Online-Handel 06.04.2017, 11:15 Uhr

Damit alles passt: Größen-Tools im E-Commerce

Eine ausgeklügelte Größenberatung soll helfen, die Retourenquote im E-Commerce signifikant zu senken. In Online-Shops werden dafür ganz unterschiedliche Tools eingesetzt.
(Quelle: Shutterstock.com/Anetland)
Rücksendungen gehören zu den größten Renditekillern im Online-Handel. Bei vielen Shops, die Bekleidung anbieten, liegt die Retourenquote bei 40, manchmal sogar bei 50 oder gar 60 Prozent. Der häufigste Rücksendegrund: Die Hose, das Kleid oder die Schuhe passen nicht. Für Händler und Kunde ist das mehr als ärgerlich. Auf Händlerseite führt das zu hohen Kosten. Denn entweder bestellen die Kunden die falsche Größe und schicken die Ware anschließend zurück, oder ein Produkt wird gleich in mehreren Größen geordert. Das passende Kleidungsstück wird behalten, der Rest geht zurück.

Sinkende Retourenraten, zufriedene Kunden

Für den Kunden bedeutet online georderte Bekleidung, die nicht passt, Mehraufwand. Denn diese muss wieder verpackt und zu einem Versanddienstleister ­gebracht werden. Manchmal wird die ­Ware auch gar nicht zurückgeschickt. Der englische Entwickler für Größenberatungstools, Fits Me, hat herausgefunden, dass 20 Prozent der Bestellungen, die nicht passen, nicht zurückgeschickt werden. Nach Ansicht der Londoner führt das zu einer weiteren Frustration bei den Kunden: Jedes Mal, wenn diese in ihrem Kleiderschrank das zu kleine oder zu große Teil entdecken, löse das ein negatives Gefühl gegenüber der ­Marke aus. Das färbt auf die Reputation des Anbieters ab.

Größenberatung personalisieren

Abhilfe kann eine gute Größenberatung schaffen. Viele Online-Händler behelfen sich hierbei mit Größentabellen. Doch diese sind oft verwirrend und liefern nur bedingt Anhaltspunkte für die richtige Größe. Es geht auch anders. Der Sport­artikelhändler Keller Sports beispielsweise setzt bei Sportschuhen auf eine spezielle Größenberatung. Gründer und CEO ­Moritz Keller erklärt: "Nachdem jeder Fuß etwas anders ist und die Schuhe sich unterscheiden, ist gerade in diesem Bereich viel Potenzial, mit einer intuitiven Lösung dem Kunden bei seinem Einkauf zu helfen." Die Lösung, die Keller Sports einsetzt, heißt Fit Analytics. Über den Button "Welche Größe passt mir" kann der ­Kunde die richtige Größe ermitteln lassen. ­Dazu fragt das Tool nach der Marke, der Schuhgröße und dem Schuhmodell, das der Kunde normalerweise trägt. Zur Auswahl stehen mehr als 3.000 Schuhhersteller. ­Anschließend kann der Kunde noch ­Angaben zur Fußform machen. Auf Grundlage dieser Angaben empfiehlt Fit Analytics anschließend ein passendes Laufschuh-Modell.
Bevor das Tool zum Einsatz kam, arbeitete der Münchner Online-Händler mit der Software Shoefitr. Nachdem parallel ­andere Größenberatungstools gegeneinander getestet worden waren, entschied sich Keller Sports für die derzeitige Lösung und ist mit ihr zufrieden. Zum einen ist Keller von der Leistungsfähigkeit der Software überzeugt. Denn der Tool-Anbieter nutzt die Daten, die er durch die Einbindung in viele Shops generiert, um die Lösung und die Größenempfehlungen laufend zu verbessern. Zum anderen konnte Keller Sports die Retourenraten senken. Genaue Zahlen will Keller zwar nicht nennen, doch aus der Sicht eines "guten Geschäftsmanns sollten die Einsparungen natürlich deutlich über den Kosten für das Tool liegen", schmunzelt er. Die Kosten hängen dabei von der ­eigenen Shop-Größe ab. Moritz Keller meint, dass in der Regel transaktions­basiert abgerechnet wird. "Je mehr das Tool messbar hilft, umso mehr zahlt man. Das finde ich fair", so Keller. Auch die Kunden sind laut Keller zufrieden.



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