Medienhäuser im Internet 15.09.2014, 08:31 Uhr

Weg vom verlagseigenen Kerngeschäft

Immer mehr Medienhäuser steigen in den E-Commerce ein. Webshops und Online-Marktplätze lassen die Digitalerlöse steigen - und schaffen dadurch Unabhängigkeit von Werbeumsätzen.
(Quelle: iStockphoto/Chokkicx
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Der nächste Shop liegt einen Klick entfernt: Chip.de zeigt Laptops, führt die Nutzer zu einem Preisvergleichsdienst und so zu den Angeboten von Cyberport und Computeruniverse. Die Webshops wiederum gehören zur Burda Gruppe, verantwortlich für die Redaktion von Chip. Ähnlich funktioniert die Verlinkung bei Computerbild.de: Statt Shops gehört dem Axel Springer Verlag, der die Zeitschrift und ihren Online-Auftritt verantwortet, der Preisvergleichsdienst Idealo. Dieser verdient bei jedem Kauf mit.
Sat1 indes strahlte an sechs Sonntagen im Sommer den zwölf Minuten langen Weg.de-Reiseclub-Clip aus. In der Werbesendung wurden Länder, Städte und Hotels gezeigt. Das namensgebende Reiseportal gehört Pro Sieben Sat1, seine Angebote finden sich auch auf den Sites der anderen Sender.
Die Beispiele zeigen: Medien und Kommerz rücken noch näher zusammen. Die Unternehmen flankieren ihr Kerngeschäft mit Shops, Marktplätzen, Dienstleistungsvermittlung oder Preisvergleichen. Die Strategie dahinter: Informationen und Ratgebertexte verweisen auf Waren, sorgen für Reichweite und immer öfter für Konversion. „Die Kombination aus Medien und Handel hat viel Zukunft“, meint Stefan Winners, Vorstand Digital der Hubert Burda Gruppe.

Kundenbedürfnisse verstehen

"Je näher Hubert Burda Media am Kunden ist, umso besser verstehen wir Bedürfnisse und können mit weiteren Angeboten reagieren" - auch Claas van Delden, Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Sevenventures, einer Tochter von Pro Sieben Sat 1, ist überzeugt, dass "sich Handel und Medien weiter annähern". Und: "Als Fernsehsender können wir online sichtbar Traffic erzeugen, das hilft Consumer Sites, Reichweite zu generieren."
Quelle: OC&C
 Seit Jahren investieren Medienhäuser in E-Commerce. Insgesamt 254 Übernahmen und Zukäufe zählt der Transaktionsmonitor der Beratung Bartholomäus & Cie. für 2013 - im Vergleich zu 2010 eine Zunahme um 24 Prozent. "Die Unternehmen bauen um ihre Print-Flaggschiffe und Medienmarken Digital-Geschäft auf", beobachtet Axel Bartholomäus, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung. "E-Commerce bietet gute Wachstumsaussichten, denn über die verschiedenen Monitore der Nutzer entstehen neue Werbe- und Vermarktungsmöglichkeiten." Erstmals seit Bestehen der Studie erwarben Mediengesellschaften mehr Handelsformate als Informationsangebote. Auf 54 Prozent oder mehr als drei Milliarden Euro kletterten die zugekauften Handelserlöse.



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