Online Shop für Männer 30.06.2018, 10:50 Uhr

Das Erfolgskonzept von Heldbergs.com

Männer kaufen gezielt und nur das, was sie wirklich brauchen? Der Online Shop
Heldbergs.com beweist, dass diese Annahme nicht stimmt.
Heldbergs-Gründer Volker Habermaaß ließ sich in Japan von der Heritage-Idee begeistern.
(Quelle: Heldbergs )
"Richtig gutes Zeug" zu verkaufen, hat in der Unternehmensgruppe Haba im oberfränkischen Bad Rodach eine lange Tradition. Neben der gleichnamigen Marke für Holzspielwaren zählt auch der Kinderausstatter Jako-O ("Best for kids"), die Teenager-Marke FIT-Z ("Best for Teens") und die Frauenmarke Qiéro zum 1938 ­gegründeten Konzern. Was im Markenportfolio noch fehlte, war ein Online Shop für Männer. Und diese Nische wurde 2015 endlich geschlossen.
Im Online Shop Heldbergs.com finden Männer unter Rubriken wie "Das Kind im Manne", "Kitchen Warriors" oder "Vaterfreuden" Gadgets wie die knapp 50 Euro teure Salami-Guillotine oder Holzschleudern zum Schnäppchenpreis von 98 Euro, bei denen jede Frau nur verständnislos mit dem Kopf schütteln würde.
Bemerkenswert daran ist, dass Heldbergs mit Verkaufstricks arbeitet, für die sonst eher Frauen zugänglich sind. Emotionale Produktinszenierungen und tolle Produkttexte wecken offenbar auch im Mann einen unwiderstehlichen "Will haben"-Kaufimpuls. So wurde die Schleuder beispielsweise laut Produkttext von Heldbergs-Chef und Haba-Gesellschafter Volker Habermaaß und Designer Matthias Böck aus eigenhändig gesammeltem Holz aus den Wäldern rund um Bad ­Rodach selbst gesägt. Und ein manueller Kaffeezubereiter wird zur ­"Aromamaschine, die dich mehr aufpäppelt als das jede Injektion könnte". Das bestverkaufte Produkt im ­Online Shop ist allerdings der 369 Euro teure Heldbergs-Rucksack, an dessen Entwicklung das Unternehmen viele Monate lang tüftelte - und der seinen Besitzer ein Leben lang begleiten soll.

Aus Japan nach Bad Rodach

Die Idee zu diesem Online-Abenteuer kam Habermaaß während eines langjährigen ­Japan-Aufenthalts. Dort gibt es eine ausgeprägte Heritage-Szene mit Kunden, die viel Wert auf Produkte legen, die eine ­Geschichte erzählen und so hochwertig produziert sind, dass man die Produkte an seine Nachkommen vererben kann. Nach seiner Rückkehr nach Bad Rodach begann er mit einem Team von anfangs zwei, heute fünf Leuten, diese Idee in die Tat umzusetzen.
Bei Heldbergs wird eine Wurstschneidemaschine zur Salami-Guillotine
Quelle: Heldbergs
Außer dem Fulfillment stemmt das Team alles selbst: von der Produktentwicklung bis zur Produktinszenierung und dem Marketing. Dabei profitiert das Start-up allerdings von den langjährigen Erfahrungen der Unternehmensschwestern - und darf auch Ressourcen wie deren Fotostudios nutzen.
Die Kunden goutieren die Mühe, die sich das Heldbergs-Team mit seinem Online Shop gibt: "Wir haben unglaublich lange Sitzungsdauern und bei den Newslettern irre große Öffnungs- und Klickraten", ­erzählt Marketing-Leiterin Maria Beez. Die seien häufig doppelt so hoch wie bei der Unternehmensschwester Jako-O. Und auch an Gewinnspielen würden Männer begeistert teilnehmen. Nur bei der Bestellung greifen sie überraschend oft zum Telefon, statt im Webshop auf den "Kaufen"-Button zu klicken. Beez erklärt sich das Phänomen damit, dass viele Kunden über Print-Kampagnen in einschlägigen Business-Magazinen oder Paketbeilagen auf die Heldbergs-Produkte aufmerksam würden und sich dann die Mühe sparen, diese erst aufwendig im Webshop suchen zu müssen.
Auch wenn die Umsatzziele in diesem Jahr erfüllt werden, würde Heldbergs gerne mehr Einmalkäufer zu Bestandskunden machen. Dafür allerdings müsste der Shop mehr Produkte im Preissegment von 30 bis 50 Euro anbieten. Doch die knappen Ressourcen investiert das Team lieber in die Entwicklung eigener Heldbergs-Produkte. Denn nach denen, so zeigen Auswertungen im Shop, wird von den Kunden gezielt ­gesucht. Qualität setzt sich eben durch.



Das könnte Sie auch interessieren