Portrait 13.06.2018, 13:46 Uhr

Kartenmacherei.de: Erfolg mit personalisierten Grußkarten

Personalisierte Grußkarten sind das Erfolgsrezept von Kartenmacherei.de. Sowohl beim Marketing als auch der Finanzierung geht das Unternehmen bewusst eigene Wege.
(Quelle: Kartenmacherei.de )
Der Begriff "Hidden Champion" wird bisweilen leichtfertig verwendet, doch für Kartenmacherei.de trifft die Bezeichnung tatsächlich zu: Das 2010 gegründete Unternehmen erzielte 2017 einen Umsatz von 30 Millionen Euro und gehört damit klar zum Mittelfeld des deutschen E-Commerce. Dennoch hält sich der Bekanntheitsgrad der Kartenmacherei in Grenzen - was vielleicht mit dem Geschäftsmodell zusammenhängt: Das Unternehmen produziert personalisierte Grußkarten.
"Bei uns gibt es viele Kunden, die nur einmalig zu uns kommen", berichtet Gründer und Geschäftsführer Christoph Behn. "Die Geburt eines Kindes oder eine Hochzeit sind nun einmal nicht so ein häufiges ­Ereignis." Im vergangenen Jahr verschickte die Kartenmacherei dennoch ganze 15 Millionen Karten und ist damit nach ­eigener Wahrnehmung Marktführer in dem Segment.

Kernwachstum kommt durch Suchmaschinenwerbung

Die Idee zur Gründung von Kartenmacherei.de kam Behn nach der Geburt seines Sohnes. "Meine Frau und ich dachten uns bei dem Angebot an Geburtskarten: Das kann man doch besser machen." Behn war zu dem Zeitpunkt noch Berater, hatte aber schon immer im Hinterkopf, eines Tages selbst ein Unternehmen zu gründen. "Das Geschäftsmodell der Kartenmacherei hat gut gepasst, weil dazu keine große Vorfinanzierung nötig war. Wir benötigen kein großes Working Capital, der größte Posten sind die Marketingausgaben", berichtet der 39-Jährige.
Organisch wachse Kartenmacherei.de durch die verschickten Karten und den damit steigenden Bekanntheitsgrad. "Aber unser Kernwachstum erzielen wir durch Suchmaschinenwerbung. Und das klappt sehr gut - entgegen aller Stimmen, die behaupten, dass es heute kaum noch möglich sei, mit Google profitabel Kunden zu gewinnen." Mit der Zeit sei es der Kartenmacherei gelungen, ein immer besseres Zusammenspiel von Umsatz und Conversion zu erzielen, "und das bei gleichbleibenden Marketingkosten", betont Behn.

Wachstum ganz aus eigener Kraft

Nicht nur beim Marketing geht der Unternehmer eigene Wege. Behn ist auch stolz darauf, das Wachstum der Kartenmacherei ganz ohne Fremdfinanzierung bewältigt zu haben. "Angebote, Investoren an Bord zu nehmen oder auch komplett zu verkaufen, sind über die Jahre immer wieder aufgetaucht. Ich habe das aber von vornherein ausgeschlossen - mir ist Unabhängigkeit extrem wichtig", erklärt Behn. Eher könne er es sich vorstellen, selbst ­einen Wettbewerber im Kartenbereich zu übernehmen, auch wenn es dafür im ­Moment keine konkreten Pläne gebe.
Um Raum für zusätzliches Wachstum zu schaffen, setzt die Kartenmacherei zunehmend auf die Internationalisierung des Geschäfts: "Neben Deutschland sind wir inzwischen in Österreich, Frankreich und der Schweiz auf dem Markt." Schwieriger sei es, das Produktangebot des Unternehmens auszuweiten. "Ich war immer dafür, dass wir uns sehr stark auf das Thema Karten fokussieren", erklärt Behn. Es gebe ­viele Beispiele von Unternehmen, die zu früh den Fokus verloren hätten und daran gescheitert seien.
Kartenmacherei.de ­müsse darauf achten, die Innovationsgeschwindigkeit zu halten und sich so immer weiter von den Wettbewerbern zu entfernen. Dazu beitragen sollen weitere personalisierbare Fotoprodukte wie zum Beispiel Kalender oder eine Bilderbox. Zudem ­bestellten zu Anlässen wie Weihnachten inzwischen auch viele B2B-Kunden Karten bei dem Unternehmen.
Mit der Grußkarte setzt das Digital­unternehmen Kartenmacherei.de paradoxerweise auf ein physisches Produkt - für Firmenchef Behn kein Widerspruch: "Unser Produkt unterliegt nur in geringem Maße der Digitalisierung. Auch in Zukunft führt bei einer Hochzeitseinladung oder einer Geburt kein Weg an einer Printkarte vorbei. Digital Natives sehen das eher noch mehr so, gerade wegen dem Kontrast zum Online-Alltagseinerlei."



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