Carsten Kraus, Fact-Finder 08.02.2017, 08:10 Uhr

"Das Problem ist, dass sich viele Shops an Amazon orientieren"

Carsten Kraus glaubt an die Verzahnung von Offline- und Online-Handel, an Assistenz-Systeme wie Amazon Echo und selbstfahrende Autos. Ein Gespräch mit dem CEO und Gründer von Fact-Finder.
Carsten Kraus, CEO und Gründer von Omikron
(Quelle: Omikron)
Fact-Finder definiert sich selbst als "Europas Marktführer für die Onsite-Suche, Navigation und personalisiertes Merchandising". Marktführer hin oder her - Fakt ist, dass das Tool der Omikron Data Quality GmbH inzwischen von Kunden genutzt wird, deren Jahresumsatz mindestens eine Millionen Euro beträgt. Den größten Teil des Umsatzes macht das Unternehmen mit den Top 100 Shops. "Wir arbeiten in etwa 1.650 Shops, das sind etwa 700 Kunden. Von diesen 700 Kunden haben rund 100 mehr als 500 Shops, dazu gehören beispielsweise Anbieter, die in 16 Ländern einen eigenen Länder-Shop haben. Dazu zählen auch Kunden wie mytheresa, die keine Media-Markt-Größe haben, aber eben viele Länderpräsenzen", ergänzt Carsten Kraus, CEO und Gründer von Omikron.
Wir sprachen mit Kraus über die Entwicklung des Handels, künstliche Intelligenz und über alte und neue Prognosen zur Zukunft des E-Commerce.
Lassen Sie uns mit einem kurzen Rückblick beginnen: Wie lief das Jahr 2016 für Sie?
Carsten Kraus: Gut. Wir sind vor allem mit unserem Geschäftsbereich Data Quality sehr zufrieden, er ist um 48 Prozent gewachsen. Das ist das beste Ergebnis seit es diesen Bereich gibt. Der Sektor "Data Quality Tools" wächst grundsätzlich, nicht nur bei uns. Laut Gartner gibt es dort global mehr Wachstum als im E-Commerce selbst.
Online Shops entwickeln zunehmend auch eigene Suche-Tools, sei es mit oder ohne Agentur. Spüren Sie das?
Kraus: Ja, das spüren wir auf jeden Fall. Das Problem ist, dass viele Shops sich an Amazon orientieren. Die Shop-Betreiber denken: weil Amazon eine eigene Suche entwickelt hat, müssen wir das auch selbst machen. Amazon aber hat allein in die Entwicklung der Suche geschätzt mehrere hundert Millionen US-Dollar gesteckt. Es gibt viele deutsche Anbieter, große Online Shops mit durchaus beachtlichen Umsätzen, die nun neben eigenen Shopsystemen auch eigene Produktsuchen und eigene Recommendation Engines entwickeln wollen. Was sie völlig unterschätzen, ist, dass das Raketenwissenschaft ist, jedenfalls wenn man will, dass Suche und Reco auch hohe Conversion-Rates bringen. Das ist nichts, was ein paar Entwickler in wenigen Jahren machen können.
Als wir damals den Markt betraten, gab es einige Start-ups aus dem Such-Tool-Bereich. Viele Unternehmen meinen, was diese Unternehmen mit ein paar Leuten geschafft haben, schaffen wir mit doppelter Mann-Besetzung locker. Das Problem ist aber, dass es die meisten Start-ups von damals nicht mehr gibt. Also hier findet man recht viel Selbstüberschätzung, man entwickelt das nicht mit einer halben Millionen Euro und einer Open-Source-Technologie.
Scheitern Online Shops, die selbst entwickeln wollen, also in jedem Fall?
Kraus: Nicht zwangsläufig, aber die Qualitäts-Unterschiede in diesem Bereich sind einfach größer, als die meisten Shops zu Beginn glauben. Spielen Geld und Zeit keine Rolle, spricht nichts dagegen - in allen anderen Fällen rate ich dringend ab. Einer meiner Lieblingsautoren, Geoffrey Moore, sagt: "Differentiate where you really can. Use best practices where you can't."



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