Anna Rojahn, Fast Forward Imaging 03.09.2017, 11:12 Uhr

"Virtuelle Produktinszenierung hat sich noch nicht durchgesetzt"

Virtual Commerce ist das Trend-Thema im E-Commerce. Welche Inszenierungs-Möglichkeiten es für Produkte in Webshops gibt und warum sich virtuelle Produktdarstellungen noch nicht durchgesetzt haben, erzählt Anna Rojahn von Fast Forward Imaging.
Anna Rojahn, Gründerin von Fast Forward Imaging
(Quelle: Fast Forward Imaging)
Virtual Commerce ist gerade in aller Munde. Doch Webshop-Betreiber nehmen sich diesem Thema derzeit noch eher zaghaft an. So zumindest empfindet es Anna Rojahn, Gründerin des Technologieunternehmens Fast Forward Imaging. Wir haben mit ihr über virtuelle Produktinszenierungen gesprochen und darüber, warum es immer noch so viele Shops mit schlechten Warenpräsentationen gibt.
Sie entwickeln Konzepte und Anwendungen im Bereich des Virtual Commerce. Was genau verbirgt sich dahinter?
Anna Rojahn: Unser Kerngeschäft ist die Visualisierung und Digitalisierung von physischen Objekten. Das Thema Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) hat mich immer schon fasziniert. Technisch wird hiermit immer mehr möglich und wir haben überlegt, welche Möglichkeiten sich für uns mit diesen neuen Technologien ergeben. Kommerzielle Anwendungen sind nach meiner Ansicht vor allem spannend, da es dabei um eine ganz andere Art von Produktinszenierung geht. Heute geht es bei Produktdarstellungen schon lange nicht mehr darum, nur ein simples Bild des Artikels darzustellen und Informationen rund um das Produkt aufzulisten. Vielmehr geht es darum Geschichten zu erzählen. Und zwar mit allen visuellen Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen. Das ist das, was ich an dem Thema VR und Virtual Commerce so spannend finde.
Aus der Faszination für die Fragestellung "Wie kann man ein Produkt nicht nur optimal informativ inszenieren, sondern auch emotional präsentieren?" kommt die Verknüpfung aus der gängigen Produktdigitalisierung und dem Thema Virtual Commerce. Sprich, wie kann man die VR-Technologie gewinnbringend im E-Commerce einsetzen?
Wie funktioniert die Technologie, mit der Sie die Produktfotos produzieren?
Rojahn: Die Technologie gründet auf einem Patent der Bauhaus Universität aus Weimar. Dieses Patent basiert darauf, mittels schneller Farbwechsel eine Freistellung des aufgenommenen Objekts von dem Hintergrund zu erzielen. Ursprünglich war das Patent für die Produktion von Bewegtbildern entwickelt worden. Wir haben uns dann gedacht, dass es sich sehr gut auf die Produktfotografie anwenden lässt. Somit können wir Objekte von dem Hintergrund freistellen und zugleich eine optimale Ausleuchtung gewährleisten. Das gelingt uns mit dieser Technologie sehr viel besser als anderen Anbietern am Markt. Durch die transparente Freistellung bieten sich ganz andere Möglichkeiten, wie man den Artikel in Szene setzen kann. Unter anderem kann man so ein Objekt in einen virtuellen Raum einfügen. Somit kann man für den User das Raumerleben mit den optischen Produktinformationen verknüpfen.
Welche Kunden nutzen das Angebot der virtuellen Produktinszenierung?
Rojahn: Bisher sind es leider sehr wenige, die den Service in Anspruch nehmen. Die meisten nutzen unser Kernangebot der Produktfotografie und -digitalisierung. Die virtuelle Produktinszenierung hat sich bisher noch nicht durchgesetzt. Es ist einfach noch ein sehr neues Thema. Alle warten immer erst einmal ab, wer es denn als nächstes nutzt. Da will irgendwie keiner gerne der Erste sein. Sie wollen zwar alle vorne mit dabei sein, aber bloß nicht der Erste. Aktuell produzieren wir daher Show-Cases, um die Kunden von der neuen Technologie zu überzeugen. Die meisten Firmen fühlen sich erst wohl damit Innovationsbudgets zur Verfügung zu stellen, sobald es einen halbwegs etablierten Standard gibt. Dieser kann aber erst entstehen, wenn sich Firmen trauen diese Dinge auszuprobieren und somit Vorreiter zu sein.
Wie sieht es mit 360-Grad-Darstellungen aus?
Rojahn: Jetzt wo das Thema VR und AR aufkommt, werden 360-Grad-Darstellungen auf einmal salonfähiger. Früher war das das "Schreckgespenst", was teuer und viel zu aufwendig war. Heute ist es VR und AR im E-Commerce.




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