Annette Weber, Glam-O-Meter 04.09.2019, 10:31 Uhr

"Es ist wichtig, dass der Influencer exakt zum Händler passt"

Wie gelingt eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Influencer und Händler? Welche sind die häufigsten Stolperfallen für Unternehmen bei der Arbeit mit Influencern? Über diese und weitere Fragen haben wir mit der Mode-Influencerin Annette Weber gesprochen.
Annette Weber, Influencerin und Founder von Glam-O-Meter
(Quelle: Glam-O-Meter)
Annette Weber ist Mode-Influencerin, Gründerin des Fashion-Blogs Glam-O-Meter sowie ehemalige Instyle-Chefredakteurin. Wir sprachen mit ihr unter anderem darüber, wie ein Tag im Leben eines Influencers aussieht, wie Händlern eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Influencern gelingen kann und wo die Stolperfallen für Unternehmen liegen?
Vor ein paar Jahren war das Thema Marketing mit Influencern sehr en vogue, jetzt scheint es solider im Tagesgeschäft angekommen zu sein. Sehen Sie das auch so?
Annette Weber: Influencer Marketing hat sich entwickelt und verändert. Wir sind alle noch am Anfang. Viel Lehrgeld wurde schon bezahlt - andererseits gab es schon tolle und sinnvolle Investments. Wie im Print- oder TV-Marketing auch, gibt es die Möglichkeit eine große breite Reichweite anzusprechen oder eine kleine spitze Zielgruppe. Mittlerweile geht es sogar eher wieder Richtung Micro Influencer und "Real People", also Menschen, die eine Karriere außerhalb von Social Media vorweisen können. Im Endeffekt muss es passen. Der Influencer muss zur Marke passen dann stimmt auch das Storytelling.
Was sind Ihrer Erfahrungen nach die häufigsten Stolperfallen für Unternehmen mit Influencern?
Weber: Das größte Problem ist, dass die Entscheider unsicher sind. Sie sind keine Digital Natives. Außerdem ist es wichtig, dass der Influencer exakt zur Marke passt. Eine 18-jährige YouTuberin ist kein gutes Testimonial für Luxuskosmetik, eine 50-jährige Influencerin sieht in Pimkie-Kleidung unglaubwürdig aus
Folgt man Influencern auf Instagram, scheint es, als dass der ganze Tag nur als angenehmen Tätigkeiten und Aufenthalten an schönsten Orten besteht. Wie sieht Ihr Tagesablauf in Wirklichkeit aus?
Weber: Instagram ist das Gegenteil von RTL2, den Reality Soaps, die soziale Randgruppen in problematischen Verhältnissen zeigen. Instagram ist eine schöne Welt. Viele junge Frauen schauen sich das eben gerne an. Natürlich geht das alles an der Lebensrealität vorbei und stürzt gerade junge Frauen oft in persönliche Krisen. Bei der älteren Zielgruppe ist es anders. Die schauen sich diese "Mogelpackungen" nicht gerne an. Da kommen unfreundliche Kommentare. Tatsächlich ist der "Beruf" Influencer mit dem eines Redakteurs zu vergleichen. Nur 24/7 on track!
Wie regeln Sie Umfang und Tätigkeit mit Ihren Auftraggebern?
Weber: Das wird vertraglich alles genau festgelegt.
Produkteinführung, Markenbekanntheit, Produkttests: Was eignet sich Ihrer Erfahrung nach am ehesten bei einer Zusammenarbeit mit Influencern?
Weber: Alle drei genannten Punkte passen zu Social Media. Man muss das Momentum treffen. Gerade für Neueinführungen ist Instagram top. Viele junge Modefirmen haben ihren rasanten Aufstieg Instagram und den richtigen Influencern zu verdanken. Produkttests sind für YouTube toll.
Wie lässt sich die Wirkung messen? Sind Follower ein gutes Kriterium?
Weber: Wie definiert man heute "Erfolg"? Durch Swipe Links kann man exakt feststellen, wie viele User auf die eigene Seite verlinkt wurden. Wieviel verkauft wird. Da hat Social Media die Nase vor Print. In Sachen Image kann man auf klassische Anzeigenwerbung nicht verzichten. Das dauert auf Social Media natürlich immer etwas länger. Follower sind ein wichtiges Auswahl-Kriterium. Es müssen die richtigen sein. Das fragen die Kunden immer mehr ab. Wenn ich ein lokales Produkt in München vermarkten will, hat es ja keinen Sinn, wenn die Follower des Influencers zum Großteil in Südamerika sitzen.
Auf dem diesjährigen Internet World Congress am 23. und 24. Oktober in München wird Annette Weber noch tiefere Insights geben, wie das Zusammenspiel mit Influencern gelingen kann.
Quelle: Ebner Media Group

Dunja Koelwel
Autor(in) Dunja Koelwel



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