Grenzüberschreitender Handel 16.08.2019, 08:15 Uhr

Chancen und Herausforderungen beim Cross Border Commerce

Wie essentiell ist es für Online-Händler grenzüberschreitenden E-Commerce zu betreiben? Mit welchen Herausforderungen und Kosten müssen Verkäufer rechnen? Über diese und weitere Fragen haben wir mit Jörg Burkhardt, Director Retail & E-Commerce von der GfK, gesprochen.
Jörg Burkhardt, Director Retail & E-Commerce von der GfK
(Quelle: GfK )
900 Milliarden US-Dollar Bruttowarenwert. Diesen Rekordwert soll der grenzüberschreitende E-Commerce laut einer Studie von DHL Express im Jahr 2020 erreichen. Dabei überzeugt er mit einer jährlichen Wachstumsrate von stolzen 25 Prozent. Wie essentiell ist es also für Online-Händler in den Cross Border Commerce einzusteigen? Mit welchen Herausforderungen und Kosten müssen Verkäufer rechnen? Über diese und weitere Fragen haben wir mit Jörg Burkhardt, Director Retail & E-Commerce von der GfK, gesprochen.
Ist es für deutsche Händler essentiell für den langfristigen Erfolg Cross Border Commerce zu betreiben?
Jörg Burkhardt: Nach meinem Dafürhalten ist es schwierig, diese Aussage pauschal mit ja oder nein zu beantworten, da eine Cross-Border-Ausrichtung sehr stark von den Zielen des jeweiligen Händlers sowie den strukturellen Gegebenheiten abhängig ist. Insgesamt lässt sich aber auch in Deutschland ein deutlich steigender Trend an Cross-Border-Käufen bzw. -Verkäufen erkennen, was eine klare Implikation für die Wichtigkeit dieses Kanals ist.
Was sind für Online-Händler dabei die größten Herausforderungen?
Burkhardt: Ich denke es gibt eine ganze Reihe an verschiedenen Herausforderungen, wobei ich vier Punkte als die Größten aus dem zentralen Bereich Logistik sehen würde, die unabhängig von der immer zu berücksichtigenden Situation beim jeweiligen Hersteller - gültig sind:
  • Zuverlässigkeit der Logistik-Partner (Lieferzeit, Tracking in Landessprache, etc.)
  • Länderindividuelle Erwartungen (z.B. Tracking per SMS oder Mail, Nachbarschaftszustellung, etc.)
  • Kosten bei Einzel- / Individuallieferungen
  • Retourenmanagement (Zeit, Kosten, Abwicklung)
Selbstverständlich gibt es aber die Möglichkeit, diese Hürden zum Beispiel durch die Nutzung eines international tätigen Carriers zu umgehen. Die Nutzung eines solchen Carriers ist aber natürlich ebenfalls mit Kosten verbunden und gleichermaßen eine weitreichende strategische Entscheidung, die nicht immer einfach zu treffen ist. 
 
Wie viel Manpower wird dafür benötigt und mit welchen Kosten müssen Händler rechnen, wenn Sie in den grenzüberschreitenden E-Commerce einsteigen?
Burkhardt: Diese Frage ist natürlich essenziell, allerdings stark von den vorliegenden Strukturen - sowohl aus Sicht der bestehenden personellen Ressourcen als auch der technischen Voraussetzungen - abhängig. Klar ist aber: Für die Umsetzung von Cross Border Commerce sind in den allermeisten Fällen zusätzliche personelle Ressourcen erforderlich, die sich beispielsweise um die zuvor erwähnten Herausforderungen kümmern, was dann auch ein zusätzlich erforderliches Investment mit sich bringt.  
Welche Chancen bieten sich für Webshop-Betreiber durch den Cross Border Commerce?
Burkhardt: Die Chancen liegen denke ich auf der Hand: Durch ein grenzüberschreitendes Warenangebot erreicht ein Händler potenzielle Käufer, die er bei einer ausschließlichen Fokussierung auf ein Zielland schlichtweg nicht erreichen kann. Neben den reinen Abverkäufen, die natürlich einen sehr hohen Stellenwert einnehmen, spielt für Unternehmen, die wie Amazon nicht ohnehin in den allermeisten Ländern bekannt sind, aber auch die Sichtbarkeit eine wichtige Rolle.

Wie wird sich Ihrer Ansicht nach der grenzüberschreitende Online-Handel in den kommenden Jahren entwickeln?
Burkhardt: Wenn man dem Trend folgt ist die Entwicklung verhältnismäßig leicht zu prognostizieren: Cross Border Commerce wird unter den gegebenen Umständen mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit zunehmen. Ich persönlich denke aber, dass, neben technologischen und personellen Herausforderungen, etwaige in der Zukunft wirksam werdende (steuer-)rechtliche Einschränkungen zumindest die Einstiegshürde in den grenzüberschreitenden Handel zusätzlich erschweren könnten.
Jörg Burkhardt wird zum Thema "Cross Border Commerce: Status-quo und die größten Chancen und Hürden für 2020" auf dem INTERNTE WORLD CONGRESS, der am 23. und 24. Oktober in München stattfindet, sprechen.
Quelle: Ebner Media Group




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