E-Commerce-Offensive 09.07.2018, 11:05 Uhr

Wie Yandex das russische Amazon werden will

Yandex gilt schon jetzt als das russische Google. Jetzt will der Anbieter von Internetdienstleistungen auch den Bereich Online-Handel erschließen - und zum russischen Amazon werden.
Yandex - das russische Google - gibt es seit 1997.
(Quelle: Yandex )
Yandex ist zwölf Milliarden US-Dollar wert und der russische Internetgigant schlechthin. Der Konzern betreibt mit rund 65 Prozent Marktanteil die größte Suchmaschine des Landes und will nun auch im E-Commerce angreifen, berichtet Business Insider. Dazu startet Yandex - auch als das russische Google bekannt - nun einen eigenen Online Shopping Service.
Nach eigenen Angaben hat Yandex im Monat 50 Millionen Nutzer - eine beeindruckende Zahl angesichts der Tatsache, dass es in Russland laut der Association of Internet Trade Companies (AITC) insgesamt 87 Millionen Internetnutzer gibt. Längst ist Yandex nicht nur im Search-Bereich tätig. Das Unternehmen hat mit Yandex.Taxi einen eigenen Taxi-Service, einen intelligenten Lautsprecher und eine virtuelle Assistentin namens Alice. Aktuell macht Yandex das meiste Geld mit seinen Online-Anzeigen, die für 92 Prozent der Einnahmen im Jahr 2017 verantwortlich waren.
Um nun auch den Online-Handel erobern zu können, will Yandex seine Preisvergleichsseite Yandex.Market in einen Marktplatz umwandeln, auf dem Kunden Elektronik, Haushaltsgeräte oder Spielzeug ordern können. Es wurden bereits neue Mitarbeiter für die Logistik und Lagerungsprozesse eingestellt.
Der neue Service ist ein Joint Venture mit Russlands größter Bank, Sberbank, die Website ist derzeit noch in der Beta-Phase. Es gab aber bereits Pilotprojekte in den Städten Nowgorod, Kasan und Ufa. Noch in diesem Jahr soll der offizielle Launch erfolgen, bis dahin möchte man User-Zahlen im sechsstelligen Bereich verzeichnen. Das sei zwar im Yandex-Vergleich nicht viel, im Vergleich mit anderen Shopping-Webseiten in Russland jedoch schon, so Michael Levin, Chief Data Scientist bei Yandex.

Russland: noch kein E-Commerce-Land

Das große Problem: Kaum ein Verbraucher kauft in Russland online, sogar Amazon hat nur eine geradezu winzige Präsenz. In dem Land dominiert die Geldwirtschaft - es ist üblich, etwas zu bestellen und direkt zu bezahlen, wenn der Kurier auftaucht. Gefällt das Produkt nicht - nimmt es der Bote wieder mit. Die Hürden Logistik, Lieferung, Retouren, Payment und Vertrauen in den Online-Einkauf will Yandex aber meistern, auch, wenn das Unterfangen kein billiger Spaß werden wird, da vor allem die Logistik-Kosten in Russland - auf die Fläche gerechnet - enorm hoch sind.
Yandex steht in Sachen E-Commerce vor allem im Wettbewerb mit lokalen Einzelhändlern, die ihre Online Services zunehmend ausbauen. Daneben sind auch Anbieter wie Ozone.ru oder Alibabas grenzüberschreitender Dienst AliExpress, der billige chinesische Elektronikware über die Grenze nach Russland liefert, Konkurrenten. Levin hofft, seine Mitbewerber mit Yandex Expertise im Machine Learning und Datenmanagement zu schlagen. Auch die große Markenbekanntheit von Yandex und der Sberbank sei ein Vorteil. Für ihn ist Amazon kein Konkurrent - im Gegenteil: "Es wird Zeit für ein russisches Amazon", sind Branchenbeobachter überzeugt.



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