkundengeschäft. Und jedes Produkt hat einen kundenbezogenen Preis. Die Komplexität eines Online Shops ist daher im B2B höher.

Analyse der Umsätze im B2B Online Handel

Die Analyse der erzielten Umsätze der E-Commerce-Händler aus dem B2B-Sektor hat aufgezeigt, dass das Internet als Absatzkanal für Geschäftskundenbedarf in den letzten Jahren durchaus als Umsatztreiber in Betracht zu ziehen ist. Dabei gelten für diese Shops ganz andere organisatorische, technologische und juristische Rahmenbedingungen. Das zeigt sich bei der Preisangabe ohne Umsatzsteuer bis hin zum Vertragsrecht.
Die Quote der Unternehmen, die in diesen Shops einkaufen, ist allerdings noch gering. Aktuell beläuft sich die Zahl - gemessen an allen Unternehmen im Großhandel und Produzierendem Gewerbe - bei unter einem Prozent. Man sollte dabei aber nicht unterschätzen, "wie viel Handel inzwischen im Internet getrieben wird, der nicht über Online Shops läuft, sondern über spezielle Marktplätze", sagt Martin Groß-Albenhausen, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des bevh.
Die Lücke der fehlenden Online Shops schließen nämlich die Marktplätze. Im Dezember vergangenen Jahres ist mit Amazon Business ein Big Player in Deutschland gestartet. Hier können zwar alle B2B-Anbieter ohne IT-Investitionen teilnehmen, doch sie begeben sich damit auch in eine Situation hoher Preistransparenz und dementsprechend auch in eine direkte Preiskonkurrenz. Zudem sind Marktplätze trotz aller Vorteile nicht in der Lage, in die eigene digitale Kompetenz zu investieren.
Die aktuell noch geringe Anzahl an B2B-Shops in Deutschland zeigt deutlich, dass die digitale Kompetenz gerade im Mittelstand noch ausbaufähig ist. Nur ein kleiner Teil der KMUs hat sich bisher auf den Weg in den E-Commerce gemacht. Viele von ihnen werden daher über kurz oder lang auf Marktplätze ausweichen müssen, wenn die Online-Shopper einfache digitale Prozesse verlangen.

Methode

In der Vollerhebung wurden aus den 2,3 Millionen in Deutschland registrierten Unternehmens-Websites all diejenigen selektiert, auf deren Firmenhomepage eine Shop-Seite identifiziert werden konnte. Aus diesen wurden in einem zweiten Schritt über 60 Parameter - von eindeutigen AGBs über Netto-Preisangaben bis zu qualifizierenden Wort-Strings - die Unternehmen mit B2B Online Shops herausgefiltert. Filialen beziehungsweise Niederlassungen ein und desselben Unternehmens sind nicht in die Auswertung eingeflossen. Auch wenn ein Unternehmen über mehrere Shop-Seiten verfügte, ist dieses nicht doppelt gezählt worden.
Für eine vollumfängliche Standortbestimmung der B2B Online Shops in Deutschland wurde ein Webcrawling-Ansatz gewählt.



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