Regionale Marktplätze 26.03.2015, 09:10 Uhr

Local Commerce: Internet-Schaufenster für Händler

Local-Commerce-Anbieter wollen mit ihren regionalen Marktplätzen Städte und ihre stationären Händler ins Internet führen. Drei Ansätze für Online-Schaufenster im Vergleich.
Menschenmenge
(Quelle: Shutterstock.com/Christian Müller )
"Wir digitalisieren die Innenstädte und sorgen dafür, dass der stationäre Handel auch in Zukunft überleben kann“ - so könnte man das Ziel von lokalen Marktplatzbetreibern zusammenfassen.
Das Konzept ähnelt dem der Werbegemeinschaften: Ladenbesitzer eines Viertels oder einer Stadt schließen sich zusammen, um gemeinsam für ihre Geschäfte zu werben. Sei es über Anzeigen in der Lokalpresse oder mit Aktionen wie Straßenfesten. Ziel dabei war und ist, die Kundenfrequenz in den einzelnen Läden zu erhöhen und natürlich die Umsätze anzukurbeln.
Die traditionellen Werbegemeinschaften wurden allerdings in der analogen Welt gegründet, und die meisten Händler tun sich schwer, dieses Konzept in die digitale Zeit zu übertragen.
Dabei wächst der Druck der Online-Konkurrenz: Laut einer Umfrage des HDE im vergangenen Herbst erklärten 31,1 Prozent der stationären Händler, die Kundenfrequenz in ihren Läden sei stark zurück­gegangen.
Handelsverbände warnen seit Jahren, ihre Mitglieder stünden mit dem Rücken zur Wand, und fordern unter anderem von der Politik bessere Rahmenbedingungen für Ladenbesitzer - dazu gehören auch Fördermittel, um den Handel bei der Digitalisierung zu unterstützen.
Parallel dazu gibt es die bereits erwähnten Local-Commerce-Anbieter, die versuchen, den stationären Handel mit Online-Schaufenstern auch im Web sichtbar zu machen.

Local ist nicht gleich lokal

Dabei sind die Ansätze der einzelnen Unternehmen, meist sind das junge Start-ups, sehr unterschiedlich: Manche konzentrieren sich auf bestimmte Branchen, wie zum Beispiel Buchhandel.de, und agieren bundesweit.
Andere arbeiten branchenübergreifend und bilden die Portale für einzelne Städte ab. Drei dieser Portale und Konzepte wurden nun miteinander verglichen; Kriterium für die Auswahl war in erster Linie ein bunt gemischtes Sortiment.
Dabei zeigt sich, dass Atalanda das Prinzip der Werbegemeinschaften am konsequentesten verfolgt. Das Portal ist in Hamburg, Salzburg und seit kurzem auch in Wuppertal aktiv. In der Stadt der Schwebebahnen hat Atalanda zudem ein neues Vertriebskonzept getestet, das künftig bei allen neuen Marktplätzen umgesetzt werden soll.
Romand Heimbold; Geschäftsführer Atalanda
"Wir haben erstmals direkt mit der Stadt über den Marktplatz verhandelt und vereinbart, dass mindestens zwei Jahre lang ein Projektmanager für das digitale Schaufenster von der Stadt zur Verfügung gestellt wird", berichtet Geschäftsführer Roman Heimbold.
Damit sei sichergestellt, dass der Marktplatz auch vorangetrieben werde und eine kritische Anzahl an Händlern und auch Produkten umfasse. Nur wenige Monate nach der Gründung sind auf OnlineCity Wuppertal 43 Händler und knapp 5.800 Produkte gelistet, "und es werden täglich mehr", berichtet Heimbold.
Der Atalanda-Geschäftsführer versucht darüber hinaus, den Gemeinschaftsgedanken unter den Händlern zu fördern, beispielsweise indem er Coachings in den einzelnen Städten anbietet und die Beteiligten dazu auffordert, Themenwelten zu entwickeln - beispielsweise die 100 schönsten Ostergeschenke.
Um den Händlern den Einstieg in das Online-Business zu erleichtern, bietet Atalanda zudem einen Kurierservice an: Der Händler steckt das bestellte Produkt in eine Tasche und heftet den Lieferschein daran, ein von Atalanda organisierter Bote holt das Päckchen ab und bringt es zum Kunden.
Der Marktplatzbetreiber kooperiert hierfür mit lokalen Kurieren sowie der DHL. Selbstverständlich ist auch Click & Collect möglich, die Kunden reservieren die Ware online und holen sie anschließend im Shop ab.
Ein bundesweiter Versand von Waren ist aktuell nicht möglich: "Pakete zu packen, den Versand zu organisieren - für viele Händler wäre der Aufwand zu groß, deshalb beschränken wir uns derzeit auf Same Day Delivery und Click & Collect", begründet Heimbold die beschränkte Auswahl an Liefermöglichkeiten. Außerdem wolle man die Stadt und ihre Händler in den Vordergrund rücken.



Das könnte Sie auch interessieren