Neocom 2016 14.10.2016, 08:30 Uhr

"Amazon ist die Infrastruktur des deutschen E-Commerce"

Bittere Erkenntnis: Es gab kaum einen Vortrag auf der Neocom 2016, der sich nicht mit Amazon beschäftigte. Daneben zeigte der Branchentreff aber auch auf, wie man es als Online-Händler schafft, am Markt bestehen zu können.
(Quelle: Neocom)
Zum 20. Mal öffnete die Neocom in diesem Jahr ihre Pforten. Im Areal Böhler in Düsseldorf stand das diesjährige Branchentreffen des digitalen Handels unter dem Motto "Connecting Commerce". Soll heißen: Der Online- und Offline-Handel nähern sich immer mehr an. Das Buzzword an dieser Stelle ist "Cross-Channel".
Eigentlich sollte man glauben, dass dieses Thema bereits ein alter Hut ist - doch weit gefehlt. Zwar ist Cross-Channel in einigen Bereichen bereits alltäglich, in anderen gibt es allerdings noch eine Menge Nachholbedarf. Gerade macht sich zum Beispiel der Möbel- und Lebensmittelhandel daran, hier seine Hausaufgaben nachzuholen. Fest steht: Online- und Offline werden sich in den kommenden Jahren enger verzahnen.
Dass der Umbruch gerade in vollem Gange ist, zeigt sich auch daran, dass der E-Commerce-Riese Amazon offenbar plant in Deutschland stationäre Läden für Lebensmittel zu eröffnen. Aber auch Mode-Händler wie About You oder Edited von Collins setzen bereits seit einiger Zeit nicht nur auf den Online-Handel, sondern ebenfalls auf stationäre Laden im Einzelhandel.

Ralf Kleber und Thomas Tuma beim Schlagabtausch

Apropos Amazon: Ralf Kleber, Deutschland-Chef von Amazon, lieferte sich im Interview mit Thomas Tuma, Chefredaktion Handelsblatt, auf der Neocom einen spannenden Schlagabtausch. Tuma gab sich mit kurzen und direkten Fragen größte Mühe, von Kleber konkrete Antworten zu erhalten. Diese durchaus ambitionierte Aufgabe gelang ihm allerdings nur teilweise. Auf die Frage, wie Amazon zum Echo-Konkurrenten Google Home stehe, entgegnete Kleber nur: "Wir schauen nicht auf Mitbewerber, sondern der Kunde steht bei uns im Fokus. Wir arbeiten immer vom Kunden aus rückwärts. Er ist unser Ausgangspunkt."
Welche Pläne Amazon in Sachen Mode verfolgt, konnte Tuma dem Amazon-Deutschland-Chef auch nicht entlocken. Die Frage war allerdings durchaus angebracht. Schließlich hat Amazon erst kürzlich eine umfassende Mode-Kampagne für Amazon Fashion in Deutschland an den Start gebracht und die Planung für eine eigene Modemarke ist ebenfalls immer noch in vollem Gange. Die Antwort von Kleber war kurz und trocken: "Amazon verkauft bereits seit über zehn Jahren Mode, das ist nichts Neues für uns."

Amazon war überall

Grundsätzlich war das Thema Amazon omnipräsent. Kaum ein Vortrag thematisierte den E-Commerce-Riesen und seine enorme Relevanz für die Branche nicht. Kai Hudetz vom IFH Köln ging im Streitgespräch mit Alexander Graf von Kassenzone sogar so weit zu sagen, dass Amazon nicht zu schlagen sei und 90 Prozent der Online-Pure-Player nicht überleben werde. Daher sollten Händler vor allem aus diesem Grund eine Cross-Channel-Strategie verfolgen. "Der Kuchen des Handels wird nicht größer, er verteilt sich nur auf mehrere Kanäle. Händler müssen in allen Feldern aktiv sein, um überall ein bisschen vom Kuchen abzubekommen," sagte Hudetz. Graf teilte diese Ansicht aber nicht. Seiner Meinung nach sei Amazon online durchaus zu schlagen und Cross-Channel der unsicherste, komplexeste und teuerste Weg von allen.
In einem Punkt waren sich aber so gut wie alle einig: Für Händler und auch für Hersteller ist es essentiell auf Amazon präsent zu sein. Ein eigener Online Shop wird langfristig im Online-Handel nicht den gewünschten Erfolg bringen. "Amazon ist die Infrastruktur des deutschen E-Commerce und man muss es als Händler nutzen", so brachte es zum Schluss Adrian Hotz, Speaker, Berater und Autor, auf den Punkt.



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