Produktbewertungen im Netz 21.07.2017, 10:30 Uhr

Was tun gegen die "Bewertungsflaute"?

Hört man sich unter Online-Händlern um, lautet die einhellige Meinung: Die Kundschaft bewertet Online-Käufe viel zu selten und wenn, dann unfair und negativ. Nicht alle Experten stimmen dem Abgesang auf das Bewertungssystem zu.
(Quelle: PIxabay )
Anfang des Jahres wirbelte Amazon die Szene seiner Marketplace-Händler kräftig auf: Quasi über Nacht löschte der Marktplatz Zehntausende Kundenbewertungen. Die Aktion traf ausschließlich ­sogenannte "incentivierte Bewertungen" - also jene Meinungsäußerungen, die Händler aktiv ausgelöst oder beeinflusst hatten, beispielsweise durch die kostenlose Weitergabe von "Testexemplaren" an die Kunden, die sich im Gegenzug mit einer Bewertung revanchieren sollten.
Während die ­einen Händler über dieses harte Vorgehen vonseiten Amazons gegen die "Fake-Reviews" ihrer Konkurrenten jubelten, schlugen andere die Hände über dem Kopf zusammen: Manche Händler verloren im Rahmen der Aktion auf einen Schlag bis zu einem Drittel ihrer Bewertungen. Das hatte weitreichende Konsequenzen; schließlich sind Kundenbewertungen auf Amazon "eine wichtige Informationsquelle für unsere Kunden bei ihrer Kaufentscheidung", so ein Amazon-Sprecher. Deshalb hat die Anzahl der Bewertungen (egal ob positiv oder ­negativ) auch ­direkte Auswirkungen auf das Ranking der einzelnen Angebote in den Suchergebnislisten des Marktplatzes.

Neuer Strategiewechsel in Sachen Reviews

Ein knappes halbes Jahr nach dem aufsehenerregenden Rundumschlag gegen die umstrittenen incentivierten Bewertungen vollzog Amazon im Juni einen neuen Strategiewechsel in Sachen Reviews - und führte in den USA das "Early Reviewer System" ein. Und das funktioniert so: Marketplace-Händler, die neue Produkte einführen, können diese über das Sellercentral beim Early-Reviewer-System ­anmelden. Kauft nun ein Kunde eines der Produkte, die im Early-Reviewer-System angemeldet sind, kann es sein, dass Amazon ihn per E-Mail um die Abgabe einer Bewertung bittet. Kommt der Kunde der Aufforderung nach, bekommt er dafür ­einen Gutschein in einer Höhe zwischen einem und drei US-Dollar, egal, wie seine Bewertung ausfällt. Die Auswahl der Kunden erfolgt dabei völlig zufällig, die teilnehmenden Händler können keinen Einfluss auf die Auswahl nehmen. Nur Kunden, die in der Vergangenheit gegen die Amazon-Richtlinien für Bewertungen verstoßen haben, sind ausgeschlossen.
Für diese Wundertüte müssen Händler bezahlen: 60 Euro verlangt Amazon pro fünf Bewertungen über das Early-Revie­wer-System, berichten Händler in den ­US-amerikanischen Amazon-Foren. "Das Programm wird meines Erachtens trotz der Kosten für Händler gut laufen", meint ­E-Commerce-Berater Peter Höschl, der sich das neue Reviewer-System für sein Blog Shopanbieter.de genauer angesehen hat. "Es stellt für die Verkäufer vielleicht noch die einzige Chance dar, um Bewertungen für neu eingeführte Produkte zu bekommen - wenn sie keine Fake-Bewertungen kaufen wollen, welche ja von Amazon mittlerweile hart abgestraft werden."



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