Online-Weihnachtsgeschäft 2018: Fest mit kleinen Fehlern

Logistik-Engpässe auch bei den Lieferanten

Viel häufiger ist aber Frust zu vernehmen, für den die knappen Zustellressourcen bei steigenden Bestellvolumina sorgten. "Obwohl Fashion-Händler und KEP-Dienstleister aufgerüstet hatten, hat sich die Lieferzeit um mehr als einen Tag verlängert", resümiert Sven Kromer, Managing Director bei der Unternehmensberatung Kurt Salmon. Auch der Weg in die stationären Filialen von Multichannel-Händlern funktionierte nur beschränkt als Hilfsmittel. Wie die Studie des Beratungsunter­nehmens zeigt, verschlechterte sich die Bereitstellungsdauer für Click & Collect-Bestellungen im Weihnachtsgeschäft 2018 sogar noch stärker.
"Die Lieferzeiten haben sich um mehr als einen Tag verlängert": Sven Kromer, Managing Director bei Kurt Salmon.
Quelle: Kurt Salmon
Der Multichannel-Händler Mytoys betrachtet deshalb eine Optimierung der Logistik als wichtigstes Learning aus dem zurückliegenden Weihnachtsgeschäft: "Wir müssen die Veränderungen innerhalb der Logistik, die die Online-Zuwächse mit sich bringen, ernst nehmen und unsere Prozesse stets weiter optimieren, um dem immer größer werdenden Bestellvolumen gerecht zu werden." Mytoys investiere deshalb in den Ausbau der Lagertechnologie und -kapazitäten, so Firmensprecherin Helm.
Wie Notebooksbilliger-COO Schwager erklärt, betreffe das Logistikproblem nicht nur die Endkunden: "Mit jeder unzuverlässig ankommenden oder auch in Richtung Kunde abgehenden Ware wird das Vertrauen des Kunden uns gegenüber als Händler belastet. Denn obwohl uns hier nur geringe bis keine Schuld trifft, müssen wir für den Gesamtprozess einstehen. Auch wenn wir eine enge Beziehung zu unseren Logistikpartnern haben, sehen wir hier von Jahr zu Jahr zunehmende Herausforderungen."

Kein Mittel gegen Amazon?

"Wer sich neben Amazon behaupten will, muss sich spezialisieren": Mytoys-Sprecherin Jenny Helm
Quelle: MyToys
Trotz erneuter Streiks der Gewerkschaft Verdi hatte Amazon offensichtlich kaum Probleme mit Logistikengpässen im Weihnachtsgeschäft. Die Zahl der bis 22. Dezember in Deutschland verschickten Pakete beziffert der Online-Gigant mit zwei Millionen - ein Zuwachs von fast 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieser Wert liegt weit über dem Branchendurchschnitt und legt die Schlussfolgerung nahe, dass Amazon seine Stellung im Weihnachtsgeschäft weiter ausbauen konnte.
Die befragten Händler und Verbände wollen sich zwar dazu nicht äußern, doch gerade im Weihnachtsgeschäft spielte die Frage der Positionierung gegen den E-Commerce-Riesen eine große Rolle. "Wer sich neben Amazon behaupten will, muss sich spezialisieren", erklärt Mytoys-Sprecherin Helm. Als zentraler Erfolgsfaktor im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft habe sich der klare Zielgruppen-Fokus ihres Unternehmens erwiesen.
Laut der Weihnachtsauswertung von Salesforce punkteten zudem Convenience-Aspekte bei den Kunden oft stärker als Rabatte. Dazu zählten der kostenlose, zuverlässige Versand, aber auch attraktive Bezahlmöglichkeiten. Das bestätigt auch Otto-Sprecher Surholt: "Mit unserer Bezahlvariante Rechnungskauf konnten wir gerade im Weihnachtsgeschäft gegen Amazon punkten."
Expo
Alles rund um den Online-Handel gibt es am 12. und März auf der INTERNET WORLD EXPO in München.
Quelle: EXPO



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