Quartalszahlen 10.05.2019, 09:45 Uhr

Deutsche Post profitiert vor Portoerhöhung von Sondergewinn

Nach dem Gewinneinbruch von 2018 peilt die Post-Führung für das laufende Jahr wieder einen deutlichen Sprung nach oben an. Spannend ist jetzt die Frage, wie stark der Konzern das Briefporto in dem regulierten Geschäft auf dem Heimatmarkt anheben darf.
(Quelle: Deutsche Post )
Der Boom im Paket- und Expressgeschäft treibt die Deutsche Post seit Jahren an. Der wachsende Online-Versandhandel und die bei Firmenkunden gefragten zeitkritischen internationalen Sendungen von DHL Express erwiesen sich als verlässliche Wachstumstreiber. Auch im Fracht- und Speditionsgeschäft und der Lieferkettenlogistik unter der Marke DHL, konnte der Konzern nach teils teuren Sanierungsschritten wieder punkten.

Im deutschen Kerngeschäft mit Briefen und Paketen liefen der Post jedoch zwischenzeitlich die Kosten aus dem Ruder. Die Folge war 2018 eine herbe Gewinnwarnung. Der langjährige Spartenchef Jürgen Gerdes musste seinen Hut nehmen. Vorstandschef Frank Appel versucht jetzt, den Bereich mit einem Spar- und Investitionsprogramm wieder auf Kurs zu bringen und auch sein ehrgeiziges Gewinnziel für 2020 zu erreichen, das er schon seit Jahren gegen Zweifler verteidigen muss.

Porto für Standardbrief könnte noch stärker steigen

Rückenwind erwartet die Post von der Bundesnetzagentur. Die Aufsichtsbehörde will noch im Mai entscheiden, wie stark der Konzern das Briefporto in dem regulierten Geschäft auf dem Heimatmarkt anheben darf. Mitte April schlug die Behörde vor, dass der Spielraum für Preiserhöhungen 10,6 Prozent betragen soll. So stark könnte sich die Gesamtmenge aller Einzelsendungen der verschiedenen Briefarten verteuern.

Das Porto für einen Standardbrief könnte aber noch stärker steigen - Branchenkreisen zufolge ist eine Anhebung von aktuell 70 Cent auf bis zu 90 Cent möglich. Dann würde sich das Porto für andere Arten - ob Maxi-Brief, Kompaktbrief oder Postkarte - gar nicht oder kaum verteuern. Sobald die Behörde endgültig über den Erhöhungsrahmen entschieden hat, legt die Post die Preise fest. Diese sollen dann ab dem 1. Juli gelten und würden die Einnahmen des Konzerns schlagartig erhöhen. Das letzte Mal war das Briefporto Anfang 2016 gestiegen.

Auch im Paketgeschäft dreht die Post an der Preisschraube. "Generell müssen sich die Kunden auf steigende Paketpreise einstellen", sagte Appel Ende April der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Schon 2018 habe das Unternehmen angefangen, die Preise für Pakete bei Geschäftskunden und Anfang des Jahres auch bei einem Filialpaket anzuheben.

Damit rechnet das Unternehmen

Nach dem Gewinneinbruch von 2018 peilt die Post-Führung für das laufende Jahr wieder einen deutlichen Sprung nach oben an. So soll operative Gewinn (Ebit) auf 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro steigen, nachdem er im Vorjahr auf 3,2 Milliarden gesunken war. Die vergleichsweise große Prognosespanne liegt auch daran, dass die Post bis vor Kurzem nicht absehen konnte, zu welchem Datum und wie stark sie das Briefporto erhöhen darf.

Für das Jahr 2020 hält Appel seit Langem an seinem Plan fest, das Ebit auf mehr als fünf Milliarden Euro nach oben zu treiben. Dafür wäre allerdings ein besonders großer Sprung nötig.

Das erwarten die Analysten

Branchenexperten haben an diesem Mittelfristziel nicht erst seit Kurzem große Zweifel. Von der Post selbst befragte Analysten rechnen für 2020 im Schnitt nur mit einem operativen Gewinn von 4,75 Milliarden Euro. Schon in den vergangenen Jahren waren sie den Plänen des Vorstands in diesem Punkt nicht gefolgt. Für das laufende Jahr gehen sie von 4,1 Milliarden Euro aus und liegen damit etwa in der Mitte der vom Vorstand ausgegebenen Zielspanne.

Im ersten Quartal dürfte der operative Gewinn den Experten zufolge dank eines Sonderertrags mit 1,16 Milliarden Euro rund 29 Prozent höher ausgefallen sein als ein Jahr zuvor. Der Nettogewinn dürfte um ein Drittel auf 802 Millionen Euro gestiegen sein. Grund dafür dürfte der Verkauf der Lieferketten-Logistik in China sein. Ohne alle Sondereffekte wäre der operative Gewinn voraussichtlich leicht gesunken, schätzt Analyst Joel Spungin von der Privatbank Berenberg. Beim Umsatz erwarten die Experten lediglich einen Anstieg um knapp 4 Prozent auf 15,3 Milliarden Euro.

Von den 20 im dpa-AFX Analyser erfassten Analysten raten 14 zum Kauf der Post-Aktie. Nur 2 Experten empfehlen, die Papiere abzustoßen, 4 tendieren zum Halten. Im Schnitt trauen sie dem Papier einen Kursanstieg auf rund 36 Euro zu. Das entspricht einem Aufschlag von fast einem Viertel auf den derzeitigen Kurs.

So lief die Aktie zuletzt

Die Aktionäre der Deutschen Post hatten 2018 wenig Grund zum Jubel. So ist die Aktie des Dax-Konzerns mit zuletzt etwa 29 Euro immer noch mehr als 20 Prozent weniger wert als vor gut einem Jahr. Zwischenzeitlich hatte es noch übler ausgesehen - denn seit dem Jahreswechsel hat das Papier bereits wieder um 22 Prozent zugelegt. Wer schon vor drei Jahren bei der Post eingestiegen war, kann sich immer noch über einen Kursgewinn vor rund 15 Prozent freuen.
Event-Banner eLogistics
Mehr zum Thema Logistik gibt es auf der eLogistics World Conference im Juli in München!
(Quelle: eLogistics World Conference)



Das könnte Sie auch interessieren