Blick ins Ausland 02.12.2015, 07:30 Uhr

Chancen für Online-Händler in China

Chinesische Verbraucher bestellen gern online und sie verlassen sich dabei auf Marken aus dem Ausland: Daraus erwachsen große Chancen für hiesige Online-Händler.
Yuan liegen bei Maus und Tastatur
(Quelle: shutterstock.com/anaken2012 )
Geschätzt zwei Milliarden Euro Umsatz im internationalen E-Commerce und davon sollen rund 200 Millionen private Bestellungen sein: Diese Marktzahlen aus China für das Jahr 2015 sind ein gutes Vorzeichen für Online-Händler in Europa. Denn chinesische Käufer bestellen im Internet gern im Ausland, da internationale Marken bei ­ihnen einen guten Ruf haben. "Chinesen haben kein Vertrauen in heimische Produkte und müssen befürchten, Produktfälschungen zu kaufen", nennt Konstantin Urban, Vorstand von Windeln.de, als Grund für das Bestellverhalten.

Chinas Provinzen bringen viel Wachstum

Das Münchner Start-up bemerkte die Nachfrage aus China erstmals 2010/2011. Heute erwirtschaftet es mehr als 50 Prozent seiner Erlöse in China: Im ersten Halbjahr 2015 entfielen von 75 Millionen Euro Umsatz rund 41 Millionen auf den Auslandsmarkt (s. Interview Seite 2). Windeln.de ist kein Einzelfall - bei der Pforzheimer Bodyguard-Apotheke etwa gehen zurzeit rund 400 Bestellungen pro Tag aus China ein, im Schnitt werden Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel im Wert von 150 Euro geordert.
Trotz der negativen Schlagzeilen, die das Land derzeit aufgrund des verlangsamten Wachstums produziert, entwickelt sich China zum Eldorado für Online-Händler und Marken: "Im dritten Quartal 2015 legte die Wirtschaft von China um knapp sieben Prozent und allein der Einzelhandel um mehr als zehn Prozent zu", berichtet Bernhard Schaaf, Deputy Director Asien bei Germany Trade and Invest, einer Gesellschaft des Bundeswirtschaftsministeriums zur Förderung der Außenwirtschaft. "Das Bruttoinlandsprodukt Chinas ist zwar in den letzten Jahren schneller gewachsen, aber im internationalen Vergleich sind das ­immer noch absolute Spitzenwerte."
Nach den Millionenstädten Peking, Shanghai oder Chongqing wird jetzt ­Chinas Hinterland erschlossen. Dort sind Ladengeschäfte selten - noch ein Grund, warum bevorzugt online und mobil bestellt wird. "Funktionierende E-Commerce-Plattformen sind ein Muss für das China-Geschäft", sagt Jost Wübbeke, Analyst beim Mercator Institute for China Studies. "Angebote sollten am besten in den Online-Kaufhäusern Tmall, Jingdong oder beim Chat-Dienst Wechat platziert werden."

Deutsche Unternehmen in China

Windeln.de ließ früh sein Angebot übersetzen und hat zwischenzeitlich ein Team aus Native Speakern aufgebaut. Bodyguard nutzt neben seiner chinesischen Site den Dienstleister Azoya aus Hongkong und hat auf dessen Marktplatz Haituncun einen Shop eröffnet. Otto kooperiert mit JD.com, Metro mit Alibaba und Tmall und verkauft dort Produkte aus deutschen Landen.
BMW wiederum vertreibt seit April 2015 über Tmall Zubehör, Schmierstoffe und ­sogar Autos: "Der Shop auf Tmall ist ein Online-zu-Offline-Modell und führt Kunden zu autorisierten BMW-Händlern in China", lässt der Autohersteller wissen.
Der Vorteil von Marktplätzen wie Tmall, Haituncun oder Jongding (JD): Ihre Betreiber bieten zu den Shops noch Lager- und Logistikservices. "Marken benötigen keine eigene Lizenz für den E-Commerce", erklärt Toni Qiu, Geschäftsführer von JD Worldwide. "Wir helfen ihnen bei Lagerhaltung, Kundenberatung sowie mit Lieferdiensten." Nur mithilfe von Kurierdiensten per Flug, Rad und Auto ist die schlechte Infrastruktur in der Provinz oder auch in Metropolen zu überwinden.

Märkte und Internet sind stark reguliert

Nachteil der Marktplätze: Es gibt viele Konkurrenten - und oft genug Fälscher, vor denen sich die Chinesen mit einer Order im Ausland schützen wollen. Versender wie DHL und Fedex setzen ebenfalls auf die Chancen, die China bietet, und liefern in das Reich der Mitte.
Doch Vorsicht: Das Land reguliert die Märkte und das Internet und die Chinesen stellen hohe Ansprüche an Webservices. "Nicht überstürzt in den Markt eintreten", empfiehlt Wübbeke ­daher. "Eine gründliche Recherche zur Regulierung ist unabdingbar, überall ­können Fallen auftauchen, die das China-Geschäft kaputtmachen können."
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