Sebastian Dietzmann, Mytheresa 17.08.2017, 11:01 Uhr

"Es geht viel um Emotionen"

Mytheresa.com zählt zu den weltweit führenden Online-Retailern für Luxusmode. Geschäftsführer Sebastian Dietzmann über den hohen Anspruch der Kundinnen, teure Warenkörbe und weitere Wachstumsperspektiven.
Sebastian Dietzmann, Geschäftsführer von Mytheresa.com
(Quelle: Mytheresa.com)
Die Boutique für Luxusmode Theresa wurde 1987 in München eröffnet. Knapp zwanzig Jahre später wurde das Geschäft um den Online-Shop Mytheresa.com ergänzt, der inzwischen weltweit präsent ist. Ein Gespräch mit Sebastian Dietzmann, dem Geschäftsführer von Mytheresa.com. 

Herr Dietzmann, Mytheresa.com ist aus der Münchner Boutique Theresa hervorgegangen. Wie wichtig ist diese Herkunft für Sie?
Sebastian Dietzmann: Der Boutique-Charakter ist für uns sehr wichtig. Wir haben eine sehr spitze, anspruchsvolle Zielgruppe, daraus ergeben sich einige der Besonderheiten, die uns im Wettbewerb einzigartig machen. Wir beschränken uns auf ­eine gewisse Anzahl Designer, die sich am oberen Ende der Luxus- und Prestige-Skala bewegen. Und wir beschränken uns in der Produktauswahl innerhalb der Kollektionen dieser Marken. Das heißt: Wenn Sie ­Mytheresa.com besuchen, werden Sie hoffentlich das Gefühl bekommen, eine Boutique zu betreten, wo jedes einzelne Teil deswegen verkauft wird, weil es uns gefällt. Unsere Historie bedeutet auch, dass wir seit Jahrzehnten sehr enge und vertrauensvolle Beziehungen mit den Marken pflegen, was uns Möglichkeiten eröffnet, die viele unserer Wettbewerber nicht ­haben: beispielsweise gemeinsame Marketingaktivitäten oder der Zugriff auf Kollektionen, die wir manchmal exklusiv vertreiben können. Das ist ein starkes Vehikel in unserer Markenpositionierung.

Ist die Beschränkung Teil Ihrer Strategie?
Dietzmann: Eine Verbreiterung unseres Sortiments wäre natürlich ein probates Mittel, um das Wachstum zu beschleunigen. Aber wir glauben, dass unsere Kundin bei Mytheresa.com einkauft, weil sie weiß, dass jedes Teil von uns für sie vorab ausgewählt wurde und dass dies ein ganz persönlicher Service für sie ist.
Wie können Sie diesen Premiumanspruch operativ erfüllen?
Dietzmann: Unsere Kundin erwartet von uns den perfekten Service. Für uns ist ­jeder Aspekt der Customer Experience, sei es die Logistikkette, sei es die Verpackung, ein relevanter Touchpoint mit der Kundin. Auf der Website beschränken wir uns eher und stellen das Produkt in den Vordergrund. Nach der Auswahl muss dann alles perfekt ablaufen: der Check-out, das Payment, die gesamte Lieferkette. Unsere Kundin ist nichts anderes gewöhnt, deswegen erwartet sie auch nicht weniger.

Eine Kundenberatung via Chatbot wäre bei Ihnen also undenkbar?
Dietzmann: Für echte Beratung absolut undenkbar. Unsere treuesten Kundinnen werden von VIP-Shoppern persönlich  ­betreut. Die steigen schon mal ins Flugzeug und besuchen die Kundin daheim.

Was bedeutet dieser hohe Anspruch für das Shop-Management?

Dietzmann: Wichtig ist zum Beispiel die Lokalisierung. Wir sind heute in sieben Sprachen, in sechs Währungen, in 17 ­unterschiedlichen Webstores vertreten - da haben wir noch viel Potenzial. Wir ­haben in diesem Jahr eine neue Sprache - Koreanisch - gelauncht. Zweites Thema ist die Relevanz. Wir glauben fest an den Ansatz, der Kundin zum richtigen Zeitpunkt das richtige Produkt zu zeigen - nicht nur Onsite, sondern auf allen wichtigen Touchpoints. Wir sind allerdings auch ganz fest der Meinung, dass wir nicht auf Algorithmen angewiesen sein dürfen, wie es bei ­anderen Anbietern der Fall ist. Wir wissen, dass nur wir unsere Kundin wirklich gut verstehen.

Die Online-Käufer sind in der Regel recht ungeduldig. Sind Ihre etwas geduldiger?
Dietzmann: Unsere Kundin ist perfekten Service gewohnt - in allen Belangen ihres Lifestyles. Und das ist auch unser Anspruch, was die Geschwindigkeit betrifft. Wir wollen es nicht darauf ankommen lassen, dass jemand Geduld beweisen müsste. Ich wage zu behaupten, dass wir unser ­Paket in 48 Stunden mit ganz wenigen Ausnahmen überall auf der Welt zustellen.




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