E-Commerce: Die Spätzünder vom Bau

Cross-Channel-Services werden immer mehr angeboten

Die perfekte Verknüpfung des Online - und Offline-Einkaufs ist auch das hehre Ziel anderer Baumärkte. Bei Hagebau ­etwa stehen in vielen Filialen iPads zur Verfügung, auf denen die Kunden auf das gesamte Sortiment im Online-Shop zugreifen können. Wird im Geschäft über einen der Kundenberater bestellt, wird die Ware versandkostenfrei geliefert. 
Auch Click & Collect gehört mittlerweile mehr und mehr zum Standard für Baumärkte. Genaue Zahlen über die Nutzung des Services gibt es allerdings nicht. Insgesamt halten sich die großen Ketten mit  Zahlen und künftigen Strategien bedeckt. Lieber spricht man über neue Services, wie im Fall von Obi: Der Baumarkt testet in München Same Day Delivery. Bis 12 Uhr bestellt und ab einem Einkaufswert von 100 Euro sollen die Waren im Großraum München von Montag bis Samstag noch am gleichen Tag zugestellt werden - für die ganz ­eiligen DIY-Projekte. 

Logistik ist die große Herausforderung

Insgesamt befindet sich die Baumarkt-Branche mit ihren Multichannel-Konzepten auf einem guten Weg, befindet das IFH Köln. "Auch die Baumärkte entdecken den Online-Handel für sich und platzieren sich mit einem immer größer werdenden Produktsortiment und vor allem mit Cross-Channel-Services, denn die Logistik ist neben der Darstellung der Produkte und den Produktinformationen die große Herausforderung", sagt Eva Stüber, Leiterin Research & Consulting am Institut für Handelsforschung Köln. Lange war genau diese Herausforderung - die Logistik - der Hemmschuh der Branche auf dem Weg ins Netz.
Der Versand von sperrigen Einzelteilen wie Sichtschutzwänden, Rankgittern oder großen, unhandlichen Gartengeräten wie Schubkarren ist kompliziert und oft nur durch eine Spedition zu bewältigen - was hohe Versandkosten nach sich zieht und die Kunden abschreckt. Bei Hornbach können beispielsweise für ­einen Speditionsversand bis zu 129 Euro an Gebühren anfallen.
Mittlerweile begreifen die Ketten das ehemalige Problem aber vor allem auch als Vorteil: Denn die sperrigen Einzelteile sind häufig auch teuer, hohe Warenkorbwerte die Folge; außerdem bindet man die Kunden an sich, wenn man Artikel liefert, die sonst nur schwer zu transportieren sind.
Abgesehen von der Lieferung hat die ­Beratung in der Baumarkt-Branche einen hohen Stellenwert. Das versuchen viele ­Anbieter auch online abzufangen - mit aufwendigem Content-Marketing in Form von Beet-Planern oder Werkzeug-Beratern - aber Detailfragen klären viele Kunden weiterhin am liebsten von Angesicht zu Angesicht. Das erschwert die Situation der Online-Pure-Player. Die sind in diesem Bereich noch rar; doch die großen Umsätze, die im DIY-begeisterten Deutschland mit Schrauben, Farben und Gartenausrüstung zu machen sind, locken.

Amazon wird mehr und mehr zur Konkurrenz

Vor allem Amazon sitzt den Mutlichannel-Händlern im Nacken. Der Online-Riese hat im letzten Jahr stark in das Segment Baumarkt investiert. Die entsprechende Sub-Seite auf Amazon ist zwar wie gewohnt hässlich, punktet aber mit vielen Produktberatern und dem größten Online-Sortiment im DIY-Bereich - auch, weil bisher kaum eine Baumarkt-Kette ihr gesamtes Sortiment online verfügbar macht. Über das große Sortiment versucht auch GartenXXL zu punkten: Die Tengelmann-Tochter, die 2015 ihren Umsatz nach eigenen Angaben um 100 Prozent steigern konnte, hat  Anfang des Jahres ihr Angebot auf 40.000 Produkte ausgeweitet. Größter DIY-Pure-Player aber ist ein On-/Offline-Joint-Venture: Baumarkt-direkt, eine Tochter von Otto.de und Hagebau, ist seit 2007 als Online-Pure-Player aktiv. Im Geschäftsjahr 2013/2014 erzielte der Shop einen Umsatz von 225,7 Millionen Euro.
Noch sind die klassischen Baumarkt-Ketten durch Beratung vor Ort und güns­tige Click & Collect-Angebote also im Vorteil gegenüber den Pure Playern, doch die holen auf. Wer am Ende das Rennen machen wird, ist noch nicht entschieden.



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