Personalisierte Kartons 02.01.2017, 11:00 Uhr

So fällt man mit individuellen Verpackungen auf

Online-Händler müssen sich von Wettbewerbern abgrenzen - und das nicht nur im Shop. Individuelle Verpackungen, die aus der Masse der Pakete herausstechen, helfen dabei.
(Quelle: Shutterstock.com/cybrain )
Jedes Jahr vor Weihnachten das gleiche Bild: Die Lastwagen der Paketdienste sind brechend voll mit Kartons. Doch der Anblick der Sendungen auf der Ladefläche ist meist trostlos - Braun in allen Schattierungen dominiert den Paketberg.
Aber: Immer mehr Händler nutzen die Versandverpackung gezielt, um ihre ­Marke zu stärken und sich von der Konkurrenz abzuheben. "Die Nachfrage nach besonderen Verpackungen steigt momentan kontinuierlich an, da die Versender im E-Commerce nach Unterscheidungsmerkmalen gegenüber industriell verpackter Massenware suchen", hebt Jens-Uwe Wölk, Produktmanager beim Verpackungs­anbieter Knüppel Verpackungen, hervor.
Eine steigende Nachfrage verzeichnet auch Rajapack. Rund zwölf Prozent des Umsatzes bei dem Verpackungsspezialisten entfallen mittlerweile auf personalisierte Produkte. Vor allem bedruckte Versandverpackungen und personalisierte Klebebänder gehören für viele Online-Händler zum Standard. Dabei zeichne sich eine Professionalisierung ab, ist man bei Rajapack überzeugt. Die Branche habe eine gesunde Balance zwischen Individualisierung und Wirtschaftlichkeit gefunden.
Klar ist: Schöne Pakete haben ihren Preis. Die bunt bedruckten Kartons von Alles­seife.at etwa kosten rund viermal so viel wie vergleichbare unbedruckte Kartons. Ähnlich verhält es sich bei Biocornflakebox.com: "Ein bedruckter Karton kostet etwa zwei Euro netto im Einkauf und somit etwa 1,50 Euro mehr als herkömmliche braune Kartons", sagt Geschäftsführer Matthias ­Dobrzynski. Die Mehrkosten sind zu 50 Prozent in den Produktpreis einkalkuliert, "den Rest nehmen wir als Werbebudget in Kauf", so Dobrzynski. Dafür verzichtet er auf Zeitungswerbung oder Flyer. 

Die Kartons erzielen hohe Resonanz in sozialen Medien

(Quelle: Oberlandla)
Für Fabio Cinelli, Inhaber des Shirt-Shops Oberland.la, ist die Verpackung Teil der Corporate Identity. Rund 80 Cent mehr als für eine Standardverpackung investiert er in die rundum bedruckten Kartons im ­bayerisch-ländlichen Holzkisten-Look. "Da wir kein Ladengeschäft haben, in dem wir durch Einrichtung und Ambiente eine Atmosphäre für den Kunden schaffen können, wollen wir ihn schon mit dem Erhalt seiner Bestellung in positive Stimmung für das Auspacken bringen", erklärt Cinelli.
Er beobachtet zwei außergewöhnlich positive Effekte: Zum einen verwenden viele Kunden die Kartons als Aufbewahrungs­boxen weiter. Damit habe er sein Werbemittel dauerhaft im Alltag des Kunden platziert. Zum anderen fördere die Verpackung das Word-of-Mouth-Marketing. "Es wird über uns gesprochen und wir werden oft ­allein wegen unserer Verpackung in sozialen Medien gepostet", so Cinelli.
(Quelle: Zalon)
Zalon, der Curatet-Shopping-Ableger von Zalando, will die individuelle Stilberatung auch in der Verpackung widerspiegeln. "Wir möchten unseren Premium-Service unterstreichen: Nicht nur Curated Shopping, sondern auch Curated Packaging", heißt es bei Zalon. Deswegen kommen in jede der auffällig gemusterten Boxen maximal zwei komplette Outfits. Kleidungsstücke, die zusammengehören, werden mit einer Schleife verbunden.
Daniel Kirin, beim Start-up Adnymics verantwortlich für das Marketing, weist noch auf einen weiteren Aspekt hin: Eine schöne Verpackung und ein individueller Beileger machen seiner Meinung nach aus einem beliebigen Paket beinahe ein persönliches Geschenk - und wer gibt schon persönliche Geschenke zurück? Diese psychologische Bindung könne die Retouren­quote erheblich senken.
Deswegen hat sich Adnymics individuell auf Basis des Kauf- und Surfverhaltens des Kunden zusammen­gestellte Paketbeilagen spezialisiert und ­kooperiert mit Printmate, einem Anbieter bedruckter Versandverpackungen. 
(Quelle: allesseife.jpg)
Dass das Konzept aufgehen kann, beweisen Allesseife.at und Biocornflakebox.com: Beide haben Retourenquoten von null Prozent - auch wenn dies natürlich nicht nur auf die Verpackung zurückzuführen ist. "Wenn Sie wollen, dass Ihre Kunden Ihre Marke wertschätzen, dann müssen Sie ­ihnen diese Wertschätzung auch auf allen Ebenen entgegenbringen", so das Credo von Claudia Schneider von Allesseife.at.



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