K5 Konferenz 23.06.2017, 11:53 Uhr

Frank Thelen: "Was man im BWL-Studium lernt, ist für die Tonne"

Tech-Investor Frank Thelen sparte auf der "K5" in Berlin nicht mit flotten Sprüchen. Sein Credo: Die Zeiten, in denen man wie Oliver Samwer allein mit Marketing Knowhow Unternehmen groß machen kann, sind vorbei. Die nächste Welle wird von Menschen mit Hardcore-Tech-DNA geritten.
Tech-Investor Frank Thelen
(Quelle: e42)
Dass es dank Amazon Web Services (AWS) und Co Technologie heute quasi zum Nulltarif gibt, verändert für Frank Thelen, Gründer der Risikokapitalfirma e42, nicht weniger als die bestehende Weltordnung. "Früher musste ich die Hälfte meines Kapitals für Hardware und Software-Lizenzen ausgeben. Heute hat jeder von uns das stärkste Toolset in der Hand, das es je gab. Das ist in der Geschichte der Menschheit ein unfassbarer Moment", versuchte er, die Teilnehmer der K5 in Berlin wachzurütteln.

Storage sei inzwischen unbegrenzt verfügbar, der Mobilfunkstandard 5G so schnell, dass man mobil einen Arm steuern könnte, der einen Ball fängt, Quantum Computing steigere die Computer-Power um den Faktor 30 und auch Big Data, AI und Blockchain würden E-Commerce-Anwendungen, wie wir sie kennen, in Zukunft alt aussehen lassen. "Für Menschen, die mit Echo aufwachsen, ist Touch oldschool", macht er seine Visionen konkreter.

Menschen mit Tech-DNA

Thelen ist überzeugt: Das nächste große Ding im Online-Handel wird jemand entwerfen, der seine Intelligenz mit den am Markt verfügbaren Lösungen zusammenbringt. Die Zeit, in denen Firmen wie Rocket Internet mit BWL- und Marketing KnowHow Unternehmen groß ziehen, ist vorbei. "Was man im Marketing-Studium lernt, ist für die Tonne", polemisiert der Tech-Investor. "Was uns in Deutschland fehlt, sind Menschen mit Tech-DNA." Denn die würden hierzulande kaum ausgebildet.

"Wie würde heute jemand einen E-Shop komplett neu aufbauen?", fragte Thelen das K5-Auditorium und gibt sich selbst die Antwort: Ein ideal aufgestellter Innovationstreiber besteht aus seiner Sicht aus einem CTO und einem Kommunikator, der Technologie versteht und erklären kann.
Als Beispiele für die neue Gründergeneration nennt er Typen wie Daniel Wiegand, der mit Lilium Aviation am fliegenden Taxi bastelt, oder Mate Rimac, der im Alter von Mitte 20 von Kroatien aus der gesamten PKW-Branche zeigt, wie man schnelle Elektroautos baut. Man brauche keine Industrie-Veteranen, um etwas Neues zu schaffen, so sein Credo. Besser seien intelligente Menschen ohne Erfahrung, die aber nicht mehr damit leben können, dass Online Shops so sind, wie sie sind, und mit Besessenheit daran arbeiten, das zu verändern.

Dazu allerdings müssten auch die VCs in Deutschland aufhören, Start-ups nach gängigen Metriken wie Customer Aquisition Costs oder Churn Rate zu beurteilen, sondern den Mut haben, an den Wert von Innovation zu glauben. Tesla habe inzwischen BMW an Marktkapitalisierung überholt. "Wenn wir es nicht schaffen, den nächsten Tesla aufzubauen, dann werden wir zum Entwicklungsland", sagt Thelen.

Der Handel der Zukunft, so Thelens Vision, lebe davon, Erlebnisse zu schaffen. Und vor allem Amazon arbeite daran, Innovationen auf den Markt zu bringen. "Wenn dann eine Kamera weiß, was mir passt und der Shop mir in VR die Produkte zeigt, die zu mir passen" - das könnte für Thelen ein Schritt in die Zukunft des digitalen Handels sein.



Das könnte Sie auch interessieren