Online-Möbelhandel 04.08.2018, 10:45 Uhr

Der Kampf um die Couch

Nach dem Börsengang von Home24 bringt sich der Online-Möbelhandel in Stellung: Während Otto und Ikea zulegen, haben die Pure Player noch Herausforderungen zu meistern.
(Quelle: Home24 )
Als sich im Frühjahr 2018 ein möglicher Börsengang von Home24 abzeichnete, schien das Unterfangen durchaus risikoreich: Das Umsatzwachstum des Online-Möbelhändlers hatte sich 2017 auf 13 Prozent abgeschwächt, während sich das Geschäftsergebnis weiterhin in den roten Zahlen bewegte. Als Home24 dann am 15. Juni erstmals an der Börse gelistet wurde, konnte die Unternehmensführung durchatmen. Die Marktkapitalisierung des Online-Händlers lag bei über 700 Millionen Euro. Und auch seitdem zeigte sich die Home24-Aktie weitgehend stabil. Dabei ist der Börsenerfolg des Unternehmens kein Einzelfall: Der weltweit aktive, in den USA beheimatete Möbelversender Wayfair freut sich regelmäßig über neue Höchstbewertungen. Und im April 2018 ging die schwedische ­Bygghemma-Gruppe (Furniturebox.se, Myhomemøbler.dk) erfolgreich an die Börse. Steht die lange Zeit als E-Commerce-Nachzügler betrachtete Online-Möbelbranche damit vor dem Durchbruch?
Marc Appelhoff, Co-CEO von Home24, sieht sich in dieser Ansicht bestätigt: "Das große Interesse von Investoren an Home24 und diesem Börsengang war überwältigend. Wir freuen uns, unsere Wachstumsgeschichte als börsennotiertes Unternehmen mit dem nötigen Kapital fortzusetzen, um von den großen, noch ungenutzten Marktchancen in der Online-Home & Living-Branche zu profitieren." Das Unternehmen setzt inzwischen verstärkt auf ein Plattformmodell und kombiniert ein breites Produktsortiment von Drittanbietern mit einem margenstarken Eigenmarken-Geschäft, das inzwischen für 56 Prozent des Umsatzes verantwortlich ist. Neben wettbewerbsfähigen Preisen will Home24 bei den Kunden vor allem mit schnellen Lieferzeiten punkten. Dafür hat das Online-Unternehmen seine Logistik optimiert und betreibt seine zwei Versandzentren inzwischen in Eigenregie.

Die Konsumenten sind noch skeptisch

Björn Seynsche ist Director EU Merchandising Catalog Operations bei Wayfair
Quelle: Wayfair
Nimmt man die Umsätze der stationären Marktführer als Maßstab - Ikea kam 2017 in Deutschland auf 4,8 Milliarden Euro, XXXLutz auf 4,2 Milliarden Euro -, ist der Erfolg der Online-Möbelhändler allerdings nach wie vor recht bescheiden: Home24 liegt mit 276 Millionen Euro knapp vor Westwing mit 266 Millionen Euro. Wayfair wuchs 2017 zwar um ganze 40 Prozent auf 4,7 Milliarden US-Dollar, erzielte davon aber nur 568 Millionen US-Dollar außerhalb der USA. Nischenanbieter wie Connox.de, Massivum oder Lampenwelt.de bewegen sich zudem in Umsatzregionen zwischen 20 und 80 Millionen Euro. Das ist nicht schlecht, aber eben auch nicht viel in einem Markt, dessen Gesamtvolumen in Deutschland bei 27,5 Milliarden Euro liegt. Zu einem großen Teil liegt das daran, dass die Online-Möbelbranche noch immer stark mit dem Kampf um Akzeptanz bei den Kunden beschäftigt ist. Während Fashion- oder Elektronikversender munter ihr Geschäft skalieren, suchen Einrichtungs-Shops noch immer nach Lösungen für die aufwendige Logistik oder das fehlende haptische Erlebnis.



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