Handel, Verkehr, Logistik 20.12.2019, 09:45 Uhr

Diese Branchen profitieren am stärksten von Weihnachten

Stromversorger sprechen von der "Gänsebratenspitze", Fernbusanbieter verzeichnen mehr Fahrgäste in eine ganz bestimmte Richtung und Paketdienste stellen vor Weihnachten Tausende Zusteller ein - Weihnachten ist für einige Branchen ein lukratives Geschäft.
(Quelle: shutterstock.com/Wetzkaz Graphics)
Besinnung, Ruhe und entspannte Feiertage? Pustekuchen! Für viele Beschäftigte bedeutet die Weihnachtszeit vor allem Stress, denn ihre Dienste oder Produkte werden stark nachgefragt. Ein Überblick über Branchen, in denen es vor und über Weihnachten brummt.

Einzelhandel

Durchschnittlich 281 Euro will jeder Verbraucher in Deutschland für Weihnachtsgeschenke ausgeben, fand die Beratungsgesellschaft EY heraus. Das trägt dazu bei, dass der stationäre Handel fast ein Fünftel seines Jahresumsatzes im Weihnachtsgeschäft, also im November und Dezember, macht. Beim Online-Handel ist es nach Angaben des Handelsverbandes Deutschland (HDE) sogar mehr als ein Viertel.
Beim Umsatzanteil des Weihnachtsgeschäfts am Gesamtjahr liegt die Spielwarenbranche nach HDE-Berechnungen mit 25 Prozent vorn. Zudem verkaufen sich vor allem Bücher, Uhren und Schmuck sowie Unterhaltungselektronik in den beiden letzten Monaten des Jahres gut.

Logistik

Rund 25.000 zusätzliche Zusteller werden für die Weihnachtszeit bei den Unternehmen der Kurier-, Express- und Paketbranche eingesetzt, schreibt der Branchenverband BIEK. Denn im Weihnachtsgeschäft steigt das Sendungsvolumen von Unternehmen zu Kunden um 18 Prozent, das entspricht 55 Millionen zusätzlichen Sendungen. In der gesamten Branche geht der Bundesverband Paket und Expresslogistik von 12 Prozent mehr Sendungen aus - das sind zusätzlich 75 Millionen.
Im November und Dezember werden pro Tag im Schnitt bis zu 14 Millionen Pakete transportiert, in Spitzenzeiten seien es gar 19 Millionen. Der Verband rechnet mit Zuwächsen von 7 bis 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Konzerte

Tickets zu Konzerten oder für die Oper werden gerne geschenkt. Dementsprechend brummt etwa beim Ticketverkäufer Eventim im Logistikzentrum der Betrieb. "Die Kollegen arbeiten rund um die Uhr", sagt ein Sprecher. Der Weihnachtsverkauf beginne Ende Oktober und dauere bis zwei, drei Tage vor Weihnachten.
Punktuell verstärke der Konzern die Abläufe auch mit Zeitarbeitern oder temporären Servicekräften.
Genaue Zahlen will Eventim nicht nennen, allerdings verkaufte die Firma 2018 gut 20 Millionen Tickets im vierten Quartal - bei rund 54 Millionen verkauften Einheiten im gesamten Jahr.
Dafür ist dem Sprecher zufolge das Weihnachtsgeschäft mitverantwortlich. Jedoch würden die Zahlen verzerrt unter anderem von punktuellen Verkaufsstarts beliebter Künstler. So begann der Ticketverkauf für die nahezu sofort ausverkaufte Rammstein-Tour 2019 im vierten Quartal.

Stromverbrauch

"Gänsebratenspitze" nennen die Stromverbraucher den hoch schießenden Verbrauch in Privathaushalten am ersten Weihnachtsfeiertag. Der private Stromverbrauch steigt mit Festtagsbeleuchtung und opulenten Familienessen um bis zu zehn Prozent, heißt es beim Stromversorger Eon. Im Allgemeinen sind die meisten Menschen über die Feiertage zu Hause und brauchen schon allein deshalb mehr Strom.
Doch auch wenn der Stromverbrauch in Privathaushalten steigt - in Summe ist der Bedarf an elektrischer Energie geringer, weil Betriebe und Industrie oft still stehen. "Der Dezember ist wegen den Feiertagen der schwächste Monat im Winter", sagte eine Sprecherin des Bundesverbands der Energie und Wasserwirtschaft.

Öffentlicher Fernverkehr

"Alles was rollen kann, wird rollen", heißt es von der Deutschen Bahn. Das Unternehmen will über die Festtage 45 zusätzliche Verstärkerzüge einsetzen. Im Fernverkehr und an den Bahnhöfen sollen extra Mitarbeiter den Betrieb am Laufen halten. Den stärksten Reisetag erwartet der Konzern am 20. Dezember, dem Freitag vor Weihnachten. Der Rückreiseverkehr verteile sich bis zum 6. Januar gleichmäßig.
Flixbus rechnet um die Weihnachtstage mit einem Anstieg der Nachfrage von rund 30 Prozent im Vergleich zu Standardzeiten. Beim Bahnkonkurrenten Flixtrain fahren demnach 50 Prozent mehr Fahrgäste. Besonders hoch sei die Nachfrage zwischen dem 20. und 23. Dezember. "Beliebt sind insbesondere Verbindungen aus Großstädten wie Berlin, Hamburg oder München in ländlichere Regionen", schreibt Flixbus auf Anfrage. Punktuell werde das Busnetz auch verstärkt.



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