Gastkommentar 05.03.2019, 09:54 Uhr

Wie die Shoptalk 2019 den Handel von heute in die Wüste schickt

Seit dem 3. März findet in Las Vegas die Shoptalk - Kongressveranstaltung für den Handel - statt. Marcel Hollerbach, CMO von Productsup, war für uns vor Ort und hat seine Highlights zusammengefasst.
Marcel Hollerbach, CMO von Productsup
(Quelle: Productsup)
Von Marcel Hollerbach, CMO von Productsup
Lustig! Ausgerechnet zwei Tage vor der Shoptalk 2019 wird eine der vielleicht größten Revolutionen des Handels bekannt. Elon Musk kündigt an, seine Teslas künftig weitgehend nur noch über das Internet verkaufen zu wollen. Eine Automarke ohne pompöse Showrooms? Das ist so wie die Wüste Nevadas ohne Las Vegas. Womit wir beim Thema wären.
Am Sonntag, den 3. März, startete in dem Spielhöllen-Eldorado die Shoptalk, eine Kongressveranstaltung für den Handel von morgen. Und schon das im Vorfeld von Zia Daniell Wigder, Chief Global Content Officer der Shoptalk, lancierte Thesenpapier "75 ways retail will change in the next decade" macht unmissverständlich klar, wohin die Reise geht: Technologie erobert die Stores in allen Stufen der Wertschöpfungskette und drängt Menschen, also die Angestellten, zurück. Chatbots, die sich an jeden Kauf, an jedes angeklickte Teil erinnern können, rücken an die Stelle angelernter Hilfskräfte in der Service-Hotline.
Augmented Reality ersetzt im Möbelhaus die Ausstellungsstücke und im Autohaus die blankpolierten Karossen. Es geht um Technologien, die es Käufern ermöglicht, Produkte im direkten Umfeld zu visualisieren - bei Möbeln etwa das neue Zuhause oder auch den Garten. Dynamische Algorithmen berechnen zudem in Sekundenbruchteilen, an welchem Standort welcher Artikel knapp sein wird, bevor er es tatsächlich ist, oder wie bei der Produktion Verpackungsmaterial eingespart werden kann. Ganz vorn in der Entwicklung - und davon ist auch Zia Daniell Wigder überzeugt - werden hier die chinesischen Firmen sein.

Alibaba geht mit Bezahllösung in die Offensive

Es passt also ins Bild, dass ausgerechnet Alibaba mit einer Bezahllösung in die Offensive geht, die Aspekte von Google, Facebook, Amazon und Apple auf einer Plattform zusammenführt, wie Marie Driscoll von Coresight Research auf der Shoptalk ausführte. 
Für alle über, sagen wir mal, 30 Jahre mag das befremdlich sein, aber die Shoptalk stimmt auf eine Konsumentengeneration ein, nämlich die Generation Z, deren Leben in erster Linie digital ist. Also eine Käuferschaft, für die nicht der Sprung in die digitale Welt ungewohnt ist, sondern eher umgekehrt: aus ihr heraus. Eine Klientel, die beim Produktdesign mitreden will und im Zweifelsfall weniger nachhaltige Produkte kurzerhand boykottiert. "Konsumenten ändern ihr Kaufverhalten heutzutage alle sechs Monate. Wer dem gerecht werden will, muss sich schnell anpassen können - sehr schnell." Das war eines der in diesem Zusammenhang wohl prägnantesten Zitate von Mark Rabkin, VP Ads & Business Platform von Facebook, zu Beginn der diesjährigen Shoptalk.

Anspruchsvollere Zielgruppe

Doch Brands und Retailer kämpfen nicht allein mit einer immer unberechenbareren und anspruchsvolleren Zielgruppe. Immer schneller werden neue Marken gelauncht, die auf einen direkten Zugang zum Konsumenten setzen. Für den Handel heißt das, viel mehr in Marketing und das Shopping-Erlebnis vor Ort zu investieren.
Im Vergleich zur dmexco, die 2018 etwa 41.000 Besucher verzeichnen konnte und damit die größte Digital-Fachmesse Europas ist, ist die Shoptalk mit 8.400 Besuchern sehr viel kleiner angesiedelt - dafür aber auch deutlich fokussierter. In Themenslots wie "The Retail Industry in the New Normal", "The Ethical Business" und "Robotics and Automation" sprechen Branchengrößen wie Pravin Pillai, Global Head of Retail Industry Solutions von Google, oder Philip Thompson, World Wide Technology Leader bei AWS Retail von Amazon.
Abgerundet werden die unterschiedlichen Tracks durch die am Nachmittag stattfindenden Table Talks. Eine coole Idee: Für die Table Talks blockten die Veranstalter eine komplette Halle allein fürs Networking. Im Vorfeld hatten alle Besucher die Möglichkeit, einen oder mehrere Tische zu buchen, um hier einen Termin mit (potenziellen) Kunden oder anderen interessierten Besuchern auszumachen. Diese Aufteilung verleiht der Shoptalk einen ganzheitlichen Charakter, der die Themen der einzelnen Tracks auch nachmittags weiterführen lässt - dank geschickter Vorplanung ganz ohne Chaos.
Für eher konservative Retailer hat die Shoptalk dann doch noch etwas beruhigendes: Auch wenn sich das ganze Zockerei zunehmend auf das Internet verlagert hat, Las Vegas ist alles andere als ausgestorben. Der Transformation getrotzt sozusagen.
Alles rund um das Thema E-Commerce gibt es nicht nur in Las Vegas, sondern auch am 12. und 13. März in München auf der INTERNET WORLD EXPO!
(Quelle: INTERNET WORLD EXPO)




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