Kooperation mit Werkstätten 22.11.2018, 10:04 Uhr

Reifenportale: Vorstoß ins B2B-Geschäft

Reifen sind im Online-Handel mit Autoteilen der größte Wachstumstreiber. Durch die Kooperation mit Werkstätten stoßen die Reifenportale nun ins B2B-Geschäft vor.
(Quelle: Reifen.com )
Als der Logistiker DHL Ende September einen Käufer für seinen Lebensmittellieferservice Allyouneed Fresh präsentierte, war die Überraschung groß, dass es sich dabei um den Online-Reifenhändler Delticom handelte. Kenner des Unternehmens wissen allerdings: Für Delticom ist die Online-Food-Branche nicht neu. Bereits im Jahr 2016 hatte das Unternehmen die E-Food-Anbieter Gourmondo und ES Food übernommen.
Mit der Expansion in andere Branchen steht Delticom im Online-Reifenhandel zudem nicht allein. Auch die B2B-Plattform ­Tyre24 plant unter der Dachmarke Alzura den Schritt in Märkte wie zum Beispiel den Elektronik-, den Einrichtungs- und den Beauty-Handel.
"Der Frequenzartikel Reifen bietet eine gute Basis, um in andere Sortimentsbereiche vorzustoßen", erklärt Konrad Weßner von der Nürnberger Puls Marktforschung GmbH. Diese Einschätzung unterstreicht auch die Umsatzentwicklung der großen Reifenhändler. Der B2C-Marktführer Delticom kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 667 Millionen Euro. Und auf der führenden B2B-Plattform Tyre24 wurde 2017 sogar ein Transaktionsvolumen von einer Milliarde Euro erzielt.
Der Online-Reifenhandel ist damit einer der großen E-Commerce-Wachstumstreiber. "Es gibt kaum noch ein reines Reifenportal. Fast alle Anbieter haben ihr ­Angebot inzwischen auf das gesamte Autoteilesortiment ausgeweitet", bestätigt Marktforscher Weßner.

Verzahnung von Online- und Offline-Welt

Die Dynamik im Online-Reifenhandel lässt sich gut an der Entwicklung von Delticom ablesen. Das 1999 in Hannover gegründete Unternehmen betreibt heute in 72 Ländern mehr als 430 Online Shops und -Vertriebsplattformen darunter in Deutschland Reifendirekt.de, Tirendo.de und Autoreifenonline.de. Neben 25.000 Reifenmodellen für Fahrzeuge aller Art gibt es in den Delticom-Shops inzwischen auch über 300.000 Autoteile und Zubehörartikel. Zudem gehört zu dem Unternehmen die Online-Gebrauchtwagenplattform Delticar.
"Wir haben in den letzten Jahren stabile Grundlagen geschaffen, um den Konsumenten an sämtlichen Touchpoints seiner Customer Journey optimal zu betreuen", erklärt dazu Delticom-CEO Andreas Prüfer. So habe das Unternehmen allein in Deutschland ein Netzwerk von mehr als 9.500 Partnerwerkstätten aufgebaut, um den Einbau und die Montage von online gekauften Reifen und Autoteilen zu gewährleisten. "Die Zusammenarbeit mit den Werkstätten ergibt für die Online-Reifenportale eine Dynamik, die sehr gut funktioniert", erklärt dazu Marktforscher Weßner. Die Werkstattkooperationen hätten es den Online-Anbietern ermöglicht, über das Do-it-yourself-Segment hinauszuwachsen. Und auch für die Werkstätten seien attraktive neue Chancen entstanden.
"Die Werkstätten versuchen so, After-Sales-Dienstleistungen hereinzuspülen, die sie sonst nicht bekommen hätten. Bei der ersten Montage müssen die Werkstätten vielleicht ertragsmäßig Federn lassen, aber die Loyalisierung der Kunden danach funktioniert in vielen Fällen sehr gut", so Weßner. Auch Delticom-CEO Prüfer schwärmt von der "Verzahnung von Off- und Online-Welten qua Digitalisierung" als Erfolgsrezept.



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