Recap 25.10.2019, 09:11 Uhr

Das können Händler vom INTERNET WORLD CONGRESS lernen

Im Oktober wurde München erneut zum Mekka der E-Commerce-Strategen: Der INTERNET WORLD CONGRESS bot auch in diesem Jahr mit 60 Referenten, 36 Vorträgen, 2 Masterclasses und der Verleihung des "Young Business Awards" des bevh einen Kongress der Extraklasse.
Susanne Nickel bei ihrer Keynote auf dem INTERNET WORLD CONGRESS zum Thema "Change Management"
(Quelle: Ebner Media Group )
"Nicht lange zaudern, einfach ausprobieren", "ausprobieren, stolpern und weitermachen", "nicht zögern, testen": Diese Aufforderungen zum Ausprobieren tauchten in diesem Jahr in der einen oder anderen Form bei fast bei jedem Referenten - alles ausgemachte Experten in Sache Retail und E-Commerce - des diesjährigen INTERNET WORLD CONGRESSES auf.
Die Aufforderung ließ sich auf fast alle diesjährigen Fokus-Themen übertragen - nämlich Cross-Border-Commerce, Omnichannel & POS Connected, China Commerce, KI im Handel, Dynamic Pricing, Plattform-Strategien, VR/AR im Handel und einem Überblick über betrugsrelevante Bereiche im Handel. Dabei hatten die Veranstalter - so der Tenor bei allen 145 Teilnehmern - erneut genau die Punkte getroffen, mit denen sich der stationäre und Online-Handel derzeit bevorzugt befassen sollte.

Ex-Geheimdienstagent Leo Martin

Der Kongress startete bereits in der Früh spannend, nämlich mit einem Vortrag eines ehemaligen Ex-Geheimdienstagenten und Kriminalisten. Leo Martin sprach darüber, wie sich Kundenvertrauen gewinnen lässt. Martin gelang es binnen weniger Minuten die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen.
Ein wesentlicher Magnet des diesjährigen Kongesses war am ersten Tag unbestritten das Thema Künstliche Intelligenz für den Handel. Hier zeigte sich praxisnah, wie sich KI schon heute im Handel einsetzen lässt - etwa durch eine effektivere Betrachtungsweise bei der Customer Journey, bei der Prognose von Produktvorlieben oder auch den Möglichkeiten der personalisierten Kundenansprache.
Spannend war hier auch ein Aspekt, der auf vielen Konferenzen leider zu wenig berücksichtigt wird, nämlich, wo die Grenzen in der Akzeptanz der Konsumenten liegen und wie Händler diese respektieren können.

Die Verleihung des Young Business Award

Der erste Tag endete mit der Verleihung des Young Business Award des bevh. Dieser Preis würdigt innovative Unternehmen aus dem Interaktiven Handel, die in den ersten acht Jahren nach ihrer Gründung einen mindestens mittleren sechsstelligen und operativ profitablen Umsatz erzielt haben. Der Gewinner 2019: "odernichtoderdoch", ein stylisher Online Shop für Schreibwaren und Kalender.
Das Spannende daran ist, wie das Unternehmen startete. Das erst vor vier Jahren gegründete Start-up hat sich aus einem Blog heraus zu einer der bekanntesten deutschen Social Brands entwickelt und verkauft heute für einen fast zweistelligen Millionenbetrag Kreativprodukte an überwiegend jüngere Kundinnen.
Der Kernmarke odernichtoderdoch folgen auf Instagram fast 400.000 Menschen. Das Unternehmen aus Münster beschäftigt heute rund 50 Mitarbeiter. Co-Gründer Niklas Heinen, noch keine 30 Jahre alt, nahm den Preis in München anlässlich des INTERNET WORLD CONGRESSES von bevh-Präsident Gero Furchheim entgegen.
Im Anschluss wurde im Atrium der IHK Oberbayern gefeiert. Das Fazit der Teilnehmer fiel dabei schon am ersten Tag sehr positiv aus: "Der IWC ist für mich seit vielen Jahren ein Pflichttermin, nirgendwo finde ich besser eine Quintessenz aller wichtigen Trends als an diesen beiden Tagen", sagt Roman Leydolf, ein E-Commerce-Berater, der extra aus Wien angereist war.

Change Management und die Zusammenarbeit mit Influencern

Tag zwei des Kongresses begann ebenfalls mit zwei mitreißenden Keynotes. Die erste behandelte das Thema "Change Management" und wie dieses im Unternehmen gelingen kann. Die zweite thematisierte den Erfahrungsbericht einer Influencerin, die die Eckpunkte einer guten Zusammenarbeit mit dem Handel aufzeigte.
So stellte Susanne Nickel, Rechtsanwältin und seit Jahren mit dem Thema Change vertraut, minutiös heraus, wie die Mitarbeiterpsyche den Wandel in Unternehmen behindern kann und wie sich dem entgegnen lässt. Annette Weber, ehemalige InStyle Chefredakteurin und mit Glam-o-meter eine gestandene Unternehmerin, zeigte auf, welche Punkte auf jeden Fall in einem Vertrag eines Händlers mit einem Influencer stehen sollten.
Für viele Teilnehmer ein echtes Highlight waren auch die drei Diskussionen am zweiten Tag: Zum Thema "Fraud am Black Friday und wie sich Händler schützen können", zu "Shareconomy als Trend gegen Händlerinteressen" und "Fachkräftemangel im Online-Handel".
Last but not least griff die Abschlussrede von Ralf Mager, Chief Digital Officer beim Münchner Traditionsmodehaus Lodenfrey, wieder einzelne Facetten der vorangegangenen Keynotes auf und zeigte, wie aus einem Traditionshaus ein erfolgreiches Multichannel-Unternehmen wurde - dank Vertrauen der Kunden und dem Willen zum Wandel.

Dunja Koelwel
Autor(in) Dunja Koelwel



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