Warum Händler zu Herstellern werden

Marktplätze begünstigen die Entwicklung von Eigenmarken

Das bestätigt auch eine aktuelle Untersuchung des US-Portals Marketplace Pulse, die zu dem Schluss kam: Immer mehr Händler auf dem Amazon Marketplace verkaufen immer weniger Produkte von immer weniger Marken. 2016 machten noch 46 Prozent der 10.000 erfolgreichsten Drittanbieter auf Amazon über die Hälfte ihres Umsatzes mit nur einer Marke; 2018 sind es bereits 58 Prozent. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Listings ab: 2016 verkauften 34 Prozent der Händler weniger als 100 Produkte gleichzeitig auf dem Marktplatz; zwei Jahre später sind es schon 42 Prozent, die sich auf ein kleineres Sortiment konzentrieren. 
Für Tim Nedden, Gründer und Geschäftsführer der Agenturgruppe Finc3, ist das die logische Folge der wachsenden Zahl an Marken, die mit Amazon im Rahmen des Vendoren-Programms direkt zusammenarbeiten. "Für die Seller bleibt die Flucht nach vorne: lukrative Nischen entdecken und Eigenmarken entwickeln, die ihnen Exklusivität bieten. So können sie sich dem direkten Preiswettbewerb mit anderen Sellern auf demselben Produkt entziehen", so Nedden. "Logisch, das funktioniert besser, wenn man sich auf wenige Produkte fokussiert, bei diesen aber exzellent ist. Und genau das belegen die Zahlen der Studie: Immer mehr Seller sehen ihre Zukunft in der Eigenmarkenentwicklung." 
Ein weiterer wichtiger Faktor: Die Entwicklung von Eigenmarken, das Sourcing von Lieferanten (meist in Asien) und der Markenaufbau ist in den letzten Jahren deutlich leichter geworden. "Ähnlich wie bei der Internationalisierung war es nie einfacher, mit wenig Kapital die ersten Gehversuche zu beginnen", betont E-Commerce-Berater Peter Höschl. "Wenn man bedenkt, dass Kunden immer weniger auf den Statusgewinn durch große Marken achten, dafür aber eher nach Produkten suchen, die Probleme lösen oder Wünsche erfüllen, muss sich jeder Händler zumindest mit dem Thema aus­einandersetzen."



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